Ich saß um 2:14 Uhr nachts auf dem Badvorleger. Das grelle blaue Licht meines Handys beleuchtete die absolute Panik in meinem Gesicht, während mein ältester Sohn, Leo, im Nebenzimmer schlief. Ich starrte auf den leuchtenden Bildschirm des Babyphones und wechselte dann hektisch zurück zu dieser pastellfarbenen App, die ich heruntergeladen hatte. Laut dem Internet war Leo genau 24 Wochen und 3 Tage alt, was bedeutete, dass er eigentlich schon völlig frei sitzen, eine Symphonie aus Konsonanten brabbeln und im Grunde seine eigene Steuererklärung machen sollte. Nichts davon tat er. Er drehte sich meistens nur in einem seltsamen, frustrierten Robben im Kreis wie ein kaputter Staubsaugerroboter.
Ich saß also da, weinte in ein feuchtes Handtuch und war felsenfest davon überzeugt, als Mutter versagt zu haben, weil ich in seinen Wachphasen nicht genug „sensorisches Spielen“ oder Lernkarten mit ihm gemacht hatte. Ich bin jetzt mal ganz ehrlich zu euch: Die Baby-Ratgeber-Industrie hat unsere Ängste als Waffe gegen uns eingesetzt. Wenn du gerade wegen einer Tabelle hyperventilierst, die dir vorschreibt, was dein Kind in der 17. Woche können sollte, atme bitte tief durch, lösche diesen Unsinn von deinem Startbildschirm und hör mir zu.
Ich habe in fünf Jahren drei Kinder bekommen. Diese wöchentlichen Meilensteine in der Entwicklung sind der reinste Betrug, nur dazu da, uns müden Millennial-Eltern das Gefühl zu geben, schon jetzt alles falsch zu machen. Meine Mutter erzählt mir immer, dass sie uns damals einfach auf eine Krabbeldecke auf den Boden gelegt haben – und wenn wir irgendwann vor dem College-Abschluss liefen, galt das als voller Erfolg. Manchmal verdrehe ich bei ihren Erziehungsweisheiten von damals die Augen, aber ehrlich gesagt hat sie bei dieser Sache vollkommen recht. Man sagt uns, das Gehirn eines Babys verdopple im ersten Jahr praktisch seine Größe, was angeblich erklärt, warum sie so miserabel schlafen und ohne ersichtlichen Grund weinen, aber wer weiß schon, wie genau das wirklich stimmt. Lasst uns mal darüber reden, was tatsächlich passiert.
Die verschwommene Überlebensphase mit Neugeborenem
Die ersten drei Monate nennt man oft das „vierte Trimester“, was im Grunde nur eine höfliche Umschreibung dafür ist, dass dein Baby eine wütende Kartoffel ist, die sich erst noch an die Schwerkraft gewöhnen muss. Die Apps sagen dir, dass sie ab der zweiten Woche Objekten mit den Augen folgen und dir in Woche sechs ein echtes, soziales Lächeln schenken sollten. Ich weiß noch, wie ich meinem zweiten Kind in der dritten Woche eine schwarz-weiß gestreifte Karte vors Gesicht hielt und er einfach durch mich hindurchstarrte, als würde ich ihm Geld schulden.
Angeblich machen ihre Sehnerven in dieser Zeit irgendwelche komplizierten Verknüpfungen durch, weshalb sie nur Dinge sehen können, die ihnen quasi direkt vor der Nase schweben. Dr. Miller, unser Kinderarzt und absoluter Heiliger, sagte mir, ich solle aufhören, mich wegen des genauen Tages zu stressen, an dem sie einem Spielzeug mit den Augen folgen, und sie einfach beim Füttern ansehen. Anscheinend ist ihre Sehweite perfekt auf den Abstand von der Brust zum Gesicht der Mutter abgestimmt. Irgendwie gruselig, aber auch irgendwie süß.
Das Einzige, was mich in dieser Phase wirklich interessierte, war, einen Weg zu finden, sie mal für drei Minuten am Stück abzulegen, damit ich eine Tasse Kaffee trinken konnte, die nicht aus der Mikrowelle stammte. Für unseren Ältesten kauften wir so einen riesigen Spielbogen aus Neonplastik, der in Dauerschleife eine blecherne Melodie abspielte. Davon bekam ich täglich Migräne und Leo hasste ihn. Als mein zweites Kind kam, war ich schlauer und kaufte das Bär und Lama Spielbogen-Set von Kianao. Ich weiß, über achtzig Euro fühlen sich nach einer echten Investition für einen Holzbogen und ein paar gehäkelte Tiere an, aber allein für die Stille würde ich das Doppelte zahlen. Er ist aus naturbelassenem Buchenholz und braucht keine Batterien. Ungefähr in der zehnten Woche – oder vielleicht war es auch die zwölfte, keine Ahnung – fing meine Tochter tatsächlich an, nach dem kleinen Baumwoll-Lama zu patschen. Es war so ein ruhiger, friedlicher Moment der Entdeckung und keine reine Reizüberflutung. Außerdem sieht er in meinem Wohnzimmer wirklich hübsch aus, was ein Wunder ist, da der Rest meines Hauses aussieht, als wäre eine Kita explodiert.
Die eigene Stimme finden und sich weigern zu schlafen
Irgendwann zwischen dem vierten und sechsten Monat stellt dein Baby fest, dass es eine Stimme und einen Körper hat, und beschließt, beides zu nutzen, um dich zu terrorisieren. Die Meilenstein-Tracker machen ein riesiges Drama um das Umdrehen. „Woche 15: Dein Baby könnte sich vom Bauch auf den Rücken rollen!“

Lasst mich euch was über das Umdrehen sagen. Mein mittleres Kind drehte sich mit vier Monaten genau ein einziges Mal um, erschrak dabei zu Tode und weigerte sich dann strikt, es noch einmal zu tun, bis sie fast acht Monate alt war. Ich sprach es bei der Vorsorgeuntersuchung an, weil ich fest mit einer Überweisung zu einem Spezialisten rechnete. Dr. Miller lachte nur und meinte, manche Babys seien eben faul, sie wird sich schon drehen, wenn sie etwas unbedingt haben will. Man muss nur in der Sekunde aufhören, sie zu pucken, in der sie Anzeichen machen, sich zu drehen – was natürlich bedeutet, dass einen ganzen Monat lang niemand auch nur ein Auge zutut.
In dieser Zeit fangen auch alle an, einen wegen der Beikost zu nerven. Meine Oma fragte mich in der zwölften Woche, wann ich denn endlich Reisschleim in die Flasche tun würde – Gott hab sie selig, aber das macht man heute einfach nicht mehr. Unser Kinderarzt meinte, wir sollten bis etwa zum sechsten Monat warten, wenn sie ihre riesigen Köpfe halten können und nicht sofort alles mit der Zunge wieder ausspucken. Man merkt eigentlich von ganz allein, wenn sie so weit sind, weil sie anfangen, deinen Taco-Teller anzustarren wie ein winziger, verhungernder Wolf.
Wir fingen in diesem Alter an, viel mehr Zeit auf dem Boden zu verbringen, um die Rumpfmuskulatur aufzubauen. Ich habe mir die Happy Whale Bambus-Babydecke geschnappt, um sie als saubere Unterlage auf unserem fragwürdigen Wohnzimmerteppich zu nutzen. Ich will ehrlich sein – es ist einfach nur eine Decke. Sie ist wirklich weich, und das Bambusmaterial ist großartig, weil es sich gut waschen lässt, wenn sie unweigerlich halb verdaute Süßkartoffeln darauf spucken. Das Wal-Muster ist auch süß. Aber man muss nicht *unbedingt* ein Vermögen für eine Krabbeldecke ausgeben. Sie erfüllt ihren Zweck, aber meine Jüngste kaute sowieso am liebsten nur auf dem Etikett in der Ecke herum.
Wenn du nach Dingen suchst, die dir die ersten Monate wirklich erleichtern, solltest du dir lieber eine Kollektion hochwertiger Spielbögen ansehen. Dort ist dein Budget besser angelegt, als dich wegen schicker Babydecken zu stressen.
Das absolute Chaos der Objektpermanenz
Okay, reden wir über das Zeitfenster vom siebten bis zum neunten Monat. Da machen ihre Gehirne anscheinend ein riesiges Software-Update, das all ihren bisherigen Code crasht. In den Apps nennt man das „Objektpermanenz“.

Im Grunde begreifen sie, dass du nicht aufhörst, im Universum zu existieren, wenn du in die Küche gehst, um dir ein Glas Wasser zu holen. Du bist einfach in der Küche. Und weil sie wissen, dass es dich gibt, dich aber nicht sehen können, schreien sie, als würden sie von einem echten Bären gejagt. Ich kann gar nicht betonen, wie erschöpfend diese Phase ist. Du kannst nicht mehr allein auf Toilette gehen. Du kannst nicht mal schnell die Post reinholen. Ich weiß noch, wie ich mich mal hinter dem Sofa verstecken wollte, um ein Stück Schokolade zu essen – mein neun Monate altes Kind starrte einfach genau auf die Stelle, an der ich verschwunden war, und brüllte so lange, bis ich wieder auftauchte.
In dieser Phase soll man angeblich viel „Guck-Guck“ spielen, damit sie verstehen, dass Dinge auch wiederkommen. Also verbrachte ich ungefähr sechs Stunden am Tag damit, mir ein Geschirrtuch übers Gesicht zu legen und es wie ein verrückt gewordener Zauberer wieder wegzuziehen. Es ist einfach nur stumpfsinnig. Dann entwickeln sie auch noch diesen Pinzettengriff, mit dem sie plötzlich lernen, ein einzelnes Cheerio oder ein Stück Hundefutter mit Daumen und Zeigefinger aufzuheben. Du verbringst den ganzen Tag mit Fegen, weil auf einmal jedes winzige Staubkorn auf dem Boden eine Erstickungsgefahr ist, nach der sie aktiv jagen.
Oh, und manche Kinder überspringen das Krabbeln komplett und rutschen einfach auf dem Po durch die Gegend oder fangen direkt an, sich hochzuziehen. Verschwende also gar nicht erst deine Energie damit, dir Sorgen zu machen, ob sie bis zur 32. Woche den „klassischen“ Krabbelstil beherrschen.
Aufstehen und das Haus auseinandernehmen
Wenn du dich dem Ende des ersten Jahres näherst, so zwischen dem 10. und 12. Monat, ist das Baby, das du aus dem Krankenhaus mit nach Hause gebracht hast, verschwunden und wurde durch einen winzigen, betrunkenen Diktator ersetzt, der unbedingt in Steckdosen fassen will.
Sie fangen an zu „cruisen“, was bedeutet, dass sie sich an deinem Couchtisch festhalten, seitwärts daran entlanghangeln und alles umstoßen, was ihnen im Weg steht. Die wöchentlichen Tabellen sagen dir, sie sollten „Mama“ oder „Papa“ sagen und zum Abschied winken. Mein Ältester hat erst gewunken, als er 14 Monate alt war. Meine Jüngste hat mit 9 Monaten einem toten Vogel auf dem Bürgersteig zugewunken. Diese Zeitvorgaben sind völlig frei erfunden.
Um diese Zeit herum bekamen wir das Einhorn Spielbogen-Set für meine Tochter geschenkt. Auch wenn es wunderschön ist und das kleine gehäkelte Einhorn unbestreitbar bezaubernd aussieht, wollte sie sich mit 10 Monaten eigentlich nur noch an den Holzbeinen festhalten und versuchen, das ganze Ding auf sich draufzuziehen. Es ist definitiv ein besseres Geschenk für eine Babyshower als für ein Fast-Kleinkind. Wenn du es kaufst, hol es frühzeitig, damit sie sich die süßen Pastellfarben ansehen können, solange sie noch immobil sind. Denn sobald sie sich hochziehen können, ist nichts in deinem Haus mehr sicher.
Ich weiß, wie unglaublich schwer es ist, wenn man mitten in dieser Phase steckt, um 3 Uhr nachts durch Social Media scrollt und das eigene Kind mit dem Baby der Cousine vergleicht, das angeblich schon mit 18 Wochen Babygebärdensprache beherrscht. Aber Dr. Miller sagte mir mal: Wenn diese Kinder in den Kindergarten kommen, erkennt man nicht mehr, wer mit 10 und wer mit 16 Monaten laufen gelernt hat. Man sieht nicht, wer früh sitzen konnte oder wer ewig gebraucht hat, um sich umzudrehen. Sie essen alle nur noch Bastelkleber und lernen, ihre Sachen zu teilen.
Sei nicht so streng mit dir selbst. Schmeiß die App weg. Sieh dein Baby an, vertrau auf dein Bauchgefühl als Mama und denk immer daran: Solange sie wachsen und geliebt werden, entwickeln sie sich genau richtig.
Wenn du Baby-Ausstattung suchst, die dein Kind nicht überstimuliert und trotzdem zu deinem Wohnzimmer passt, stöbere doch mal durch nachhaltiges Baby-Zubehör, das wirklich lange hält.
Die chaotischen Fragen, die wir alle um 2 Uhr nachts googeln
Warum verpasst mein Baby die Meilensteine in der App?
Weil die App von einem Computer programmiert wurde und dein Baby ein Mensch ist. Durchschnittswerte sind eben nur das – Durchschnittswerte. Mein erstes Kind hing bei allen grobmotorischen Fähigkeiten „hinterher“, weil er einen massiven Kopf hatte und keine Lust hatte, ihn hochzuheben. Sprich mit deinem Kinderarzt, wenn dir dein Bauchgefühl sagt, dass wirklich etwas nicht stimmt. Aber ansonsten hör auf, die Entwicklung wie ein Rennen zu behandeln, das du verlierst.
Muss ich wirklich jeden Tag die Bauchlage üben?
Meine Kinderärztin sagte ja, man sollte es versuchen. Aber sie sagte auch, dass es bereits zählt, wenn man sich auf dem Sofa zurücklehnt und das Baby aufrecht auf der Brust liegt. Wenn dein Baby also mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden brüllt, als ginge es um sein Leben – so wie meins damals –, lehn dich einfach zurück und lass es auf deiner Brust ruhen. Das erspart allen eine Menge Tränen.
Sind teure pädagogische Spielzeuge ihr Geld wirklich wert?
Manche davon schon. Spielbögen aus Holz lohnen sich, weil sie robust sind, nicht sofort kaputtgehen und keine blinkenden Lichter haben, die das Baby direkt vor dem Mittagsschlaf völlig überreizen. Aber du brauchst kein Abo für präzise abgestimmten Plastikramsch für jede einzelne Lebenswoche deines Kindes. Ein Kochlöffel und eine Rührschüssel werden sie mit 8 Monaten absolut umhauen.
Wann fangen sie endlich an, nachts durchzuschlafen?
Ich bin ungern die Überbringerin schlechter Nachrichten, aber medizinisch gesehen bedeutet „Durchschlafen“ gerade mal eine Phase von 5 oder 6 Stunden am Stück. Außerdem verändert sich ihr Schlafverhalten mit jedem neuen Entwicklungssprung. Genau in dem Moment, in dem sie das Krabbeln lernen, werden sie anfangen, um 3 Uhr nachts aufzuwachen, um es im Bettchen zu üben. Es ist hart, aber es geht vorbei. Meistens jedenfalls.
Ist es schlimm, wenn mein Baby das Krabbeln komplett überspringt?
Nö. Manche Kinder finden einfach heraus, wie sie durch Rollen oder einen seltsamen Rutschgang auf dem Po von A nach B kommen, und ziehen sich dann eines Tages einfach hoch und laufen los. Meine Jüngste war eine Rollerin. Sie hat sich einfach quer durchs Wohnzimmer gerollt, um an ein Spielzeug zu kommen. Der Arzt hat sich deswegen nicht die geringsten Sorgen gemacht.





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