Meine Mutter meinte am Dienstag, ich solle ihn einfach schreien lassen, weil er meine Autorität testen würde. Das ist natürlich wahnsinnig witzig, wenn man bedenkt, dass er elf Monate alt ist und hauptsächlich kommuniziert, indem er den Hund anprustet. Am Mittwoch lehnte sich unsere ultra-alternative Nachbarin aus Portland über den Zaun und erklärte mir, ich müsse Salbei räuchern, um sein nachtaktives Krafttier zu ehren. Und gestern schrieb mir mein Lead Engineer aus dem DevOps-Team per Slack, ich solle das Problem einfach mit Geld bewerfen und so ein 300-Dollar-Smart-Babybett mit integrierter White-Noise-Maschine kaufen. Drei verschiedene Leute, drei völlig nutzlose Ansätze, um zu ergründen, warum sich mein Sohn plötzlich in eine nachtaktive Kreatur verwandelt hat, die brüllt, sobald meine Frau den Raum verlässt.
Das Objektpermanenz-Update
Wir stecken momentan tief in der Trennungsangst-Phase. Mein Kinderarzt erwähnte beiläufig, dass das Gehirn meines Kindes genau jetzt ein gewaltiges Hintergrund-Update fährt, bei dem er endlich kapiert, dass meine Frau auch dann noch existiert, wenn sie zur Haustür hinausgeht. Anscheinend löst dieser neue Daten-Download die absolute Systempanik aus. Um ihm beim Debuggen dieser Angst zu helfen, hat meine Frau einen ganzen Stapel Bibliotheksbücher besorgt – darunter auch dieses berühmte, in dem drei kleine Vögel auf einem Baum aufwachen und feststellen, dass ihre Mama weg ist. Wir lesen es wirklich jeden Abend.
Wenn ihr in der Schlange im Café jemanden murmeln hört ich bin eine kleine Eule, wo ist Mama, dann bin ich das. Dieser Dialog hat sich nämlich dauerhaft in meine neuronalen Bahnen eingebrannt. Es soll ihm beibringen, dass Mamas immer wiederkommen. Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, ob er die Handlung schon versteht. Meistens versucht er einfach nur, die Pappseiten zu essen.
Die Physik des Abendessens und die Saugnapf-Lösung
Bevor wir uns überhaupt ans abendliche Vorlesen wagen können, müssen wir erst mal das Abendessen überleben. Ich muss hier mal über die Physik eines elf Monate alten Kindes sprechen, das feste Nahrung isst. Ich verzeichne derzeit eine Ausfallquote von 72 % bei Lebensmitteln, die es tatsächlich in sein Verdauungssystem schaffen. Der Rest landet auf dem Boden, in seinen Haaren oder klebt am Esszimmerfenster. Am Sonntag habe ich drei Stunden lang Bio-Süßkartoffelpüree gekocht. Er schaute mir direkt in die Augen, nahm seine Keramikschüssel und warf sie wie einen Frisbee quer durch die Küche. Er sah dabei nicht mal wütend aus, sondern eher wissenschaftlich neugierig auf die Schwerkraft.

Es ist zum Verrücktwerden. Man gibt sein halbes Gehalt für Bio-Gemüse aus, püriert es auf die perfekte Konsistenz, serviert es bei exakt 37 Grad, und dann fegen sie es einfach vom Tablett des Hochstuhls wie eine wütende Katze, die ein Wasserglas umwirft. Der Boden ist dauerhaft klebrig. Meine Socken sind dauerhaft klebrig. Aus reiner Verzweiflung habe ich mal versucht, eine Schüssel mit Panzertape am Tablett festzukleben. Meine Frau hat mich höflich gebeten, das nie wieder zu tun.
Wenn ihr auch gerade in der Phase des Abendessen-Weitwurfs nach Lösungen sucht, solltet ihr euch vielleicht ein paar cleverere Fütter-Accessoires ansehen, bevor ihr noch den Verstand verliert.
Und genau deshalb habe ich eine seltsam tiefe Leidenschaft für die Silikon-Babyschüssel mit Saugfuß entwickelt, die wir von Kianao haben. Sie ist im Grunde ein Denial-of-Service-Schutz für den Küchenboden. Man drückt sie an, es entsteht ein Vakuum, und all seine kleinen Versuche, das Abendessen umzukippen, scheitern kläglich. Gestern packte er den Rand, zog mit seinem gesamten Körpergewicht daran, und die Schüssel blieb einfach dort und lachte ihn förmlich aus. Es war ein wunderschöner Moment elterlichen Triumphs. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das lebensmittelechte Silikon unzerstörbar ist, denn es hat nun schon einen Monat lang jeden Abend die Spülmaschine überlebt, ohne sich zu verformen.
Apropos auf Dingen herumkauen: Bei ihm brechen gerade die oberen Zähne durch, was das abendliche Chaos noch verschärft. Wir bewahren einen Panda-Beißring aus Silikon und Bambus im Kühlschrank auf. Den drücke ich ihm einfach in die Hand, während ich versuche, ihn im Hochstuhl anzuschnallen. So hat sein Zahnfleisch etwas Kühles zum Draufbeißen, während ich mit dem Fünfpunktgurt verhandle.
Tagsüber nutzen wir das Panda-Spielbogen-Set mit Stern & Tipi, um ihn abzulenken, damit ich Mails beantworten kann. Es sieht im Wohnzimmer fantastisch aus und das minimalistische Holz passt perfekt zu unserer Mid-Century-Couch. Aber ich bin ehrlich: Er starrte gestern exakt zwölf Minuten lang auf den kleinen gehäkelten Stern, bevor er aufgab und stattdessen versuchte, das hölzerne Tipi-Bein zu essen. Für ästhetische Fotos ist es super, aber wie lange es die Aufmerksamkeit der Kleinen tatsächlich fesselt, kann variieren.
Die nächtliche Branding-Verschwörung
Mir ist klar geworden, dass all diese Baby-Eulen-Schlafprodukte auf dem Markt – die Nachtlichter, die White-Noise-Maschinen, die Schlafsäcke – nur verzweifelte Versuche von Eltern sind, das furchteinflößende nächtliche Aufwachen ihrer Kinder als etwas Niedliches und Handhabbares zu vermarkten.

Wildtiere in Portland und die lokale Vogel-Polizei
Die Ironie bei all dieser vogelthematischen Kinderzimmer-Ausstattung ist, dass wir letzte Woche tatsächlich einen echten Wildtier-Vorfall in unserem Garten hatten. Ich versuchte gerade, auf der Terrasse meinen kalten Kaffee zu trinken, als der Hund in der Nähe der Eiche völlig durchdrehte. Ich ging rüber und fand dort buchstäblich einen kleinen Wildvogel im Dreck sitzen, der aussah wie ein staubiger Tennisball mit riesigen Augen. Mein erster Instinkt war, zu googeln, wie man aus Rasenschnitt ein Nest baut. Aber meine Frau kam raus, schlug mir das Handy aus der Hand und sagte mir, ich solle zurücktreten.
Wenn man in freier Wildbahn einen winzigen Vogel findet, ist offensichtlich alles falsch, was man aus den Zeichentrickfilmen der 90er Jahre gelernt hat. Hier ist, was ich gelernt habe, nachdem ich panisch die Hotline der lokalen Wildtierrettung angerufen habe:
- Sie sind wahrscheinlich Ästlinge: Wenn sie schon ein paar Federn haben, sind es flügge werdende Vögel, die fliegen lernen, indem sie einfach aus dem Baum springen. Das wirkt zwar wie eine furchtbare Beta-Test-Strategie für die Schwerkraft, aber so ist wohl die Natur.
- Das mit dem Geruch ist Fake News: Vögel haben keinen besonders guten Geruchssinn. Der alte Mythos, dass eine Mutter ihr Baby verstößt, wenn ein Mensch es anfasst, ist also nur eine Erfindung unserer Eltern, um uns davon abzuhalten, schmutzige Dinge im Garten anzufassen.
- Haltet eure Haustiere drinnen: Die größte Gefahr ist nicht, dass das Vogelbaby ausgesetzt wird, sondern dass mein Golden Retriever denkt, er hätte ein neues Quietsche-Spielzeug gefunden.
Wenn ihr einen winzigen flauschigen Vogel seht, der wirklich verletzt aussieht oder gar keine Federn hat, schnappt euch einfach ein Handtuch, setzt ihn vorsichtig in einen Karton und ruft sofort eure lokale Wildtierauffangstation an, anstatt zu versuchen, ihn mit Bio-Milch aus eurem Kühlschrank zu füttern. Versucht nicht, ihn als Haustier zu behalten – es sei denn, ihr wollt gegen diverse Bundesgesetze verstoßen und am Ende einem Richter erklären müssen, warum ihr dachtet, dass ein Greifvogel in euer Gäste-WC gehört.
Bevor wir zu den Fragen kommen, die mir normalerweise von anderen schlafentzogenen Vätern gestellt werden, nehmt euch kurz Zeit, um eure eigene tägliche Routine upzugraden. Schaut euch das komplette Sortiment an durchdachter, nachhaltiger Babyausstattung von Kianao an – extra dafür gemacht, euer Leben ein kleines bisschen weniger chaotisch zu machen.
Fragen, die ich nachts um 2 Uhr immer wieder google
In welchem Alter wird der Trennungsangst-Bug endlich gepatcht?
Mein Kinderarzt meinte vage, dass sie mit etwa 18 Monaten ihren Höhepunkt erreicht – was sich anfühlt, als wäre es noch ein ganzes Leben entfernt. Soweit ich das beurteilen kann, kommt sie in Wellen. Gerade wenn man denkt, man hätte das Problem behoben und kann endlich wieder alleine auf Toilette gehen, passiert ein neuer Entwicklungssprung und man ist wieder an dem Punkt, an dem sie wie eine Seepocke am Bein kleben. Wir versuchen einfach, das Ganze mit sehr viel Geduld und Kaffee durchzustehen.
Hört er wirklich auf, nachts zu weinen, wenn man ihm Vogel-Bücher vorliest?
Ganz ehrlich? Nein. Nicht sofort. Aber meine Frau besteht darauf, dass es darum geht, langfristige Datenassoziationen aufzubauen. Wir lesen jeden Abend das gleiche Buch, damit er das Muster lernt: Mama geht, Mama kommt wieder. Das ist so, als würde man einen Server immer wieder anpingen, bis man auf die Uptime vertraut. Es wird ihn heute Nacht nicht auf magische Weise durchschlafen lassen, aber anscheinend hilft es, auf Dauer emotionale Sicherheit aufzubauen.
Darf die Silikon-Saugnapf-Schüssel in die Mikrowelle?
Ja, und Gott sei Dank. Ich mache seine Haferflocken jeden Morgen direkt in der Schüssel in der Mikrowelle warm. Macht es nur nicht kochend heiß, denn Silikon speichert Wärme. Sonst verbrennt ihr euch selbst die Finger, wenn ihr versucht, sie zum Hochstuhl zu tragen. Fragt mich, woher ich das weiß.
Was ist, wenn die Saugnapf-Schüssel nicht an unserem Holztisch haftet?
Sie haftet perfekt auf dem Plastiktablett unseres Hochstuhls, aber mir ist aufgefallen, dass sie auf unserem porösen Esstisch aus abgenutztem Holz so ihre Probleme hat. Sie braucht eine absolut glatte, saubere Oberfläche, um das Vakuum zu erzeugen. Wenn auf eurem Tablett noch Krümel oder getrockneter Joghurt von gestern kleben, versagt die Versiegelung, und euer Kind wird diese Schwachstelle sofort ausnutzen, um seine Erbsen an die Wand zu pfeffern.
Ich habe ein Vogelbaby gefunden, soll ich ihm Wasser geben?
Nein. Gebt ihm gar nichts. Die Dame bei der Wildtier-Hotline hat mich deshalb regelrecht angeschrien. Anscheinend ist ihre Anatomie etwas merkwürdig: Wenn man versucht, ihnen Wasser in den Schnabel zu tröpfeln, läuft es direkt in ihre Lunge und sie ertrinken. Setzt es einfach in einen dunklen, ruhigen Karton und überlasst den Profis die Arbeit.





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