Es war 8:14 Uhr an einem Dienstagmorgen und ich trug Daves alte College-Jogginghose mit einer verhärteten Kruste aus etwas, das vermutlich Blaubeer-Haferbrei war, am Knie. Dabei drückte ich aggressiv zum dritten Mal den Startknopf meiner Kaffeemaschine – als würde sie dadurch irgendwie schneller werden. Leo saß auf dem Boden, räumte systematisch jede einzelne Tupperdose aus der untersten Schublade und pfefferte sie quer durch die Küche. Und genau in diesem Moment summte mein Handy: Eine Nachricht von meiner 15-jährigen Nichte Chloe.

Stressed mom looking at phone while drinking coffee in kitchen

Es war ein Screenshot von einem TikTok-Profil. Das Profilbild war ein unglaublich süßes, stark stilisiertes Foto von einem asiatischen Kleinkind, das weinte, während es eine Erdbeere aß. Chloes Nachricht dazu lautete nur: „Tante Sarah, sieht Maya im Moment nicht genau wie diese Baby Saja Aesthetic aus??“

Ich starrte auf mein Handy. Die Kaffeemaschine zischte. Ich hatte absolut keine Ahnung, was ich da ansah. Was zur Hölle ist eine „Aesthetic“? Warum benutzt ein wildfremder Teenager das Bild eines weinenden Kleinkinds als seine Internet-Identität? Ich fragte Chloe, ob sie das Kind kenne, und sie schickte mir ein weinend-lachendes Emoji zurück mit den Worten: „Nein omg, das ist einfach ein Vibe.“

Ein Vibe. Das Gesicht eines fremden Kindes ist ein Vibe.

Als mir meine Nichte Internet-Ästhetik erklärte

Ich ließ den Kaffee stehen – was euch beweist, dass es sich um eine ernste Krise handelte – und setzte mich auf den klebrigen Küchenboden direkt neben Leos Tupper-Berg, um meine Nichte per Textnachricht ins Kreuzverhör zu nehmen. Denn offenbar bin ich mit meinen reifen vierunddreißig Jahren schon uralt und habe völlig den Anschluss verpasst.

Geduldig, und wahrscheinlich mit reichlich Augenrollen, erklärte sie mir, dass dies ein riesiger Trend auf TikTok, Discord und was auch immer die Jugend heutzutage nutzt, ist. Teenager nehmen Bilder von ausdrucksstarken, süßen Babys – meistens von öffentlichen Influencer-Accounts oder einfach wahllos bei Google zusammengesucht – und verwenden sie als ihre eigenen Profilbilder. Sie nennen das wohl „Baby Saja Profile Picture“ oder so ähnlich. Sie finden es wahnsinnig witzig, süß oder nachvollziehbar, wenn das Baby mürrisch guckt oder gerade etwas knabbert.

Angeblich bedeutet der Name auf Koreanisch einfach „Löwe“ oder so, aber egal, das spielt eigentlich gar keine Rolle.

Was zählt, ist, dass mich das in eine absolute Panik-Spirale gestürzt hat. Denn mir wurde schlagartig klar: Wenn man ein Bild seines Kindes ins Internet stellt, gehört es einem nicht mehr. Es gehört dem Internet. Und das Internet ist komplett bevölkert von Fremden, die mit einem Rechtsklick speichern und dein echtes Kind als Meme, Moodboard oder Avatar verwenden können.

Dave hält mich für völlig durchgedreht

Ich geriet völlig in Panik. Um 8:45 Uhr weckte ich Dave, hielt mein Handy zwei Zentimeter vor sein Gesicht – während er noch halb im Koma lag – und schrie etwas von digitalen Fußabdrücken und Identitätsdiebstahl. Er war völlig verwirrt. Er blinzelte nur und fragte, ob jemand unsere Kreditkarte gestohlen hätte.

Dave thinks I'm completely unhinged — Why That Viral Baby Saja Trend Totally Freaked Me Out

Aber mein Gehirn raste bereits zurück ins Jahr 2017, als Maya geboren wurde. Oh Gott, was ich damals alles gepostet habe. Ich war diese typische Erstlings-Mama, die dachte, die ganze Welt müsse jeden einzelnen Rülpser und jedes Lächeln sehen.

Sie hatte da dieses eine ganz bestimmte Outfit, den Baby-Body mit Flatterärmeln aus Bio-Baumwolle von Kianao. Ich mache keine Witze, wenn ich sage, dass das mein absoluter Heiliger Gral in Sachen Babykleidung war. Die Bio-Baumwolle war so absurd weich, dass ich am liebsten eine Version für Erwachsene gehabt hätte, und durch die kleinen Flatterärmelchen sah sie aus wie ein winziger, unkoordinierter Waldengel. Außerdem hat das Teil irgendwie gefühlt siebzig gewaltige Windel-Explosionen überstanden, ohne aus der Form zu geraten oder diese seltsam kratzige Textur zu bekommen – was für mich quasi an Hexerei grenzt.

Jedenfalls ist der Punkt: Ich habe wahrscheinlich vierhundert Fotos von Maya in genau diesem Body in unserem Park gemacht. Und ich habe die besten davon auf Instagram gepostet. Auf einem öffentlichen Profil. Mit Hashtags. Öffentlichen Hashtags. So was wie #cutebaby und #toddlerlife und #parkday. Ich habe das Gesicht meines Kindes buchstäblich in einer durchsuchbaren, öffentlichen Datenbank für jeden Spinner oder gelangweilten Teenager zugänglich gemacht.

Ich schnappte mir meinen Laptop und verbrachte die nächsten drei Stunden damit, mich panisch durch zwölf Jahre Social-Media-Geschichte zu klicken. Wisst ihr, wie schwer es ist, alles nachträglich auf „privat“ zu stellen? Es ist ein Albtraum. Facebook versteckt die Privatsphäre-Einstellungen hinter gefühlt vierzehn verschiedenen Menüs, die sich alle sechs Monate ändern, und bei Instagram muss man Beiträge einzeln archivieren, wenn man nicht seinen ganzen Account komplett plattmachen will. Ich habe geschwitzt. Ich habe geflucht. Ich habe meiner Schwiegermutter in GROSSBUCHSTABEN geschrieben und verlangt, dass sie das Album von Mayas Vorschulabschluss runternimmt, weil im Hintergrund der Name der Schule zu sehen war.

Dr. Miller hat noch versucht, mich davor zu warnen

Während ich wie wild meine gesamte digitale Vergangenheit löschte, fing Leo an zu quengeln. Er zahnt gerade, was bedeutet, dass unser Haus eine ständige Symphonie aus Sabber und Geschrei ist. Ich griff blind in die Wickeltasche und drückte ihm seinen Panda-Beißring in die Hand, nur um mir fünf Minuten Ruhe zu erkaufen.

Dr. Miller tried to warn me about this — Why That Viral Baby Saja Trend Totally Freaked Me Out

Schaut mal, es ist nur ein Stück Silikon in Form eines Pandas. Er wird euer Leben nicht auf wundersame Weise reparieren oder euer Baby zum Durchschlafen bringen, und ganz ehrlich: Neun von zehn Malen kaut Leo sowieso lieber auf meiner Fernbedienung oder Daves alten Hausschuhen herum. Aber der Beißring ist absolut sicher und BPA-frei, und ich kann ihn einfach in die Spülmaschine pfeffern, wenn er mal wieder mit mysteriösem Fußboden-Dreck überzogen ist. Er erfüllt also seinen Zweck gut genug, um das Weinen zumindest kurzfristig zu stoppen.

Während er so aggressiv an dem Ohr des Pandas nagte, fiel mir plötzlich wieder ein Gespräch mit unserer Kinderärztin ein. Dr. Miller – die wahnsinnig lieb ist, aber immer so aussieht, als bräuchte sie dringend Urlaub – hat Leo vor einer Weile bei seiner Vorsorgeuntersuchung im vierten Monat durchgecheckt.

Sie rückte gerade seine kleine Windel zurecht und ließ dabei ganz beiläufig diese beängstigende Bombe zum Thema digitale Sicherheit platzen. Sie erzählte, dass sie eine große Prognose von irgendeiner Bank gelesen hätte – Barclays vielleicht? –, die schätzte, dass bis unsere Kinder in den Zwanzigern sind, die große Mehrheit der Identitätsdiebstähle eine direkte Folge davon sein wird, dass Eltern zu viel online teilen („Oversharing“). Weil wir ihre vollen Namen posten, ihre Geburtstage, ihre Standorte, ihre Heimatstädte. Sämtliche Antworten auf Sicherheitsfragen servieren wir einfach so kostenlos auf dem Silbertablett. Sie murmelte noch etwas darüber, dass Kinder keine „digitale Zustimmung“ dazu geben können, dass ihr gesamtes Leben ins Netz gestellt wird. Ich weiß noch, dass ich damals nickte, aber ehrlich gesagt war ich durch den Schlafmangel so durch den Wind, dass ich gedanklich nur um die Frage kreiste, ob Leos grünlicher Stuhlgang normal ist.

Aber als ich da auf dem Küchenboden saß, machte es endlich Klick. Es geht nicht nur um Identitätsdiebstahl. Es geht um Würde. Wenn ich nicht auf einen Fremden auf der Straße zugehen und ihm ein Foto von der weinenden Maya in der Badewanne in die Hand drücken würde – warum zur Hölle habe ich es dann in eine App gestellt, auf die eine Milliarde Menschen Zugriff haben?

Einfach mal in der echten Welt leben

Diese ganze „Baby Saja“-Sache ist vermutlich zum größten Teil harmlos. Es sind einfach Kinder, die Dinge tun, die Kinder eben tun, und das Internet wie einen riesigen Insider-Witz behandeln. Aber es war genau der Weckruf, den ich brauchte, um zu begreifen, dass ich absolut keine Kontrolle mehr darüber habe, was mit einem Foto passiert, sobald ich auf Hochladen klicke.

Anstatt euch also vorzubeten, eure Einstellungen zu überprüfen, keine Hashtags mehr zu verwenden und eure Verwandten anzuflehen, euren Standort nicht mehr zu markieren, schlage ich einfach vor: Macht euch eine riesige Tasse Kaffee und riegelt euer gesamtes digitales Leben in einer einzigen großen Panik-Aktion ab, so wie ich es getan habe. Denn das ist wirklich der einzige Weg, um absolut sicher zu sein, dass das Gesicht eures Kindes nicht auf irgendeinem wilden Discord-Server landet.

Es war tatsächlich unglaublich befreiend. Seit meiner großen Social-Media-Säuberungsaktion am Dienstagmorgen betrachte ich meine Kinder nicht mehr durch die Handykamera. Das Licht ist mir jetzt egal. Es stört mich nicht mehr, wenn der Hintergrund unordentlich ist.

Wenn ihr gerade auch versucht, einfach nur mit euren Kindern in der echten Welt zu existieren, ohne alles ins Internet zu senden, solltet ihr euch vielleicht mal die nicht-digitalen, Offline-Produkte aus der Spielebogen-Kollektion von Kianao ansehen.

Wir haben das Regenbogen-Spielebogen-Set in der Ecke unseres Wohnzimmers aufgebaut – und zwar ganz bewusst deshalb, weil es keinen Stromanschluss braucht, sich nicht mit dem WLAN verbindet und keine Fotos schießt. Es ist einfach nur Naturholz und diese süßen kleinen, greifbaren Formen. Leo liegt darunter und patscht nach den Holzringen, und ich sitze einfach nur da und sehe ihm zu. Ich filme es nicht. Ich poste es nicht. Es ist einfach ein Moment, der nur für ihn und mich existiert, und dann ist er vorbei – und das ist ehrlich gesagt das Schönste auf der ganzen Welt.

Ich glaube, uns wurde die Lüge verkauft, dass wir keine guten Eltern sind, wenn wir nicht alles dokumentieren. Dass das erste Lebensjahr unseres Kindes quasi gar nicht stattgefunden hat, wenn es davon kein perfekt kuratiertes Online-Album gibt. Aber unsere Erinnerungen leben nicht in einer Cloud. Sie leben in der klebrigen, lauten und chaotischen Realität unserer eigenen Wohnzimmer.

Wie auch immer – wenn ihr Lust habt, mir in mein neues, paranoides Offline-Leben zu folgen, in dem wir einfach nur mit haptischen Holzspielzeugen spielen und uns absolut weigern, Bilder ins Internet zu stellen, dann schaut im Bio-Baumwoll-Shop von Kianao vorbei. Schnappt euch etwas Kuscheliges für euer Kind, das am Ende auch wirklich nur ihr an ihm bewundern dürft.

Meine völlig chaotischen Antworten auf eure FAQs

Was genau ist eigentlich dieser „Baby Saja“-Trend?

Ehrlich gesagt sind das einfach Teenager auf Apps wie TikTok oder Discord, die zufällige, meist ästhetische oder süße Fotos von Kleinkindern als Profilbilder nutzen. Sie finden, es ist ein „Vibe“, das Bild eines ausdrucksstarken Babys als ihren Avatar zu verwenden. Es ist seltsam, es ist nervig, und es ist eine krasse Erinnerung daran, dass Teenager keine Grenzen kennen.

Ist es wirklich gefährlich, mein Baby online zu zeigen?

„Gefährlich“ ist vielleicht ein starkes Wort, aber ja, irgendwie schon. Laut meiner Kinderärztin und meiner eigenen paranoiden nächtlichen Recherche macht man sein Kind zu einem massiven Ziel für künftigen Identitätsdiebstahl, wenn man Gesicht, Geburtsdatum und Aufenthaltsort online stellt. Außerdem können sich Fremde einfach die Fotos schnappen und sie für jeden noch so abgedrehten Kram verwenden. Es ist ein riesiger Kontrollverlust.

Wie korrigiere ich meine Privatsphäre-Einstellungen, ohne den Verstand zu verlieren?

Ihr werdet euren Verstand ein kleines bisschen verlieren, ich will ehrlich sein. Aber da müsst ihr wie bei einem Pflaster einfach durch. Geht auf Instagram und stellt euren gesamten Account auf „Privat“. Auf Facebook gibt es in den Einstellungen buchstäblich einen Button „Vergangene Beiträge einschränken“, der mit einem Klick alle alten öffentlichen Dinge auf „Nur Freunde“ umstellt. Macht das. Genau jetzt. Ich warte.

Sollte ich alte Fotos meiner Kinder löschen?

Ich habe fast alles gelöscht, was sich zu persönlich anfühlte. Badewannen-Fotos, Wutanfälle, Bilder mit dem Schul-Logo im Hintergrund – direkt in den Papierkorb. Wenn ihr denkt, dass eurem Kind das Foto mit vierzehn peinlich sein könnte, oder wenn ein wildfremder Mensch es als Meme nutzen könnte, löscht es einfach. Ihr habt das Foto ja ohnehin noch auf eurem Handy gespeichert!

Sind diese Foto-Sharing-Apps für Familien wirklich sicher?

Sie sind definitiv viel sicherer als öffentliche soziale Medien! Apps wie FamilyAlbum oder Tinybeans sind geschlossene Systeme. Nur die Leute, die ihr gezielt einladet (wie Oma und Opa), können die Fotos sehen, und sie werden nicht von Google erfasst. Es hat meine Schwiegermutter davon abgehalten, sich weiter zu beschweren – was ehrlich gesagt schon ein Wunder für sich war.