Die größte Lüge, die uns die Babyartikelindustrie je aufgetischt hat, ist das Konzept der Portabilität. Es gibt diesen hartnäckigen, völlig wahnwitzigen Mythos, dass man einen sündhaft teuren Kindersitz kauft, ihn an einem Dienstag mühelos ins Auto klickt und ihn dann an einem Freitagnachmittag ganz entspannt und ohne ins Schwitzen zu geraten in den Kleinwagen der Großeltern umbaut. Ich kann euch sagen: Wenn ihr nicht gerade professionelle Gewichtheber seid, ist das reine Fantasie. Ich musste das auf die harte Tour auf einem Supermarktparkplatz bei strömendem Regen lernen, während ich stumm Worte vor mich hin fluchte, die ich hier nicht schreiben darf, und mit einer Isofix-Basis kämpfte, die sich scheinbar chemisch mit meinen Autopolstern verbunden hatte.

Als meine Zwillinge aus diesen kleinen Babyschalen herausgewachsen waren, die man wie schwere, unhandliche Obstkörbe herumschleppt, brauchten wir dauerhafte Kleinkindsitze. Solche, die im Auto bleiben, bis das Kind entweder herauswächst oder irgendwann an die Uni geht. Ich habe mich im Internet geradezu obsessiv in ein dunkles Kaninchenloch aus Crashtest-Bewertungen und deutschen Ingenieursforen begeben, was mich schließlich zu Recaro führte. Ja, genau die Leute, die auch Sitze für Porsche und Flugzeuge bauen. Wir besitzen jetzt zwei ihrer gewaltigen, hochtechnisierten Konstruktionen, und sie diktieren ab sofort, wie unsere Familie reist.

Warum um alles in der Welt eine Luftfahrtmarke Ausrüstung für Kleinkinder herstellt

Es hat schon etwas absurd Komisches, einen Zweijährigen in einen Sitz zu verfrachten, der von einem Unternehmen entwickelt wurde, das für Hochgeschwindigkeits-Motorsportsicherheit berühmt ist. Meine Kinder sind keinen extremen G-Kräften ausgesetzt. Sie erleben die örtliche Bundesstraße mit zähen 20 Stundenkilometern hinter einem Laster voller Tiefkühlerbsen. Aber wenn man als völlig übermüdeter Elternteil die Aufgabe hat, winzige Menschen am Leben zu halten, wird man für den Begriff "fortschrittlicher Seitenaufprallschutz" plötzlich unglaublich empfänglich.

Die Wahrheit ist, dass sich ein Kindersitz von einer solchen Marke weniger wie ein Zubehörteil und mehr wie eine dauerhafte bauliche Erweiterung des eigenen Autos anfühlt. Die Materialien sind massiv, der Schaumstoff fühlt sich an, als gehöre er in ein Raumschiff, und das Ganze hat eine schiere, unverrückbare Schwerkraft. Diese Sitze werden derzeit nach der UN ECE R129 Norm (oft i-Size genannt) gebaut, von der ich kaum mehr verstehe, als dass sie nicht nur bei Frontalaufprallen getestet werden, sondern aus verschiedenen, schrecklichen Winkeln darauf eingeschlagen wird. Das Gefühl von Sicherheit ist wirklich wunderbar, auch wenn es sich ein bisschen so anfühlt, als würde man in voller Kampfausrüstung auf den Indoorspielplatz gehen.

Die drehbare Basis, die im Alleingang meinen unteren Rücken gerettet hat

Wenn es eine Meinung gibt, die ich im Dschungel der elterlichen Ratschläge bis aufs Blut verteidigen würde, dann ist es die absolute Notwendigkeit eines um 360 Grad drehbaren Kindersitzes. Bevor wir diese Drehfunktion hatten, erforderte das Hineinsetzen der Zwillinge in einen starren, rückwärtsgerichteten Sitz ein körperliches Manöver, das ich nur als die "entschuldigende Brezel" bezeichnen kann. Man muss sich aus der Hüfte beugen, die Wirbelsäule um 90 Grad verdrehen, ein wild um sich schlagendes, 15 Kilo schweres Kleinkind am ausgestreckten Arm halten und irgendwie dessen Arme durch einen 5-Punkt-Gurt fädeln, während es sich aus Protest völlig steif macht.

Mit der drehbaren Basis (wir haben die Modelle, die sich zur Tür hin drehen lassen) ändert sich das ganze Erlebnis. Man zieht an einem kleinen Hebel, der Sitz dreht sich zu einem her, und man setzt sie einfach hinein, wie ein normaler Mensch, der eine Spülmaschine einräumt. Ich kann gar nicht genug betonen, wie sehr das meinen Blutdruck an einem chaotischen Dienstagmorgen senkt. Ich würde den vollen Verkaufspreis des Sitzes schon allein für diesen speziellen Mechanismus freudig bezahlen.

Natürlich ist das meist genau der Punkt auf der Fahrt, an dem eines der Mädchen beschließt, dass sie mit der Wut von tausend Sonnen zahnt, und anfängt, auf den hochtechnisierten, streng getesteten Schulterpolstern herumzukauen. Um die teuren Polster zu schonen, haben wir immer einen Eichhörnchen-Beißring griffbereit im Türfach klemmen. Der ist wirklich genial für diese festgefahrenen Momente im Stau, in denen die Stimmung in den Keller sinkt – auf dem kleinen Eichel-Teil herumzukauen, scheint sehr befriedigend zu sein. Und da er aus lebensmittelechtem Silikon besteht, werfe ich ihn einfach in die Spülmaschine, wenn er mal wieder von dieser mysteriösen klebrigen Schicht überzogen ist, die jeden Zentimeter meines Autos bedeckt.

Warum unsere Kinder bis zu ihrem vierten Lebensjahr aus dem Heckfenster starren

Unser Kinderarzt hat mir einmal beiläufig erzählt, dass Kinder in skandinavischen Ländern standardmäßig rückwärtsgerichtet im Auto sitzen, bis sie mindestens vier Jahre alt sind. Anscheinend hat das etwas damit zu tun, dass der Kopf eines Babys oder Kleinkindes im Vergleich zu seinem zerbrechlichen kleinen Hals unverhältnismäßig massiv ist. Wenn man stark bremst, während sie nach vorne schauen, sind die physikalischen Kräfte grauenhaft. Wenn sie rückwärts fahren, absorbiert die Schale des Sitzes die Wucht.

Why our kids are staring at the back window until they're four — Is the Recaro Baby Seat Actually Worth It? A Twin Dad's Revi

Ich habe diese beiläufige Bemerkung als absolutes Gesetz verinnerlicht. Es ist mir völlig egal, ob ihre Beine an der Rückbank leicht zerquetscht aussehen. Es ist mir egal, ob sie sich darüber beschweren, dass sie das Armaturenbrett nicht sehen können. Sie bleiben rückwärtsgerichtet, bis ihre Knie ihre Ohren berühren.

Die Recaro-Modelle, die wir gekauft haben, sind für dieses verlängerte Rückwärtsfahren ausgelegt, was in der Theorie genial ist, in der Praxis aber ein bizarres Mikroklima auf der Rückbank erzeugt. Weil sie nach hinten schauen, erreicht die Klimaanlage des Autos sie nie so ganz. Sie sitzen da hinten und marinieren langsam in ihrer eigenen Körperwärme an dem hochdichten Schaumstoff.

Wir haben das Problem gelöst, indem wir dicke Jacken im Auto komplett verbannt haben. Tatsächlich hat uns unsere Hebamme ohnehin erklärt, dass man ein Kind nicht mit einer dicken Daunenjacke in einen 5-Punkt-Gurt setzen sollte, da der Gurt bei einem Aufprall nicht richtig eng an der Brust anliegen kann. Also schnallen wir sie in ihrer normalen, leichten Kleidung an und ich lege ihnen dann die Bambus-Universum-Decke über den Schoß. Sie ist leicht genug, damit sie nicht den Hitzetod sterben, wenn die Heizung endlich anspringt – auch wenn ich an roten Ampeln peinlich viel Zeit damit verbringe, blind hinter mich in den Fußraum zu greifen, um sie wieder hervorzuholen, nachdem sie unweigerlich weggestrampelt wurde.

Wenn ihr nach Ausstattung sucht, die das Leben mit kleinen Kindern tatsächlich etwas erträglicher macht, ohne wie ein furchtbarer Plastikalbtraum in Primärfarben auszusehen, schaut euch mal die anderen durchdachten Sachen an, die Kianao anbietet.

Der gewaltige, schwere, unverrückbare Elefant im Raum

Ich muss ganz ehrlich sein, was den Hauptnachteil dieser deutschen Premium-Sicherheitsthrone angeht. Sie wiegen ungefähr so viel wie ein kleiner Mond. Die schiere Masse der Basis kombiniert mit dem Sitz selbst macht den Wechsel zwischen verschiedenen Fahrzeugen zu einem absoluten Albtraum.

Wenn ihr in einem Haushalt lebt, in dem ihr den Kindersitz regelmäßig zwischen eurem Auto und dem eures Partners hin- und hertauscht, je nachdem, wer die Kinder zur Kita bringt – kauft euch keinen Recaro. Ihr werdet ihn hassen. Ihr werdet den Tag verfluchen, an dem ihr ihn gekauft habt, während ihr schwitzend in eurer Einfahrt steht und versucht, die Isofix-Zangen genau auszurichten. Diese Sitze sind dafür gemacht, einmal eingebaut zu werden – am besten von jemandem, der weiß, was er tut – und dann bis ans Ende aller Tage dort zu bleiben.

Sie sind außerdem unglaublich breit. Die dicken Seitenaufprallschutz-Flügel, die diesen wunderbaren Schutz bieten, bedeuten auch, dass man absolut nicht drei davon nebeneinander auf die Rückbank eines Standard-Familienautos bekommt. Wir haben zwei im Fond eines Kombis, und der winzige Streifen Sitz, der in der Mitte übrig bleibt, reicht kaum aus, um eine schmale Packung Feuchttücher dort abzulegen, geschweige denn einen menschlichen Passagier.

Eine kurze Anmerkung zu nachhaltigen Stoffen und unvermeidlichen Körperflüssigkeiten

Eines der Marketing-Argumente, das mich letztendlich zum Kauf dieser Sitze bewogen hat, waren die OEKO-TEX-zertifizierten Stoffe. Wenn einem klar wird, dass das eigene Kind Hunderte von Stunden damit verbringen wird, auf diesem Material zu schlafen, zu schwitzen und zerkrümelte Reiswaffeln darauf zu verteilen, möchte man schon ganz gerne wissen, dass es keine bizarren Industriechemikalien in seine Poren ausdünstet.

A brief note on sustainable fabrics and inevitable bodily fluids — Is the Recaro Baby Seat Actually Worth It? A Twin Dad's Re

Der Stoff ist angenehm. Er atmet einigermaßen gut, wenn man bedenkt, dass er über stoßdämpfenden Schaumstoff gespannt ist. Aber reden wir mal darüber, was passiert, wenn eurem Kleinkind auf der Autobahn schlecht wird – denn das ist der wahre Härtetest für jedes Babyprodukt.

Die Bezüge eines Premium-Kindersitzes zum Waschen abzuziehen, ist eine Übung in purer Frustration. Es gibt winzige elastische Schlaufen, die in Ritzen versteckt sind, für die man eine Pinzette bräuchte, um sie zu erreichen. Ich habe einmal fünfundvierzig Minuten damit verbracht, zu versuchen, den Bezug der Kopfstütze wieder zu befestigen, und mich schließlich mit "größtenteils reingestopft" zufrieden gegeben und auf das Beste gehofft. Wir haben immer eine zusätzliche Bio-Eisbär-Decke zusammengefaltet im Kofferraum, speziell um sie in Notfällen über den Sitz zu werfen, wenn der Bezug in der Wäsche ist und wir dringend zum Supermarkt müssen. Es ist keine dauerhafte Lösung, aber die Bio-Baumwolle fängt die Schande eines nackten Kindersitzes wunderbar auf.

Also, braucht man wirklich so einen?

Wenn ihr das Budget habt, und noch wichtiger, wenn ihr ein Hauptfahrzeug habt, in dem der Sitz dauerhaft bleiben kann, ohne bewegt zu werden: ja. Die Verarbeitungsqualität ist außergewöhnlich, die Sicherheitsstandards sind lächerlich hoch, und die Drehfunktion wird euch buchstäblich vor der Physiotherapie bewahren.

Erwartet nur nicht, dass ihr ihn mit ins Flugzeug nehmen könnt, versucht nicht, ihn in einen dreitürigen Mini zu quetschen, und lasst euch auf keinen Fall von irgendjemandem einreden, dass das Abziehen der Bezüge zum Waschen eine schnelle Zehn-Minuten-Sache sei. Es ist ein Stück automobiler Sicherheitsausrüstung, das zufällig ein Kind hält, und es verhält sich auch exakt so.

Bevor ihr euch entscheidet, eines dieser Dinger für die nächsten vier Jahre in euer Auto zu schrauben, solltet ihr sicherstellen, dass ihr den Rest eures Reise-Setups im Griff habt. Seht euch die Dinge an, die wirklich transportabel sind, denn die werdet ihr brauchen, wenn ihr endlich an eurem Ziel ankommt.

Chaotische, ehrliche Antworten auf eure Fragen zum Thema Kindersitz

Passen drei davon auf die Rückbank meines Autos?
Es sei denn, ihr fahrt einen Lieferwagen oder einen absoluten Panzer von einem SUV: definitiv nein. Die Seitenaufprallschutz-Flügel sind massiv. Wir haben zwei in einem recht großen Familienkombi und der mittlere Sitz ist mittlerweile nur noch eine dekorative Lücke, in die ich mein Handy fallen lasse und nie wiederfinde.

Ist er zu schwer, um ihn mit ins Flugzeug zu nehmen?
Ich würde eher mein ganzes Auto mit ins Flugzeug nehmen. Diese Dinger sind unglaublich massiv und haben klobige Isofix-Basen, die fest angebracht sind oder zwingend zur Nutzung benötigt werden. Kauft euch zum Fliegen einen günstigen, ultraleichten, flugzeuggerechten Sitz und lasst die schwere deutsche Ingenieurskunst fest verschraubt in eurem Auto zu Hause.

Brauche ich wirklich den Neugeboreneneinsatz?
Ja, auf jeden Fall. Unsere Mädchen waren winzig, als sie geboren wurden (typische Zwillingssituation), und ohne die gepolsterten Einsätze wären sie wie traurige kleine Mehlsäcke in sich zusammengesackt. Der Einsatz stützt sie, damit ihre Atemwege frei bleiben. Wenn sie dann speckig genug werden und die Gurte anfangen, in ihre Oberschenkel zu schneiden, nehmt ihr die Schaumstoffteile einfach heraus.

Wie bekommt man Erbrochenes aus den Gurten?
Man darf die eigentlichen Gurte nicht in die Waschmaschine stecken, weil das die feuerhemmende Beschichtung und die strukturelle Integrität des Gewebes zerstört. Das habe ich gelernt, während ich um 3 Uhr morgens aggressiv gegoogelt habe. Man muss sie mit warmem Wasser und milder Seife abwischen und dann an der Luft trocknen lassen, während das Auto drei Tage lang leicht nach saurer Milch riecht. Ganz schön glamourös.

Geht die 360-Grad-Drehfunktion schnell kaputt?
Unsere hat zwei Jahre tägliche Misshandlung, verirrte zerbröselte Kekse im Mechanismus und mein aggressives Daran-Reißen überlebt, wenn ich spät dran bin, um die Kinder zur Kita zu bringen. Es wird ab und zu ein bisschen schwergängig, wenn ein festes Stück Schmutz in die Basis fällt, also müsst ihr vielleicht alle paar Monate mal mit dem Staubsauger über die Drehschiene saugen.