Mein Schwager erzählte mir, ein Vogelspinnen-Baby sei das perfekte erste Haustier, weil es ruhiges Beobachten lehrt. Die Erzieherin meines Sohnes meinte, ein Spinnentier in einen Haushalt mit einem Kleinkind zu bringen, grenze an Kindeswohlgefährdung. Der Typ auf der örtlichen Reptilienmesse drückte mir einfach einen Plastikbecher mit einem Krümel Erde darin in die Hand und sagte, dem Kleinen würde es gut gehen, solange ich es vor direkter Sonneneinstrahlung schütze. Drei Menschen, drei völlig unterschiedliche Vorstellungen davon, was es bedeutet, eine winzige Vogelspinne zu halten.
Hört zu, ich habe bei meiner Arbeit in der pädiatrischen Notaufnahme in Chicago schon viele seltsame Bisse, Ausschläge und mysteriöse Beulen gesehen. Aber wenn Eltern mich fragen, ob sie einen winzigen Achtbeiner in ein Zuhause bringen sollen, in dem ein Kleinkind gerade versucht, einen Wachsmalstift zu essen, muss ich erst mal tief durchatmen. Lasst uns einfach mal darüber reden, was ein „Spiderling“ eigentlich ist, bevor ihr euer Geld für eine Baby-Spinne ausgebt.
Der Mythos vom tödlichen Biss
Die Leute versteifen sich völlig auf das Gift. Darauf komme ich gleich noch zu sprechen, aber das ist ehrlich gesagt eure geringste Sorge im Umgang mit diesen Tieren.
Worüber ihr euch wirklich Gedanken machen müsst, ist, wie unglaublich zerbrechlich so ein Spiderling ist. Wir sprechen hier von einem Tier von der Größe eines Reiskorns, das wächst, indem es sich alle paar Wochen buchstäblich sein eigenes Skelett vom Leib reißt. Sie sind so empfindlich, dass ein Sturz vom Couchtisch auf den Teppich wahrscheinlich ihren Hinterleib platzen lässt und sie sofort tötet. Stellt euch nun euer Kleinkind vor, dem derzeit noch die Feinmotorik fehlt, um einen Keks zu halten, ohne ihn zu Staub zu zerbröseln, und das versucht, mit etwas zu interagieren, das schon kaputtgeht, wenn man es nur zu stark anatmet.
Das ist einfach das perfekte Rezept für ein sehr trauriges, sehr zerquetschtes Haustier. Kleinkinder sind wandelnde Abrissbirnen. Sie wollen gar nicht zerstörerisch sein, aber ihre Vorstellung von sanftem Streicheln ist oft ein kräftiger Klatscher. Man kann ein so zartes Geschöpf einfach nicht in die Reichweite eines Kindes bringen, das denkt, alles sei eine Trommel.
Was das Gift betrifft: Jede einzelne dieser Spinnen hat es, aber ein Biss von einer Anfängerart fühlt sich in etwa an wie ein Bienenstich – es sei denn, euer Kind ist zufällig allergisch dagegen. Ich würde mir viel mehr Sorgen um die emotionalen Folgen einer zerquetschten Spinne machen als um einen Besuch in der Notaufnahme wegen eines Bisses.
Fliegende Glasfaserdolche
Mein Arzt beugte sich über den Untersuchungstisch, als ich das Thema ansprach, und erklärte mir, dass die eigentliche Gefahr nicht von den Giftzähnen ausgeht. Sondern vom Po.

Neuweltarten wie die Mexikanische Rotknie-Vogelspinne haben am Hinterleib mit Widerhaken versehene Haare, sogenannte Brennhaare. Wenn die Spinne Angst bekommt – was im Grunde ihr Dauerzustand ist – schleudert sie diese mikroskopisch kleinen Nadeln in die Luft. Wenn diese Haare in die Augen, auf die Haut oder in die Atemwege eures Babys gelangen, droht eine schwere allergische Reaktion oder eine zerkratzte Hornhaut, weswegen ihr dann um zwei Uhr morgens in meinem alten Wartezimmer sitzt.
Ihr dürft auch nicht vergessen, dass kleine Kinder noch kein voll entwickeltes Immunsystem haben. Die Gesundheitsbehörden und pädiatrischen Richtlinien besagen generell, dass man keine exotischen Haustiere in der Nähe von Kindern unter fünf Jahren halten sollte. Nicht, weil das Tier ein blutrünstiges Monster ist. Sondern weil euer Kind im Prinzip eine kleine Petrischale ist und sein Körper noch nicht weiß, wie er mit zufälligen fremden Proteinen umgehen soll.
Solltet ihr diese Tiere am Ende doch im Haus haben, müsst ihr die Haut eures Kindes bei jeder Art von Beobachtung bedeckt halten. Ich ziehe meinem Sohn normalerweise einen schlichten, ärmellosen Baumwollbody an, wenn wir draußen auf unsere matschige Insektenjagd gehen. Die Bio-Baumwolle bildet eine natürliche Barriere gegen Schmutz sowie zufällige pflanzliche Reizstoffe und ist so weich, dass er nicht alle fünf Minuten versucht, ihn sich vom Leib zu reißen. Es ist nichts Ausgefallenes, aber der Body übersteht problemlos die Waschmaschine, nachdem er auf der Suche nach Ameisen durch den Schlamm gerobbt ist.
Winzige Käfige und tote Grillen
Man könnte meinen, eine als Haustier gehaltene Spinne bräuchte ein großes, aufwendiges Terrarium, aber das ist der schnellste Weg, sie für immer zu verlieren. Ich habe Aufzeichnungen von einem Züchter gelesen, der sagte, dass bei Spiderlingen kleiner immer besser sei. Sie leben meist in winzigen Plastikröhrchen oder wiederverwendeten Gläschen von den pürierten Erbsen, die euer Baby verschmäht hat.

Die Luftlöcher müssen kleiner sein als der Kopf der Spinne, sonst quetschen sie sich einfach durch und verschwinden auf Nimmerwiedersehen in euren Fußleisten. Man hält sie auf feuchter Kokosfaser und füttert sie mit Dingen wie flugunfähigen Fruchtfliegen. Wenn die gekauften Grillen zu groß sind, müsst ihr ihnen buchstäblich vorab getötete Grillenbeine anbieten. Ja, ihr werdet in eurer Küche Insekten zerlegen, während ihr gleichzeitig versucht, euer Kleinkind davon abzuhalten, einen Wutanfall wegen der falschen Becherfarbe zu bekommen. Das Leben als Mutter ist unglaublich glamourös.
Mir ist immer noch nicht ganz klar, wie oft sich diese Spiderlinge häuten sollen. Manche sagen alle zwei Wochen, andere behaupten, das hänge ganz von der Temperatur im Wohnzimmer ab. Sie drehen sich einfach auf den Rücken und sehen eine Weile aus wie tot, was beim ersten Mal wirklich furchteinflößend ist. Man muss dem Prozess dann einfach vertrauen und hoffen, dass sie das schon hinbekommen.
Beschützende Spinnen-Elternschaft
Ich gebe zu, dass ich Vogelspinnen-Müttern eine gewisse Portion Respekt entgegenbringe. Sie legen diese riesigen Kokons ab, in denen Hunderte von Babys stecken, und bewachen sie mit purer, unbändiger Aggression. Sie sitzen sogar da und drehen den Kokon den ganzen Tag über behutsam um, damit die Eier nicht zusammenkleben.
Ich finde, das ist das Insekten-Äquivalent dazu, ein Baby mit Koliken nachts um drei Uhr in den Schlaf zu wiegen. Einige der in Gruppen lebenden Arten jagen sogar und teilen ihre Nahrung mit den Kleinen, was ehrlich gesagt großzügiger ist als das Verhalten meines Kleinkinds, das sich weigert, mir auch nur eine einzige Pommes abzugeben.
Da euer Kind die winzige Vogelspinne nicht wirklich anfassen darf, müsst ihr andere Wege finden, um sein Bedürfnis zu stillen, nach Dingen zu greifen. Hierbei setze ich stark auf Ablenkung. Als mein Sohn jünger war, war der Spielbogen aus Holz mit hängenden Tieren mein absolutes Lieblings-Hilfsmittel dafür. Ich legte ihn darunter, während ich etwas tat, das meine volle Aufmerksamkeit erforderte, wie zum Beispiel vorsichtig eine tote Grille in ein Plastikröhrchen fallen zu lassen. Das Holzgestell ist super stabil, und er lag einfach da und strampelte nach dem kleinen Elefanten, anstatt zu versuchen, nach Dingen zu greifen, die er nicht berühren sollte.
Wenn ihr gerade überlegt, wie ihr ein Baby unterhalten könnt, ohne auf Bildschirme oder fragwürdige exotische Haustiere zurückzugreifen, solltet ihr euch unbedingt mal unsere Kollektion an pädagogischem Zubehör und Holzspielzeug ansehen.
Bei älteren Kleinkindern könnt ihr versuchen, sie mit etwas Handgreiflicherem umzulenken. Wir haben ein Set aus weichen Gummibausteinen, das ziemlich gut funktioniert. Sie eignen sich prima zum Stapeln und Darauf-Herumkauen, und mein Kind liebt es, die Tierformen zuzuordnen. Es ist zwar ein bisschen lästig, sie zu trocknen, wenn Wasser hineinläuft, aber sie beschäftigen ihn wunderbar auf dem Boden, während ich ihm zu erklären versuche, warum wir manche Insekten nur mit den Augen und nicht mit den Händen betrachten.
Bevor ihr euch auf etwas mit acht Beinen einlasst, beginnt vielleicht erst mal mit sichereren Werkzeugen zur Naturerkundung aus unserem Shop und schaut, ob euer Kind überhaupt schon die Geduld für solche Beobachtungen mitbringt.
Fragen, die niemand stellen möchte
Was passiert, wenn mein Kleinkind Brennhaare in die Augen bekommt?
Ihr fahrt sofort in die Notaufnahme, ohne Umwege. Versucht bloß nicht, sie selbst auszuspülen, und lasst euer Kind nicht reiben. Diese Haare sind im Grunde winziger Stacheldraht, und durch das Reiben dringen sie nur noch tiefer in die Hornhaut ein. Die Ärzte müssen das Auge betäuben und professionell ausspülen. Es ist ein echtes Albtraum-Szenario, das ihr um jeden Preis vermeiden wollt.
Ist es sicher, Spiderlinge im Babyzimmer zu halten?
Absolut nicht. Selbst wenn das Terrarium komplett ausbruchsicher ist, wollt ihr keinen Behälter mit feuchter Erde und lebenden Futterinsekten in der Nähe eures schlafenden Kindes haben. Und wenn das Undenkbare passiert und der Spiderling entwischt, werdet ihr nie wieder ruhig schlafen können mit dem Wissen, dass im Kinderzimmer eine linsengroße Spinne frei herumläuft.
Wie erkläre ich einem Kleinkind die Häutung, ohne es zu traumatisieren?
Haltet es einfach. Ich sage meistens nur, dass das Tierchen seinen engen Schlafanzug auszieht, um einen größeren anzuziehen. Wenn sie die Spinne auf dem Rücken liegen sehen und denken, sie sei tot, erklärt einfach, dass sie gerade harte Arbeit verrichtet und ein Nickerchen braucht. Die ekligen biologischen Details über das Abwerfen von Exoskeletten brauchen sie erst zu hören, wenn sie viel älter sind.
Kann mein Kind krank werden, wenn es das Terrarium anfasst?
Vielleicht. Dabei geht es weniger um die Spinne als vielmehr um das feuchte Bodensubstrat und die Futterinsekten. Fruchtfliegen und Grillen sind nicht gerade hygienisch, und in der warmen, feuchten Erde kann sich leicht Schimmel bilden, wenn man nicht aufpasst. Wascht ihnen einfach gründlich mit echter Seife die Hände, wenn sie das Röhrchen von außen berühren – genau wie ihr es tun würdet, wenn sie im normalen Matsch gespielt hätten.
Was ist, wenn mich die Spinne beim Füttern beißt?
Solange ihr nicht allergisch seid, werdet ihr wahrscheinlich einfach viel fluchen und ein oder zwei Tage lang einen schmerzenden Finger haben. Wascht die Stelle mit Wasser und Seife, behaltet sie wegen einer möglichen Infektion im Auge und versucht, die Spinne nicht in Panik fallenzulassen. Der Einstich durch die Giftzähne ist ein mechanischer Schmerz – es tut also hauptsächlich deshalb weh, weil euch gerade zwei winzige Nadeln gestochen haben.





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