Ich stand nachmittags um zwei in unserer geschotterten Einfahrt, der Schweiß lief mir den Rücken hinunter, und hielt einen waschechten Schuhkarton mit einem zitternden, nackten kleinen Wesen darin. Währenddessen schrie mein ältester Sohn so laut, dass die Nachbarn wahrscheinlich dachten, ich würde ihn entführen. Das war genau der Moment, in dem mir klar wurde, dass meine strengen Erziehungsmethoden mein Leben komplett ruiniert hatten. Ich war so besessen davon geworden, seine Wachphasen in einer Smartphone-App zu tracken, dass allein die Tatsache einer unerwarteten Wildtier-Rettungsmission seinen gesamten Tagesablauf komplett lahmlegte. Wenn ihr wissen wollt, was auf lange Sicht absolut nicht funktioniert: Es ist, wenn ein Internet-Schlafplan eure Familie derart als Geisel hält, dass ein kleiner Notfall im Garten zu einem totalen Systemzusammenbruch führt.
Meine Mutter hat mir immer gesagt, dass Babys einfach einschlafen, wenn ihr Körper müde wird. Früher habe ich so sehr mit den Augen gerollt, dass ich fast mein eigenes Gehirn sehen konnte, aber ehrlich gesagt hatte sie recht. Als Dreifachmama mit Kindern unter fünf Jahren, die nebenbei versucht, einen kleinen Etsy-Shop aus dem Gästezimmer heraus zu führen, habe ich einfach nicht mehr den Luxus perfekt getimter Nickerchen hinter Verdunkelungsvorhängen. Ich musste komplett umdenken. Das bedeutete, alles über Bord zu werfen, was ich über Babyschlaf zu wissen glaubte – und ironischerweise ganz nebenbei noch einiges über die Pflege heimischer Wildtiere zu lernen.
Der absolute Würgegriff der modernen Wachphasen
Lasst mich euch erzählen, wie sehr mich die moderne Schlaftrainings-Industrie bei meinem ersten Kind im Griff hatte. Ich kaufte diese schweren Verdunkelungsvorhänge mit Saugnäpfen fürs Fensterglas, die unweigerlich nachts um drei mit einem Knall wie ein Gewehrschuss herunterfielen. Ich kaufte teure Online-Kurse von Frauen mit perfekten, beigefarbenen Häusern. Ich lief im Dunkeln den Flur auf und ab, weinte in ein Spucktuch und hatte panische Angst, dass das Gehirn meines Sohnes dauerhaft Schaden nehmen und er niemals aufs College gehen würde, wenn er 92 statt der geplanten 90 Minuten wach wäre. Ich verwandelte unser ländliches Zuhause in Texas in eine absolute Ruhezone, die eher an eine Geiselnahme erinnerte: Niemand durfte klingeln, die Waschmaschine anstellen oder niesen – alles nur, um ein Nickerchen zu beschützen, das am Ende sowieso nur quälende 28 Minuten dauerte.
Es war furchtbar, isolierend und hat mein Budget regelrecht aufgefressen. Traditionelle Pucksäcke sind übrigens im Grunde nur Baby-Zwangsjacken, aus denen sie sich wie durch Magie innerhalb von zehn Minuten ohnehin befreien – die landeten bei uns also sofort in der Spendenkiste.
Dieses verrückte australische Schlafprogramm, das meinen Verstand rettete
Erst als mein zweites Kind auf die Welt kam, stieß ich auf etwas, das tatsächlich funktionierte – hauptsächlich, weil ich nachts um vier im Halbkoma unvollständige Wörter in Google tippte. Ich suchte verzweifelt nach Baby Po und dann nur noch nach Baby P, weil meine Daumen zu erschöpft waren, um den vollen Namen des Possums Sleep Program einzutippen. Habt ihr schon mal davon gehört? Es hat rein gar nichts mit dem Beutelratten-Tier zu tun, sondern ist ein ziemlich unkonventioneller Ansatz, der von einer Ärztin in Australien entwickelt wurde.

Soweit ich es verstanden habe, ist die Grundidee, dass man den strengen Zeitplan komplett über Bord wirft und sie einfach wach sein lässt. Anscheinend haben ihre kleinen Gehirne eine Art inneres Messgerät für Schlafdruck. Wenn man sie sich also einfach vor die Brust bindet und durch seinen normalen, chaotischen Alltag schleppt, damit sie Sinneseindrücke sammeln, werden sie irgendwann so müde, dass sie einfach einschlafen, wo auch immer sie gerade sind. Man versteckt sich nicht den ganzen Tag in einem dunklen Raum, sondern geht mit ihnen raus, um sich Bäume anzusehen. Mein Kinderarzt meinte sogar, dass Einschlafstillen oder die Flasche zum Einschlafen ein völlig natürliches, biologisches Hilfsmittel ist und keine schreckliche Angewohnheit, die wir aggressiv abtrainieren müssten.
Da der Sinn dieser Methode darin besteht, mit den Kindern in die Welt hinauszugehen, um sie auszulasten, braucht man Kleidung, die auch sommerlicher Hitze standhält. Ich bin da ganz ehrlich zu euch: Der Ärmellose Baby-Body aus Bio-Baumwolle von Kianao war das Einzige, was mein mittleres Kind bei diesen schweißtreibenden Entdeckungsspaziergängen quasi ununterbrochen getragen hat. Er kostet ungefähr 22 Euro, was viel besser in mein knappes Budget passt als diese absurden Boutique-Outfits. Die atmungsaktive, ungefärbte Baumwolle sorgte dafür, dass sie in der drückenden Luftfeuchtigkeit keine fiesen roten Hitzepickel bekam. Ich habe schon unaussprechliche Windel-Explosions-Flecken im Waschbecken mit Spülmittel aus diesem Stoff geschrubbt, und er hat nicht ein einziges Mal seine Form verloren.
Auf der anderen Seite wurden uns immer wieder ästhetische Spielsachen geschenkt, um das sensorische Spielen zu fördern, wie zum Beispiel das Regenbogen-Spielbogen-Set aus Holz. Hört zu, es ist niedlich. Es sieht toll in meinem Wohnzimmer aus und gibt mir für etwa fünf Sekunden das Gefühl, eine gut organisierte, minimalistische Mutter zu sein. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, kaute meine Jüngste meistens lieber auf einem Silikon-Teigschaber aus meiner Küchenschublade herum, als den Holzelefanten anzustarren. Es ist schon in Ordnung, es hat sie für exakt vierzehn Minuten am Stück abgelenkt, sodass ich meine Etsy-Bestellungen verpacken konnte, aber es ist eben nur „ganz okay“.
Wenn die Natur dir buchstäblich ein winziges Beuteltier in den Garten wirft
Aber lasst uns noch einmal zu diesem schweißgebadeten Moment in der Einfahrt zurückkehren. Manchmal, wenn man draußen ist und versucht, sein Kind für ein Nickerchen auszupowern, stolpert man eben über echte Opossum-Babys im eigenen Garten. Frühling auf dem Land bedeutet nun mal, dass die Natur ständig versucht, sich in dein Leben einzuladen.

Meine Oma hat immer gesagt, man soll der Natur einfach ihren Lauf lassen und weggehen. Aber, Gott hab sie selig, sie glaubte auch, dass es gegen Zahnungsschmerzen hilft, den Babys Whiskey aufs Zahnfleisch zu reiben. Ich hatte jedenfalls nicht vor, ein winziges, nacktes Beuteltier auf dem heißen Beton liegen zu lassen, während mein Golden Retriever es ansah wie einen verirrten Chicken Nugget. Bevor man jedoch eingreift, gibt es eine strenge Regel, an die man sich halten muss – die sogenannte 23-Zentimeter-Regel.
Wenn das kleine Kerlchen von der Nase bis zum Schwanzansatz länger als 23 Zentimeter (etwa 9 Zoll) ist, hat es den Beutel der Mutter offiziell verlassen und lebt da draußen einfach sein bestes, müllfressendes Leben. Also lasst es in Ruhe. Wenn sie aber kleiner sind, sind sie vom Rücken der Mutter gefallen – und Opossum-Mütter kommen schlichtweg nicht zurück, um nach verlorenen Babys zu suchen.
Was man wirklich tun sollte, wenn man ein Wildtier-Baby rettet
Wenn ihr mal mit einem Schuhkarton in der Hand dasteht und eure Kinder fragen, was Opossum-Babys eigentlich essen, dann tretet bitte sofort von der normalen Kuhmilch in eurem Kühlschrank zurück. Die Tierärztin unserer örtlichen Wildtierrettung hat mir erklärt, dass normale Milchprodukte den kleinen Verdauungstrakt eines Beuteltiers komplett zerstören würden.
Wenn ihr sie am Leben halten wollt, bevor eine lizenzierte Wildtierstation übernimmt, denkt daran, dass sie ihre eigene Körpertemperatur nicht regulieren können. Sie brauchen also ein Heizkissen auf niedrigster Stufe unter einer Fleecedecke, während ihr verzweifelt Welpenmilchpulver aus dem Tierfachhandel anmischt. Wildtiere als Haustiere zu halten, ist an den meisten Orten ohnehin strengstens verboten, und der Versuch, eines aufzuziehen, beschert euch schlimmeren Schlafmangel als ein Neugeborenes mit Koliken.
Während ihr noch überlegt, wie ihr Wildtier-Notfälle mit dem nicht existierenden Schlafplan eurer Kinder unter einen Hut bekommt, atmet tief durch und stöbert in der Bio-Babykleidungs-Kollektion von Kianao. So sieht im ganzen Chaos wenigstens einer in eurem Haus kuschelig weich und vorzeigbar aus.
Elternsein ist im Grunde nur eine unendliche Abfolge unvorhersehbarer, chaotischer Momente. Anstatt gegen den Strom zu schwimmen und euch mit strengen Wachphasen-Regeln zu quälen, stillt oder füttert euer Kind einfach in den Schlaf, wenn es funktioniert – und bewahrt die Nummer der örtlichen Wildtierrettung direkt neben der eures Kinderarztes am Kühlschrank auf.
Bevor ich mich wieder diesem massiven Wäscheberg widme, der seit Dienstag auf meiner Couch liegt, kommen hier die ehrlichen, ungefilterten Antworten auf die Fragen, die ihr mir ständig zu diesem ganzen Zirkus stellt.
Die ungeschönten Antworten auf eure nächtlichen Fragen
- Funktioniert die Possums-Schlafmethode wirklich oder ist das Humbug?
Ehrlich gesagt, hat sie mir bei Baby Nummer zwei den Verstand gerettet. Es ist kein Zauberstab, der Babys plötzlich zwölf Stunden am Stück schlafen lässt, aber es hat mich von meiner Panik vor der Uhr befreit. Als mir klar wurde, dass der seltsame, unruhige Schlaf meines Kindes völlig natürliche Biologie war und kein Zeichen dafür, dass ich als Mutter versage, konnte ich meine Tage endlich wieder genießen, ohne ständig auf den Timer meines Handys zu starren. - Was soll ich meinem Baby bei diesen sensorischen Spaziergängen anziehen?
Haltet es einfach und atmungsaktiv, besonders wenn ihr wie ich irgendwo lebt, wo es richtig heiß wird. Die ärmellosen Bodys aus Bio-Baumwolle sind mein absoluter Favorit: Sie sind dehnbar, luftdurchlässig und lassen sich ganz leicht auswaschen, wenn sich euer Kind unweigerlich mit Dreck beschmiert, weil es versucht, einen Käfer anzufassen. - Kann ich dem Opossum aus dem Garten einfach normale Säuglingsnahrung geben?
Auf gar keinen Fall, bitte macht das nicht. Menschlicher Säuglingsnahrung und normaler Kuhmilch fehlen die spezifischen Nährstoffe, die ein Beuteltier braucht, und sie würden es extrem krank machen. Wenn ihr es unbedingt füttern müsst, bevor euch die Wildtierrettung zurückruft, verwendet Esbilac-Welpenmilchpulver gemischt mit warmem Wasser. - Wie baue ich Schlafdruck auf, ohne dass mein Baby übermüdet?
Aus meiner durchaus chaotischen Erfahrung wird das ganze Konzept der „Übermüdung“ von der Schlaftrainings-Industrie maßlos übertrieben, nur um uns Dinge zu verkaufen. Nehmt sie einfach mit in den Supermarkt, lasst sie auf der Krabbeldecke herumrollen oder schaut zusammen zu, wie ihr die Wäsche zusammenlegt. Wenn sie anfangen, sich die Augen zu reiben und quengelig werden, ist das euer Stichwort für ein Nickerchen – völlig egal, was die Uhr sagt. - Können sich meine Kinder mit Krankheiten anstecken, wenn sie Wildtiere im Garten finden?
Mein Arzt sagte mir, dass das Risiko unglaublich gering ist, solange wir uns gründlich die Hände waschen und die Kinder die Wildtiere nicht wirklich anfassen. Opossums haben tatsächlich eine so niedrige Körpertemperatur, dass es für sie fast unmöglich ist, Tollwut zu übertragen – das war eines der faszinierendsten Dinge, die ich bei unserer kleinen Rettungsaktion gelernt habe. Benutzt einfach den gesunden Menschenverstand und einen Pappkarton.





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