Da saßen wir nun, nachts um drei. Meine neugeborene Tochter schlief in ihrem Stubenwagen, den Mund leicht geöffnet wie ein winziger, zahnloser Wels. Ich dämmerte im Stillstuhl vor mich hin und hielt eine kalte Tasse Tee in der Hand. Plötzlich stürzte sich ein zwei Kilo schwerer Schatten vom Wickeltisch direkt auf den Stubenwagen. Ich brauchte die Reflexe aus diesem viralen Baby-Auffang-Video, um das kleine Fellknäuel mitten in der Luft abzufangen, bevor es auf dem Gesicht meines Kindes landete. Das war meine erste Woche mit Neugeborenem und Kätzchen in unserer Wohnung.
Ich dachte, ein Kätzchen mit nach Hause zu bringen, wäre ein bezauberndes, filmreifes Erlebnis für unsere Familie. Sie stolzierte aus ihrer Transportbox und sah teurer und anspruchsvoller aus als eine Designer-Handtasche, völlig unbeeindruckt von dem schreienden Baby im Nebenzimmer. Ich dachte mir, ich könnte die beiden einfach voneinander fernhalten. Das war ein schöner, völlig naiver Gedanke.
Die Leute erzählen einem ja gerne, dass das Aufziehen von Katzenbabys neben Menschenbabys nur eine Frage von klaren Grenzen ist. Diese Leute haben offensichtlich noch nie eine Katze kennengelernt. Katzen sind quasi flüssig. Sie gehen dorthin, wo es warm ist. Und ein schlafendes Baby strahlt Wärme aus wie ein winziger Heizlüfter, der nach Milch und süßem Babyduft riecht.
Hört zu, vergesst als Erstes alles, was eure Schwiegermutter euch darüber erzählt hat, dass Katzen Babys den Atem stehlen. Das ist ein lächerliches Ammenmärchen aus dem Mittelalter. Aber die Realität ist auch nicht völlig harmlos. Katzen wollen einfach nur auf dem weichsten, wärmsten Platz im Raum schlafen, und manchmal ist das eben die Brust eures Babys. Man ist kurz davor, die Katze ins Wohnzimmer zu verbannen, während man jedes noch so absurde Sicherheits-Gadget im Internet kauft und betet, dass die Türscharniere nicht quietschen, wenn man nachts nach dem Rechten schaut.
Das Gitterbett-Netz-Desaster, auf das ich fast hereingefallen wäre
Als mir klar wurde, dass unser Kätzchen geradezu besessen vom Gitterbett war, geriet ich in Panik. Ich verlor mich nachts in den Tiefen des Internets und stieß auf diese Gitterbett-Zelte aus Netzstoff. Sie sehen aus wie kleine Kuppelzelte, die man über die Matratze spannt und mit einem Reißverschluss verschließt. Die Bewertungen versprachen absoluten Schutz vor neugierigen Haustieren.
Ich fragte unsere Kinderärztin bei Mayas U-Untersuchung danach. Sie warf mir diesen zutiefst müden Blick zu, den Kinderärzte für frischgebackene Mamas reservieren, die zu viel Zeit auf Social Media verbringen. Sie erklärte mir, dass Fachverbände solche Netze als massives Strangulations- und Erstickungsrisiko einstufen.
Ich habe früher selbst in der Klinik erlebt, wie tausend dieser gut gemeinten Kinderzimmer-Hacks in der Notaufnahme geendet haben. Ein Baby greift nach dem Netz, zieht es herunter oder das Gestell bricht zusammen, und plötzlich hat man ein Erstickungsrisiko, das weitaus gefährlicher ist als eine Katze, die kuscheln will. Die Empfehlungen rund um die Schlafumgebung von Babys sind komplex und ändern sich oft, aber eine zusammenklappbare Kuppel aus synthetischem Netzgewebe über ein schlafendes Neugeborenes zu stülpen, wird weltweit absolut abgelehnt.
Wir haben die Idee mit dem Netz also komplett verworfen. Stattdessen kauften wir ein beheiztes Katzenbett und schraubten einen massiven Kratzbaum direkt neben der Kinderzimmertür fest an die Wand. So bekam die Katze einen tollen Aussichtspunkt, um uns von oben herab zu beobachten, und das Babybett blieb katzenfrei.
Wie man mit dem kleinen Raubtier richtig umgeht
Die Art und Weise, wie die meisten Menschen ein Kätzchen hochheben, lässt meine Beschützerinstinkte verrücktspielen. Hört auf, sie am Nackenfell zu packen, als wären sie ein Gepäckstück. Ich weiß, Katzenmütter machen das so, aber ihr seid keine Katzenmütter, und ein zappelndes Kätzchen auf den Parkettboden fallen zu lassen, endet meistens für alle Beteiligten in Tränen.

Ihr müsst das Hinterteil stützen. Schiebt eine Hand unter die Brust direkt hinter die Vorderbeine und nutzt die andere Hand, um das Hinterteil sanft abzustützen. So fühlen sie sich sicher und rammen euch nicht instinktiv ihre rasiermesserscharfen Krallen in den Unterarm. Wenn Maya alt genug ist und anfängt, nach der Katze zu greifen, werden wir ihr genau diesen Griff beibringen. Bis dahin ist sie im Grunde eine unbewegliche kleine Kartoffel, also übernehme ich das Tragen.
Wo wir gerade beim Thema Kuscheln und Halten sind: Ihr braucht eine Barriere zwischen diesen spitzen kleinen Katzenkrallen und der papierdünnen Babyhaut. Im Alltag verlasse ich mich da voll auf unseren Baby-Body aus Bio-Baumwolle. Er ist ehrlich gesagt richtig praktisch. Die Druckknöpfe können beim Wickeln im Dunkeln manchmal etwas fummelig sein, aber die dicke Bio-Baumwolle ist erstaunlich robust. Das Material bietet eine tolle Schutzschicht vor versehentlichen Kratzern, wenn die Katze beschließt, mir beim Stillen über den Schoß zu spazieren. Außerdem ist er atmungsaktiv genug, sodass Maya nicht verschwitzt aufwacht.
Die große Katzenklo-Mathematik
Die Verhaltensforschung bei Katzen besteht meistens nur aus wilden Vermutungen, verpackt in teure Tierarztrechnungen. Aber eine Sache scheint universell zu stimmen: die Katzenklo-Gleichung. Die Regel lautet: ein Klo pro Katze, plus ein weiteres als Extra. Ich hielt das für eine Verkaufsmasche der Heimtierindustrie – bis unser Kätzchen auf mein teures Stillkissen pinkelte.
Wenn man ein schreiendes, sabberndes Menschenbaby in das Revier einer Katze bringt, bedeutet das für die Katze puren Stress. Katzen gehen nicht zur Therapie, also drücken sie ihre Unsicherheit aus, indem sie auf eure Lieblingsdinge pinkeln. Letztendlich haben wir ein Katzenklo im Gästebad und ein weiteres in die Ecke meines Home-Office gequetscht. Das entspricht sicher nicht der Ästhetik, die ich für mein Kinderzimmer auf meinem Vision-Board geplant hatte, aber so hält man die Katze zumindest davon ab, das Babyzubehör zu markieren.
Und wenn doch mal ein Missgeschick passiert: Herkömmliche Bleichmittel oder ammoniakhaltige Reiniger lassen den Fleck für die Katze nur wie ein riesiges, leuchtendes Toilettenschild duften. Ihr müsst zwingend Enzymreiniger verwenden. Ich verstehe die Biochemie dahinter nicht ganz, wie diese Enzyme die Urinmoleküle zersetzen, aber meine Nase bestätigt mir, dass es funktioniert.
Giftstoffe und die Falle für ganzheitliche Mamas
Es gibt da gerade diesen riesigen Trend, ätherische Öle im Kinderzimmer zu vernebeln, um Babys beim Schlafen zu helfen. Lavendel, Eukalyptus, Pfefferminze. Das riecht wie in einem Luxus-Spa und macht sich auf jedem Lifestyle-Blog extrem gut.

Für Katzen ist das allerdings praktisch reines Gift.
Katzen fehlt ein bestimmtes Leberenzym, das nötig ist, um die Phenole in ätherischen Ölen abzubauen. Ich habe schon völlig aufgelöste Eltern erlebt, die ihre Kleinkinder in die Klinik brachten und wie eine wandelnde Apotheke rochen – ohne überhaupt zu ahnen, dass der Diffusor, der bei ihnen zu Hause rund um die Uhr lief, langsam aber sicher die Leber ihres Kätzchens lahmlegte. Lasst die Öle aus dem Haus. Euer Baby braucht nur eine frische Windel und beruhigendes Rauschen (White Noise), kein Eukalyptus-Dampfbad.
Wo wir gerade bei Dingen sind, die Katzen wirklich brauchen: Sie benötigen Taurin in ihrer Nahrung für eine gesunde Herz- und Augenentwicklung. Versucht bloß nicht, eure Katze vegan zu ernähren. Kauft einfach ganz normales Katzenfutter und findet euch damit ab, dass ihr für den Rest eures Lebens morgens um sechs Uhr diesen nassen Fleischgeruch in der Nase haben werdet.
Wenn ihr euch nun fragt, wie ihr diese ganze Ausstattung meistern sollt, ohne euer Zuhause mit giftigem Plastik zu fluten, werft am besten einen Blick auf ein paar nachhaltige Baby-Basics, die den Beanspruchungen durch Baby und Haustier problemlos standhalten.
So meistert ihr Revierkämpfe um Spielzeug
Ich habe es mittlerweile völlig aufgegeben, die Katze von den Babyschnullern fernzuhalten. Wir kaufen sie jetzt einfach im Großpack.
Aber es gibt so ein paar Babydinge, die ich mit meinem Leben beschütze. Mein absolutes Lieblingsstück ist unsere Baby-Bambusdecke mit bunten Blättern. Ich habe sie gekauft, weil ich eine Schwäche für zarte Aquarell-Muster habe, aber lieben gelernt habe ich sie, weil sie quasi unzerstörbar ist. Unser Kätzchen hat sie ausgiebig "getretelt", darauf geschlafen und sie wild durchs Wohnzimmer geschleift. Wenn ich sie wasche, kommt sie danach wundersamerweise nur noch weicher aus der Maschine. Bambusfaser soll von Natur aus antimikrobiell wirken, was mir ein gutes Gefühl gibt, da man ja nie weiß, wo diese Katzenpfoten vorher überall gesteckt haben. Ich nutze sie als Unterlage auf dem Boden, wenn Maya auf dem Bauch liegt, damit sie nicht mit dem Gesicht auf dem Wohnzimmerteppich kuschelt.
Beißringe sind ein weiteres Schlachtfeld. Für ein Kätzchen sieht ein Silikon-Beißring exakt wie ein Premium-Kauspielzeug aus, das man extra für Katzen entworfen hat. Wir haben den Panda-Beißring besorgt, als Maya anfing, wirklich alles vollzusabbern. Die Form ist schön griffig für ihre winzigen Hände, und das Silikon ist robust genug, um ihrem kauenden Zahnfleisch standzuhalten. Aber sobald sie ihn fallen lässt, sieht die Katze das als Startschuss zum Spielen. Ich verbringe meinen halben Tag damit, diesen kleinen Panda mit heißem Spüliwasser abzuwaschen, weil das Kätzchen mal wieder versucht hat, ihn unters Sofa zu verschleppen.
Man kann eine Katze nun mal nicht desinfizieren, und mit einem Baby kann man keine Kompromisse aushandeln. Man versucht einfach, das Chaos zu managen, wäscht sich ununterbrochen die Hände und sorgt dafür, dass alle wohlauf bleiben.
Bevor ihr jetzt angesichts von spitzen Krallen und zerbrechlichen Neugeborenen in völlige Panik verfallt: Atmet erst mal tief durch. Es wird viel leichter, sobald die Katze kapiert hat, dass das Baby nun dauerhaft hier wohnt, und das Baby lernt, dass an Katzenschwänzen ziehen eine sofortige Spielpause nach sich zieht. Wenn ihr euch mit Equipment ausstatten wollt, das dem Alltag mit beiden gewachsen ist, stöbert gerne durch unsere Kollektion, bevor wir zu den Fragen kommen, die mir schlaflose Eltern am häufigsten stellen.
Die chaotischen Fragen, die mir jeder stellt
Sollte ich meine Katze weggeben, bevor das Baby da ist?
Also wirklich, nein. Es sei denn, deine Katze hat eine nachweisliche Vorgeschichte von schwerer Aggression – ansonsten ist das Weggeben eine völlige Überreaktion. Die meisten Katzen werden sich in den ersten drei Wochen sowieso nur unterm Bett verstecken. Gib ihnen ein ruhiges Zimmer, verwöhne sie mit etwas besserem Nassfutter und lass ihnen Zeit zur Eingewöhnung. Ich war die halbe Schwangerschaft über fest davon überzeugt, dass meine Katze das Baby hassen würde, und jetzt ignorieren sie sich auf die wunderbarste Weise gegenseitig.
Wie halte ich Katzenhaare von der Babykleidung fern?
Gar nicht. Du akzeptierst einfach, dass Katzenhaare von nun an ein Gewürz und ein modisches Accessoire in deinem Zuhause sind. Ich habe für Notfälle eine klebrige Fusselrolle in der Wickeltasche, aber ehrlich gesagt, ein paar verirrte Haare werden deinem Kind nicht schaden. Wir halten die Kinderzimmertür geschlossen, wenn wir nicht drin sind, was sehr hilft. Aber der Versuch, ein steriles, haarfreies Zuhause aufrechtzuerhalten, ist der sicherste Weg, um verrückt zu werden.
Was passiert, wenn die Katze das Baby kratzt?
Das wird über kurz oder lang wahrscheinlich passieren. Wenn es so weit ist, wasch den Kratzer sofort mit Wasser und Seife aus. Beobachte die Stelle ein paar Tage lang. Die sogenannte Katzenkratzkrankheit gibt es wirklich (sie wird durch Bartonella-Bakterien ausgelöst), aber das ist kein sofortiges Todesurteil. Wenn der Kratzer rot wird, anschwillt oder dein Baby plötzlich Fieber bekommt, ruf deinen Kinderarzt an. Ansonsten halte die Krallen der Katze einfach kurz und bring deinem Kleinkind bei, sanft zu streicheln. Wir schneiden die Krallen unseres Kätzchens jeden Sonntagabend, während es schläft.
Kann die Katze in den Stubenwagen klettern, während das Baby schläft?
Ja, absolut – und sie wird es wahrscheinlich auch versuchen. Deshalb ist die Aufsicht durch uns Eltern nicht verhandelbar. Wenn Maya nachts bei uns im Stubenwagen schläft, bleibt die Zimmertür zu, damit die Katze nicht reinspazieren kann. Wenn Maya tagsüber im Wohnzimmer schläft, sitze ich direkt daneben. Verlass dich auf keinen Fall auf irgendwelche Anti-Katzen-Sprays oder Alu-Folien-Tricks. Eine geschlossene Tür ist die einzige zu 100 Prozent sichere Grenze.





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