Ich saß um elf Uhr nachts auf dem Boden meiner Wohnung in Chicago und starrte auf einen singenden Plastikhund, der dezent nach Benzin roch. Es war der Nachklapp vom ersten Geburtstag meines Sohnes. Das Wohnzimmer sah aus, als wäre eine petrochemische Anlage explodiert. Überall blinkten synthetische Monstrositäten, meist Geschenke von wohlmeinenden Verwandten, die dachten: "Je lauter, desto besser".
Meine Schwiegermutter hatte mir den Hund mit einem stolzen Lächeln überreicht. Sie sagte mir, er sei "pädagogisch wertvoll". Ich nickte nur und dachte an die chemischen Ausdünstungen, die da direkt vor dem Gesicht meines Kindes stattfinden würden.
In genau diesem Moment wurde mir klar, dass ich herausfinden musste, wie wir an umweltfreundliche Geschenke kommen, ohne vor meiner Familie wie eine unerträgliche Öko-Snobbin zu klingen. Das ist ein echter Balanceakt, glaubt mir. Man will sein Kind vor seltsamen Chemikalien schützen, aber man will auch keinen Familienstreit wegen eines Polyester-Teddybären vom Zaun brechen.
Die medizinische Realität von billigem Spielzeug
Schaut, wenn man jahrelang in der pädiatrischen Notaufnahme arbeitet, entwickelt man einen sechsten Sinn für Dinge, die Probleme machen werden. Ich habe tausende Kinder in der Notaufnahme gesehen, die Dinge verschluckt haben, die sie nicht hätten verschlucken sollen. Aber die chronischen Sachen sind es, die mich nachts wirklich nicht schlafen lassen.
Meine Kinderärztin, die meine Ängste als frischgebackene Mama normalerweise abtut, wurde seltsam still, als ich sie nach Spielzeug aus weichem Plastik fragte. Sie erwähnte endokrine Disruptoren und Phthalate. Das sind Weichmacher, die in billigem PVC-Spielzeug stecken, damit es schön knautschig ist. Die Wissenschaft ist da zwar immer im Wandel, je nachdem, welche Aufsichtsbehörde man fragt, aber nach meinem Verständnis ahmen diese Chemikalien im Grunde Hormone nach und bringen so einen winzigen, noch in der Entwicklung steckenden Körper dazu, Dinge zu tun, die er eigentlich nicht tun sollte.
Sie sagte mir, ich solle mir vorstellen, wie diese Chemikalien jedes Mal austreten, wenn ein Baby auf einem Plastikohr oder einem künstlichen Bauklotz herumkaut. Das war keine beruhigende Vorstellung. Am liebsten hätte ich die gesamte Geburtstagsbeute direkt in den Müllschlucker geworfen, aber ich habe mich dann darauf beschränkt, die schlimmsten Übeltäter ganz hinten in meinem Schrank zu verstecken.
Die Vintage-Falle
Sobald man sich entscheidet, grüne Geschenke zu kaufen, rät einem jeder, einfach Second-Hand zu kaufen. Klingt logisch. Man vermeidet Müll und spart auch noch Geld. Aber niemand sagt einem, dass Vintage-Kindersachen im Grunde ein unreguliertes Minenfeld aus verbotenen Substanzen sind.

Ich verbrachte mal einen ganzen Samstag damit, einen Second-Hand-Laden in Wicker Park zu durchwühlen, fest davon überzeugt, eine wahnsinnig verantwortungsbewusste Bürgerin zu sein. Ich fand dieses unglaubliche Retro-Quietschespielzeug aus den Neunzigern. Doch dann schaltete sich mein Krankenschwester-Hirn ein. Die strengen Verbote für bestimmte Phthalate traten in der EU und in den USA nämlich erst Mitte der 2000er Jahre so richtig in Kraft.
Das hieß, dass dieses charmante Vintage-Spielzeug wahrscheinlich genau voll von jener Chemikaliensuppe war, die ich ja eigentlich vermeiden wollte. Solange man kein Massenspektrometer in der Wickeltasche hat, ist es ein aussichtsloses Unterfangen, die chemische Zusammensetzung einer dreißig Jahre alten Plastikente erraten zu wollen.
Nicht mal das alte Holzspielzeug ist sicher. Man findet auf dem Flohmarkt diese wunderschön abgenutzten Holzbauklötze und vergisst völlig, dass die Leute früher dachten, bleihaltige Farbe sei eine fantastische Methode, um ein schönes, leuchtendes Rot hinzubekommen. Es ist zum Mäusemelken.
Der Kaninchenbau der Zertifizierungen
Irgendwann sah ich ein, dass ich neu kaufen musste, aber ich brauchte Garantien. Das Problem ist, dass Begriffe wie "natürlich" oder "Öko" in der Spielzeugindustrie völlig bedeutungslos sind. Das sind reine Marketingbegriffe, die nur dazu dienen, erschöpfte Eltern um 2 Uhr morgens dazu zu bringen, auf "In den Warenkorb" zu klicken.
Der größte Witz überhaupt ist das CE-Zeichen. Eltern sehen diese zwei Buchstaben und atmen erleichtert auf, in dem Glauben, dass irgendein strenger europäischer Prüfer im weißen Kittel das Spielzeug auf seine Umweltverträglichkeit geprüft hat. Pustekuchen.
Das CE-Zeichen ist buchstäblich nur das Versprechen des Herstellers, dass das Spielzeug den grundlegenden Sicherheitsstandards entspricht – dabei geht es meistens um Erstickungsgefahr und Entflammbarkeit. Das heißt aber nicht, dass das auch nur eine einzige unabhängige Person jemals überprüft hat. Jeder kann CE auf eine Kiste mit billigem Plastikmüll stempeln und sie über den Ozean schiffen.
Es bedeutet ganz sicher nicht, dass das Spielzeug nachhaltig hergestellt wurde, dass die Fabrikarbeiter fair bezahlt wurden oder dass sich die Materialien nicht langsam in Mikroplastik auf eurem Wohnzimmerteppich auflösen. Sich in Sachen Nachhaltigkeit auf das CE-Zeichen zu verlassen, ist so, als würde man sich für seine gesunde Ernährung auf das Papier verlassen, in das Fast Food eingewickelt ist.
Die FSC-Zertifizierung bedeutet lediglich, dass das Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt, was ja an sich ganz in Ordnung ist.
Worauf ihr wirklich achten solltet, ist das orangefarbene „Spiel gut“-Siegel. Das bedeutet, dass ein unabhängiger deutscher Ausschuss das Teil ernsthaft auf seinen Spielwert getestet und PVC verboten hat – oder eben GOTS für Textilien. Das Finden dieser Siegel ist für mich der einzige Weg, etwas zu kaufen, ohne mich endlos in stundenlanger Recherche-Panik zu verstricken.
Geschenke, die in unserem Haus wirklich überleben
Ich habe versucht, fast jede Art von Öko-Spielzeug für meinen Sohn, meine Nichten und Neffen zu kaufen. Das meiste davon ist eher ernüchternd. Man gibt fünfzig Dollar für ein handgeschnitztes Holzpuzzle aus und das Kind spielt am Ende sowieso nur mit dem Versandkarton.

Aber ab und zu findet man etwas, das den ganzen Aufwand rechtfertigt. Mein absolutes Lieblingsgeschenk im Moment ist die Kianao Babydecke aus GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle. Ich habe eine für meinen Sohn gekauft, als mich die erste Plastik-Paranoia packte. Sie hat schon fünfzig Gänge in der Kochwäsche, einen schrecklichen Magen-Darm-Vorfall auf dem Rücksitz eines Ubers und das Schleifen durch den Matsch im Lincoln Park überstanden. Sie wird einfach immer weicher und ich muss mir keine Sorgen machen, dass synthetische Mikrofasern in seinem Mund landen, wenn er unweigerlich wieder auf der Ecke herumkaut.
Andererseits habe ich auch ihren Baby-Beißring aus Holz gekauft. Ich wollte ihn wirklich lieben. Er ist ästhetisch ansprechend, perfekt abgeschliffen und absolut giftfrei. Ich bot ihn meinem Sohn in einer besonders schlimmen Zahnungswoche an. Er sah ihn an, warf ihn quer durch den Raum und kaute aggressiv weiter auf meinem Auto-Schlüsselbund aus Metall herum. Es ist ein wunderschönes Produkt, aber Babys haben nun mal null Respekt vor nachhaltiger Handwerkskunst.
Wenn ihr euch dieses Ausprobieren und Scheitern ersparen wollt, schaut euch einfach in einer kuratierten Kollektion für nachhaltige Geschenke um und sucht euch etwas Weiches für Babys oder etwas Funktionelles für ältere Kinder aus.
Die Familien-Intervention
Das Schwierigste an der ganzen Reise war nicht, die richtigen Produkte zu finden. Es war vielmehr, meiner Verwandtschaft die Regeln beizubringen.
Indische Familien zeigen Liebe durch Fülle. Zu einer Geburtstagsparty mit einem kleinen, hochwertigen Holzspielzeug statt mit drei riesigen Plastik-Spielsets aufzukreuzen, fühlt sich für unsere Eltern einfach unnatürlich an. Ich musste mich mit meiner Schwiegermutter zusammensetzen und ihr behutsam erklären, dass wir buchstäblich keinen physischen Platz mehr in der Wohnung für Dinge haben, die vier AA-Batterien benötigen.
Ich schlug ihr die Idee vor, zusammenzulegen. Anstatt dass jeder einen künstlichen Albtraum für zwanzig Dollar kauft, fragte ich, ob wir nicht alle für ein teureres, langlebiges Teil zusammenlegen könnten, wie etwa ein modulares Kletterdreieck aus Holz. Ich erklärte ihr, dass das eine Investition in seine motorischen Fähigkeiten sei – und legte den Fokus auf seine Entwicklung statt auf meine ökologischen Gewissensbisse.
Anfangs war sie skeptisch. Sie nannte mich "Beta" und fragte, warum ich ihm denn die bunten Farben vorenthalten wolle. Aber als sie sah, wie er sechs Monate lang jeden einzelnen Tag auf diesem Holzgerüst herumkletterte, verstand sie es endlich.
Mittlerweile bitte ich die Leute um Verbrauchsgüter. Bio-Badebomben, vegane Fingerfarben oder ein Abo für ein Naturmagazin für die älteren Nichten. Es wird verbraucht, es schafft Erinnerungen und es liegt nicht vierhundert Jahre lang auf einer Mülldeponie.
Bevor ihr zulässt, dass ein anderer Verwandter noch ein singendes Bauernhoftier aus Plastik für euer Haus kauft, nehmt euch eine Minute Zeit, stöbert durch die Holzspielzeug-Auswahl von Kianao und schickt ihnen einfach einen direkten Link zu dem, was ihr wirklich wollt.
Fragen, die mir ständig gestellt werden
Ist Holzspielzeug immer ungiftig?
Ganz klares Nein. Unbehandeltes Rohholz ist in Ordnung, aber in der Sekunde, in der es bemalt oder geklebt wird, spielt man Roulette. Bei billigem Holzspielzeug werden oft formaldehydhaltige Kleber und Farben verwendet, die sofort abblättern. Wenn nicht ausdrücklich dabei steht, dass die Farbe wasserbasiert und speichelecht ist, gehe ich davon aus, dass es Müll ist und lasse es im Regal liegen.
Was ist mit Bioplastik?
Klingt super, bis man das Kleingedruckte liest. Soweit ich weiß, brauchen viele Biokunststoffe immer noch industrielle Kompostieranlagen, um sich abzubauen. Das heißt, wenn man sie in den normalen Hausmüll wirft, liegen sie dort genauso ewig herum. Außerdem mischen einige Hersteller pflanzliche Materialien mit normalem Erdölplastik und nennen es trotzdem "Öko". Davon bekomme ich schon Kopfschmerzen, wenn ich nur daran denke.
Ist es unhöflich, auf einer Einladung um bestimmte, umweltfreundliche Geschenke zu bitten?
Die Leute werden euch sowieso für anstrengend halten, egal was ihr macht, also könnt ihr auch gleich das Spielzeug bekommen, das ihr wirklich wollt. Ich schreibe einfach eine höfliche Notiz, dass wir die Dinge minimal halten und versuchen, Plastik zu vermeiden, und dann füge ich einen Link zu einer Wunschliste hinzu. Sie werden zwar mit den Augen rollen, aber meistens halten sie sich daran.
Was mache ich mit all dem alten Plastikspielzeug, das wir schon haben?
Ich werfe sie nicht weg, es sei denn, sie sind kaputt oder so unglaublich alt, dass Chemikalien austreten. Perfekt funktionierendes Spielzeug in den Müll zu werfen, widerspricht dem ganzen Sinn der Nachhaltigkeit. Ich wische sie einfach ab, lasse mein Kind damit spielen, bis es das Interesse verliert, und spende die noch gut erhaltenen Teile dann an eine örtliche Kita, die sie gebrauchen kann.
Ist Bio-Baumwolle bei Kuscheltieren wirklich so wichtig?
Früher dachte ich, das wäre reine Abzocke, aber dann beobachtete ich, wie mein Sohn beim Einschlafen zwei Stunden lang am Ohr eines Stoffhasen nuckelte. Normale Baumwolle wird mit riesigen Mengen an Pestiziden angebaut, und synthetischer Plüsch ist einfach nur gesponnenes Erdöl. Da Babys ihre Kuscheltiere wie Schnuller benutzen, ist ein kleiner Aufpreis für die GOTS-Zertifizierung die einzige Möglichkeit, wie ich nachts noch ruhig schlafen kann.





Teilen:
Warum die meisten Spielmatten ein Fehlkauf sind (und was wirklich funktioniert)
Beikost überleben: Das taktische Genie der Lätzchen mit Namen