Es war genau 3:14 Uhr morgens. Ich weiß das so genau, weil mich die leuchtend roten Zahlen der Mikrowelle aus der Küche heraus regelrecht verhöhnten. Die Badezimmerfliesen waren eiskalt an meinen nackten Beinen, und ich trug ein graues Stilltop, das aggressiv nach saurer Milch und purer Verzweiflung roch. Mein Sohn Leo, der damals etwa sechs Monate alt war, versuchte sich gerade durch mein Schlüsselbein zu nagen. Einfach völlig wild.
Er schrie schon seit fünfundvierzig Minuten. Nicht dieses „Ich habe Hunger“-Weinen. Auch nicht das „Ich bin müde“-Weinen. Sondern dieses schrille „Mein Gesicht explodiert gleich“-Zahnungs-Weinen.
Ich saß auf der Badematte, wippte ihn auf und ab, scrollte blindlings mit der linken Hand durch mein Handy, und da war sie. Eine Instagram-Werbung für eine Bernstein-Zahnungskette für Babys. Das Baby auf dem Foto schlief friedlich. Die Mutter auf dem Foto trug ein makellos weißes Leinenhemd ohne einen einzigen Spuckfleck. Sie sah ausgeruht aus. Sie sah aus, als hätte sie ihren Kaffee noch heiß getrunken.
Ich wollte sie sein. Gott, wie sehr ich sie sein wollte.
Ich hatte meine Kreditkarte schon in der Hand. Ich tippte buchstäblich den Sicherheitscode ein, um locker vierzig Euro für eine Schnur aus glänzenden braunen Perlen auszugeben, weil die Bildunterschrift versprach, dass sie seine Zahnfleischschmerzen auf magische Weise in Luft auflösen würde. Genau in diesem Moment kam mein Mann Dan ins Badezimmer, rieb sich die Augen, schaute auf mein Handydisplay und seufzte.
Er meinte nur: Kaufen wir jetzt um drei Uhr morgens wirklich eine Erstickungsgefahr, nur weil eine Influencerin uns das sagt?
Ich fuhr ihn an. Natürlich. Denn wie konnte er es wagen, Logik in meinen schlaflosen Wahn zu bringen? Aber ich legte das Handy weg. Und ein paar Tage später, bei Leos Vorsorgeuntersuchung, fragte ich unsere Kinderärztin danach. Und ganz ehrlich: Was sie mir erzählte, weckte in mir das Bedürfnis, jedes einzelne Stück Babyschmuck sofort in den Müll zu werfen.
Dr. Aris zerstörte meine magischen Bernstein-Träume
Die Sache mit diesen baltischen Bernsteinketten ist nämlich die: Die ganze Marketingmasche beruht darauf, dass sie Bernsteinsäure enthalten. Angeblich ist das wie ein natürliches Schmerzmittel oder wirkt abschwellend? Glaube ich jedenfalls? Und die Wärme der Babyhaut soll den Bernstein dazu bringen, die Säure in die Blutbahn abzugeben, um das Zahnfleisch zu beruhigen.
Ich erklärte diese ganze Theorie meiner Ärztin, Dr. Aris – einer unglaublich bodenständigen Frau, die schon alles gesehen hat. Sie hörte wortwörtlich auf, auf ihrem kleinen Laptop zu tippen, drehte ihren Stuhl um und sah mich an.
Sie erklärte mir, dass Bernstein zwar Bernsteinsäure enthält, aber fast 200 Grad Celsius erreichen muss, um sie freizusetzen. Zweihundert Grad.
Was... oh mein Gott. Wenn die Körpertemperatur meines Babys bei 200 Grad liegt, haben wir weitaus größere Probleme als ein geschwollenes Zahnfleisch. Er würde brennen. Wie auch immer, der Punkt ist: Es gibt absolut keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass menschliche Haut dieses Zeug aus einer Kette aufnehmen kann. Der einzige Grund, warum Babys durch das Tragen scheinbar Linderung erfahren, ist, dass sie sich die Perlen in den Mund stecken und darauf herumkauen, was für einen physischen Gegendruck sorgt. Sie kauen im Grunde nur auf harten Steinen.
Und dann kam sie zum Thema Sicherheit, und mir wurde richtig flau im Magen.
Sie erzählte mir, dass Gesundheitsbehörden und im Grunde jede kinderärztliche Vereinigung auf der Welt Eltern anflehen, diese Dinger nicht mehr zu benutzen. Das Strangulationsrisiko ist enorm. Babys schlafen damit, oder die Kette verfängt sich an der Ecke des Gitterbetts oder am Verschluss des Kindersitzes. Und selbst wenn man denkt, man beobachtet sie mit Argusaugen: Babys haben diese rasiermesserscharfen kleinen durchbrechenden Zähnchen. Wenn sie auf der Kette herumkauen und die Schnur reißt? Plötzlich hat man zwei Dutzend winzige, harte Perlen im Mund eines Babys. Es dauert nur eine Sekunde, bis so eine Perle die Atemwege blockiert. Eine einzige Sekunde.
Mir wurde so schlecht bei dem Gedanken, wie kurz davor ich war, auf dieser Badematte so ein Ding zu kaufen.
Ach ja, und Dr. Aris sagte auch: Absolut keine betäubenden Gele mit Benzocain – die soll man sofort in den Müll werfen.
Ab in den Müll.
Der Versuch, die Kette einfach selbst zu tragen
Nachdem mir also riesige Angst davor gemacht wurde, meinem Baby Schmuck umzulegen, dachte ich, ich hätte den ultimativen Eltern-Hack gefunden. Ich entdeckte den Trend der Zahnungsketten für Mamas.

Falls ihr die noch nicht gesehen habt: Das ist im Grunde eine klobige Kette aus lebensmittelechten Silikonperlen, die die Mama trägt. Das Baby kann darauf herumkauen, während man es hält oder stillt. Ich kaufte ein geometrisches Modell in einem senfgelben Ton, den ich mir als sehr schick und modern einredete.
Ich hielt mich für ein Genie. Ich dachte mir: Seht mich an, ich habe eine sichere Zahnungskette für Mamas gefunden, die das Strangulationsrisiko für das Baby komplett eliminiert! Ich bin eine echte Problemlöserin!
Tja. Falsch gedacht.
Spulen wir vor bis zur Geburt meiner Tochter Maya. Sie war etwa sieben Monate alt, wir waren in diesem völlig überfüllten Café – dem, das locker acht Euro für einen Hafermilch-Latte verlangt – und ich trug meine bewährte Mama-Zahnungskette. Maya saß auf meinem Schoß und bearbeitete die größte Silikonperle mit voller Hingabe.
Babys haben die Griffkraft eines wütenden Gorillas. Maya packte die Kette mit beiden Händen, stemmte ihre winzigen Füße gegen meine Brust und zog. Der Verschluss in meinem Nacken hielt stand, aber die Schnur selbst? Sie gab dieses furchteinflößende reißende Geräusch von sich. Und plötzlich sitze ich da in der Öffentlichkeit und versuche verzweifelt, schwere Silikonperlen aufzufangen, die von meiner Brust und meinem Schoß direkt in Mayas Kinderwagen prallen, voller Panik, dass sie eine einatmen könnte, bevor ich sie alle finde.
Selbst wenn man also nach einer Zahnungskette für Mütter sucht, hat man es immer noch mit einer Schnur und Kleinteilen zu tun. Wenn die Schnur reißt, während das Baby darauf kaut und man sie trägt, ist die Erstickungsgefahr genau dieselbe. Die Perlen sind buchstäblich auf Brusthöhe, nur wenige Zentimeter vom Mund entfernt. Ganz ehrlich, diese ständige Angst ist es einfach nicht wert.
Dinge, die wirklich helfen und niemanden gefährden
Wenn ihr gerade mit einem schreienden Baby panisch das Internet durchforstet: Bitte vergesst den Schmuck. Nehmt euch einfach einen sauberen Waschlappen, macht ihn nass, macht einen Knoten rein und legt ihn kurz ins Gefrierfach. Oder sucht nach einem massiven, einteiligen Silikon-Beißring, der keine Millionen von Kleinteilen hat, die nur darauf warten, abzubrechen und euch den Verstand zu rauben.
Ihr braucht Dinge, die aus einem einzigen Stück gegossen sind. Keine Schnüre, keine Perlen, keine Verschlüsse.
Wenn ihr wissen wollt, was wirklich meinen Verstand gerettet hat: Es war der Panda-Beißring von Kianao. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass dieses Ding quasi in meinem BH lebte, damit ich ihn immer schnell griffbereit hatte, als Maya noch ein Baby war.
Er besteht zu 100 % aus lebensmittelechtem Silikon, aber noch wichtiger: Er ist flach und hat in der Mitte eine Aussparung, sodass sie ihn mit ihren winzigen, ungeschickten Fingern richtig gut greifen konnte. Sie kaute auf den Ohren dieses Pandas herum, als würde sie dafür nach Stundenlohn bezahlt. Er ist absolut massiv, es gibt also null Erstickungsangst. Ich konnte ihn einfach in die Spülmaschine werfen, wenn er unvermeidlich auf den Boden eines Supermarktparkplatzes fiel. Er bot ihr genau den gleichen hart-aber-nachgiebigen Gegendruck, den sie von meinem Schlüsselbein wollte, aber eben ohne die blauen Flecken.
Wenn ihr mittendrin in dieser schrecklichen Phase steckt, tut euch selbst einen Gefallen und stöbert einfach mal durch Kianaos Kollektion von Beißspielzeugen – nach Dingen, die wirklich dafür gemacht sind, dass man auf ihnen herumkaut.
Wir hatten auch die Bär-Beißrassel. Sie hat einen Ring aus natürlichem Buchenholz und einen süßen, kleinen gehäkelten Bärenkopf. Ganz ehrlich? Sie ist okay. Sie sieht auf dem Regal im Kinderzimmer wunderschön aus, und ich liebe es, dass sie plastikfrei ist. Aber als Leo noch super klein war, fehlte ihm einfach die Koordination dafür. Er schüttelte sie enthusiastisch und haute sich den schweren Holzring immer wieder selbst ins Auge, was natürlich in noch mehr Geschrei endete. Es lief viel besser, als er etwas älter war – so um die neun Monate – und seine Motorik besser im Griff hatte. Aber für diese ersten, verzweifelten Monate? Bleibt beim weichen Silikon.
Eine andere richtig gute Option, die wir hatten, war der Eichhörnchen-Beißring. Auch hier: Ein massives Stück Silikon. Es hat dieses kleine strukturierte Eichel-Detail, über das beide meiner Kinder liebend gern mit dem Zahnfleisch gerieben haben. Außerdem ist er wie ein Ring geformt, sodass man ihn problemlos an einer Schnullerkette (einer kurzen natürlich) befestigen und ans Shirt klipsen kann, damit er nicht auf dem dreckigen U-Bahn-Boden landet.
Übersteht einfach diese Phase
Zahnen ist die Hölle. Es ist einfach so. Man ist erschöpft, die Babys fühlen sich elend, der viele Sabber sorgt für Ausschlag am Kinn, und man fühlt sich völlig hilflos.

Aber ihnen eine ästhetische Steinchenkette um den Hals zu hängen, ist nicht das Wundermittel, als das es im Internet gerne verkauft wird. Es ist einfach nur ein extrem stressiges Sicherheitsrisiko, getarnt als Naturheilmittel. Haltet euch an kalte Dinge, massives Silikon und findet euch vielleicht einfach mit der Tatsache ab, dass ihr für ein paar Tage einen sabbernden, grummeligen Koalabären mit euch herumtragen werdet.
Und trinkt den Kaffee. Trinkt literweise davon.
Wenn ihr sichere, einteilige Helfer braucht, denen ihr wirklich vertrauen könnt, dann schaut euch Kianaos komplettes Sortiment an sicheren Silikon-Beißringen an. Das Zahnfleisch eures Babys (und eure Schlüsselbeine) werden es euch danken.
Dinge, die mich Eltern dazu immer fragen
Sind irgendwelche Zahnungsketten wirklich sicher?
Ganz ehrlich: Nein. Meine Ärztin war da extrem deutlich. Egal ob Bernstein, Silikon oder Holz – sobald es um den Hals eines Babys gelegt wird, besteht Strangulationsgefahr. Und wenn es aus kleinen, aufgereihten Perlen besteht, ist es eine massive Erstickungsgefahr. Es reicht eine gerissene Schnur. Das ist das Risiko einfach nicht wert.
Wie wäre es, wenn ich die Zahnungskette selbst trage?
Ich habe diese ganze Mama-Zahnungsketten-Sache probiert, und der Schuss ging gewaltig nach hinten los. Ja, es hält die Schnur vom Hals des Babys fern, was gut ist! Aber Babys ziehen kräftig. Wenn sie die Schnur zerreißen, während man sie hält, regnet es plötzlich lose Perlen direkt neben ihrem Mund. Ganz zu schweigen davon, dass das ständige Zerren im Nacken einem mörderische Kopfschmerzen beschert.
Warum schwören dann so viele auf baltischen Bernstein?
Hauptsächlich Bestätigungsfehler! Die Leute kaufen es genau dann, wenn ihr Kind den absoluten Höhepunkt der Unruhe erreicht hat. Ein paar Tage später bricht der Zahn endlich durchs Zahnfleisch, das Baby beruhigt sich, und die Eltern denken: „OMG, der Bernstein hat geholfen!“ Nein, der Zahn ist einfach endlich durchgebrochen. Oder das Baby hat lediglich auf den harten Perlen herumgekaut – was man mit einem sicheren, massiven Beißspielzeug problemlos nachstellen kann.
Kann ich die Silikon-Beißringe einfrieren?
Okay, ich habe das früher auch gemacht, bis man mir davon abriet. Man sollte sie in den Kühlschrank legen, nicht ins Gefrierfach. Wenn sie im Gefrierfach steinhart werden, können sie das ohnehin schon geschwollene Zahnfleisch des Babys wirklich verletzen. Ein kalter Panda-Beißring aus dem Kühlschrank ist perfekt. Steinhartes Eis ist zu viel des Guten.
Wie reinige ich Silikon-Beißringe, wenn sie unterwegs runterfallen?
Denn sie werden sie fallen lassen. Garantiert. Das Beste an lebensmittelechtem Silikon ist, dass man es einfach in den oberen Korb der Spülmaschine werfen kann. Wenn ich unterwegs bin, nehme ich einfach warmes Wasser und die Seife, die es auf der Toilette gibt, oder im Notfall diese kleinen Schnullertücher. Aber zu Hause? Immer ab in die Spülmaschine.





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