Es war 3:17 Uhr morgens, und das blaue Licht meines Smartphones brannte mir förmlich in den Augen, während ich im Stillstuhl saß und verzweifelt versuchte zu protokollieren, wie viele Milliliter Muttermilch mein Ältester gerade hastig hinuntergeschluckt hatte. Mein Mann schnarchte im Nebenzimmer. Der Hund schnarchte auf dem Teppich. Und ich saß da, weinte in ein Spucktuch und tippte wie wild in einer hochgelobten Eltern-App herum – fest davon überzeugt, dass der Kinderarzt irgendwie davon erfahren und mir meine Mutterlizenz entziehen würde, wenn ich diese 70-Milliliter-Mahlzeit nicht festhielte. Ich weiß noch, wie ich auf dieses winzige, rotgesichtige, zappelnde Wesen in meinen Armen hinabsah und mir klar wurde: Die perfekt kuratierten Pinterest-Boards hatten mich belogen.

Wenn man schwanger ist, lebt man in dem, was ich die „Vielleicht-Baby-Phase“ nenne. Alles ist rein hypothetisch. Man faltet winzige Söckchen zusammen, die aussehen, als gehörten sie einer Puppe. Man kauft Kinderzimmerdeko in neutralen Tönen und stellt sich vor, wie man heißen Kaffee schlürft, während das engelsgleiche Baby in einem Stubenwagen aus handgeflochtenem Seegras vor sich hin brabbelt. Man glaubt, man bereitet sich auf ein Baby vor, aber dann entbindet man und muss plötzlich ein „E-Baby“ managen – einen winzigen Menschen, den man irgendwie an WLAN-Monitore, smarte Bluetooth-Söckchen und vier verschiedene Handy-Apps angeschlossen hat, nur um zu wissen, ob er noch atmet.

Ich bin da mal ganz ehrlich zu euch: Der Übergang von der Fantasie zur klebrigen, erschöpfenden, milchbefleckten Realität des Wochenbetts ist ein echter Schock fürs System. Und falls ihr gerade das Gefühl habt, darin zu ertrinken: Ihr seid damit absolut nicht allein.

Schmeißt die elektronischen Babyphones raus und vertraut eurem Bauchgefühl

Bei meinem Ältesten war ich das wandelnde Paradebeispiel einer überängstlichen Erstlingsmama. Ich habe jede Windel, jeden Milliliter, jede Minute Schlaf getrackt. Ich habe den digitalen Monitor so intensiv angestarrt, dass ich wahrscheinlich ein Loch in den Bildschirm gebrannt habe. Meine Mama pflegte mir zu sagen, dass Babys einfach nur einen warmen Platz zum Schlafen und einen vollen Bauch brauchen. Das ignorierte zwar (Gott hab sie selig) gut dreißig Jahre aktualisierter medizinischer Richtlinien, aber der Kern ihres Ratschlags war goldrichtig.

Bei der U2-Untersuchung nach zwei Wochen hatte ich dann schließlich einen Nervenzusammenbruch. Meine Kinderärztin sah sich meine tiefen Augenringe an und packte mich förmlich an den Schultern. Sie sagte mir, ich solle die Tracking-Apps löschen. Solange das Baby zum Schlafen flach auf dem Rücken in einem komplett leeren Bettchen liege und solange es nasse Windeln produziere, mache ich alles richtig. Anscheinend braucht man keine Excel-Tabelle, um einen kleinen Menschen am Leben zu halten. Man muss sich nur an die absoluten Grundregeln für sicheren Schlaf halten – keine Decken, keine Kissen, keine Kuscheltiere, nur das Baby auf einer festen Matratze – und den Rest einfach auf sich zukommen lassen.

Es heißt immer, dass das Pucken die Gebärmutter nachahmt und den Moro-Reflex unterdrückt. Das macht wohl Sinn, wenn die Gebärmutter im Grunde ein sehr eng gewickelter, leicht feuchter Burrito ist. Aber lasst euch sagen: Die pure Panik, wenn man darauf wartet, dass sie anfangen sich zu drehen, um sie dann verzweifelt zu entwöhnen, bevor etwas Schlimmes passiert, ist ein ganz anderes Stresslevel. Wir haben mit dem Pucken praktisch in der Sekunde aufgehört, als mein Sohn auch nur aussah, als würde er darüber nachdenken, seine Rumpfmuskulatur zu benutzen.

Die Geiselverhandlung, auch bekannt als die abendliche Schreistunde

Falls euch niemand vor den Stunden zwischen 17 und 23 Uhr in diesen ersten Monaten gewarnt hat, betrachtet dies als eure offizielle Vorwarnung. Man nennt es oft die „Hexenstunde“. Das ist ein sehr höflicher, niedlicher Begriff für das, was im Grunde eine tägliche Geiselverhandlung mit einem winzigen Terroristen ist, der eure Sprache nicht spricht.

The hostage negotiation also known as the witching hour — The "Maybe Baby" Fantasy vs. Bringing Home Your Actual Newborn

Genau dann, wenn die Sonne langsam untergeht und euer Partner von der Arbeit kommt und fragt, was es zum Abendessen gibt, wird das Baby beschließen, dass die Welt untergeht. Es gibt keinen Trost für sie. Man kann sie nicht genug stillen, nicht genug herumtragen und sich erst recht nicht hinsetzen. Ich habe regelrecht Löcher in meinen Wohnzimmerteppich gelaufen, als ich meinen Ältesten wippte, während er mir ins Ohr schrie. Der Höhepunkt ist meistens um die sechste Woche herum erreicht – was sich anfühlt wie sechs Jahrzehnte, wenn man mittendrin steckt. Irgendetwas an ihrem unreifen Nervensystem, das vom Tag überfordert ist, oder vielleicht auch pure Boshaftigkeit, bringt sie dazu, völlig auszuflippen.

Man kann ein Neugeborenes nicht verwöhnen, also hält man sie einfach, wiegt sie, zieht sie für Haut-an-Haut-Kontakt aus, um das kleine, wild schlagende Herzchen zu beruhigen, und betet zu welcher Gottheit auch immer, dass sie irgendwann einschlafen. Andererseits wird die Hygiene bei Neugeborenen völlig überbewertet – wischt sie einfach nur sanft mit dem Waschlappen ab, bis dieser eklige kleine schwarze Nabelschnurrest in die Windel fällt. Das ist zwar widerlich, aber völlig normal.

Was ihr wirklich kaufen müsst (und was nicht)

Sobald man ein Baby hat, bombardiert einen das Internet aggressiv mit Werbung für Dinge, die man absolut nicht braucht. Ein Feuchttuchwärmer? Trocknet die Tücher aus und ist eine Brutstätte für Bakterien, vergesst es. Ein Gerät, das verspricht, die Pre-Nahrung exakt auf Körpertemperatur zuzubereiten? Das wird garantiert nachts um 2 Uhr kaputtgehen und euch schluchzend in der Küche zurücklassen. Aber es gibt ein paar Dinge, die einem tatsächlich den Verstand retten.

Lasst uns über Kleidung sprechen. Babys ruinieren Kleidung. Das ist ihr Hauptberuf. Bei meinem zweiten Kind hatten wir im Supermarkt eine Windel-Explosion, die so katastrophal war, dass ich ernsthaft überlegte, den gesamten Kindersitz einfach wegzuwerfen. Ihr braucht Kleidung, die robust, dehnbar und vor allem bequem für ein Baby ist, das 90 % seines Lebens im Liegen verbringt. Ich bin ein riesiger Fan vom Baby-Body aus Bio-Baumwolle. Er kostet um die zwanzig Euro, was in mein Budget passt, wenn ich gleich fünf davon brauche. Er hat diesen superdehnbaren Schlupfkragen – wenn also die unvermeidliche Kaka-Explosion den Rücken hochschießt, kann man das ganze Teil über die Schultern nach unten ziehen, anstatt biologische Kampfstoffe über das Gesicht des Babys zu zerren. Außerdem ist die Bio-Baumwolle so wunderbar weich und enthält keinen synthetischen Mist, von dem mein Jüngster schuppige, rote Ekzeme bekommen hat.

Dann gibt es noch Spielzeug. Ich habe das Gefühl, ich müsste euch erzählen, dass jedes ästhetisch ansprechende Holzspielzeug ein Wunder für die frühe Entwicklung ist. Aber ich habe versprochen, ehrlich zu sein. Wir hatten das Weiches Baby-Bausteine-Set, und ganz ehrlich: Die sind in Ordnung. Sie sind ungiftig und kommen in diesen hübschen Macaron-Farben, die sich super im Regal machen. Aber meine Kinder haben sie hauptsächlich benutzt, um das Werfen auf den Kopf unseres Hundes zu üben. Sie sind aus weichem Gummi, also wurde niemand verletzt, aber ich würde sie nicht als lebensnotwendig für Neugeborene bezeichnen.

Wenn ihr schon Geld für Unterhaltung ausgeben wollt, besorgt euch den Spielbogen aus Holz mit Tierfiguren. Wenn diese furchtbare Schreistunde zuschlug oder wenn ich einfach verzweifelt sechs Minuten brauchte, um eine Tasse Kaffee zu trinken, die nicht schon dreimal in der Mikrowelle aufgewärmt wurde, legte ich mein Baby darunter. Das Naturholz und der kleine baumelnde Elefant gaben ihm etwas zum Anstarren, das nicht mein müdes Gesicht war. Es blitzte keine Lichter auf und spielte kein nervtötendes elektronisches Liedchen, das mir tagelang im Kopf herumgeisterte. Er stand einfach nur da und ermutigte die Kleinen leise, nach Dingen zu greifen und dagegen zu stupsen – was, da bin ich mir ziemlich sicher, die Hand-Auge-Koordination fördert oder was auch immer die Experten dazu sagen.

Wenn ihr händeringend nach etwas sucht, das ihre sich pellende Neugeborenenhaut nicht reizt, oder einfach Sachen braucht, die kein lautes Plastik sind, schaut euch unsere Bio-Babykleidung an.

Seid einfach mal nachsichtig mit euch selbst

Der schwierigste Teil der Neugeborenen-Phase ist nicht der Schlafmangel – auch wenn der Versuch, mit Zwei-Stunden-Schlaf-Häppchen zu funktionieren, einem das Gefühl gibt, den Verstand zu verlieren. Der schwierigste Teil ist der Mental Load. Meinen Etsy-Shop am Laufen zu halten, eine gute Ehefrau zu sein und gleichzeitig einen zerbrechlichen neuen Menschen am Leben zu erhalten, hat mich fast gebrochen.

Giving yourself some dang grace — The "Maybe Baby" Fantasy vs. Bringing Home Your Actual Newborn

Es gibt diesen immensen Druck, jede einzelne Sekunde zu genießen, weil „es ja so schnell vorbeigeht“. Tja, lasst euch sagen: 4 Uhr morgens geht nicht schnell vorbei. 4 Uhr morgens dauert gefühlt sieben Jahre. Es ist völlig in Ordnung, wenn ihr die Neugeborenen-Zeit nicht liebt. Ich tat es auch nicht. Ich habe meine Babys abgöttisch geliebt, aber ich hasste es, eine wandelnde Milchmaschine zu sein, die ständig nach saurem Joghurt und Angstschweiß roch. Ihr müsst euch zwingen, Hilfe anzunehmen. Wenn eure Schwiegermutter das Baby halten will, lasst sie das Baby halten, während ihr duschen geht und zwanzig Minuten lang einfach nur die Kacheln anstarrt. Teilt euch die Nachtschichten mit eurem Partner, damit ihr mindestens vier Stunden am Stück schlafen könnt – das ist laut meinem Arzt das absolute Minimum, um keine Halluzinationen zu bekommen.

Hört auf zu versuchen, euer drei Wochen altes Baby in eine starre Routine zu zwängen, hört auf, euer unordentliches Wohnzimmer mit dem perfekt ausgeleuchteten Instagram-Feed von irgendwem zu vergleichen, und versucht einfach, den heutigen Tag zu überstehen. Ihr macht das toll. Selbst dann, wenn ihr im Dunkeln im Stillstuhl sitzt und weint.

Bereit, euch weniger zu stressen und die Kleinen einfach in etwas Unkompliziertes anzuziehen, das beim Waschen auch wirklich sauber wird? Schnappt euch diesen ärmellosen Bio-Body und gönnt euch eine dringend benötigte Pause vom Wäsche sortieren.

Dinge, die ihr nachts um 2 Uhr vermutlich panisch googelt

Wie überlebt man die abendliche Schreistunde, ohne den Verstand zu verlieren?
Ehrlich gesagt ist Überleben hier das einzige Ziel. Ich habe meine Babys früher in den Kinderwagen gelegt und bin bei absoluter Dunkelheit durch unsere ländliche texanische Nachbarschaft spaziert, nur um einen Tapetenwechsel zu haben. Versucht Haut-an-Haut-Kontakt, schaltet den Staubsauger ein (das laute Geräusch haut sie seltsamerweise manchmal direkt um) oder drückt das Baby einfach eurem Partner in die Hand und geht für fünf Minuten nach draußen, um tief durchzuatmen. Es hört wirklich irgendwann auf, meistens so nach drei oder vier Monaten – auch wenn es sich jetzt wie ein Dauerzustand anfühlt.

Brauche ich wirklich eine App, um alle Mahlzeiten und Windeln zu tracken?
Um Himmels willen, nein. Es sei denn, euer Kinderarzt verlangt ausdrücklich, etwas wegen Problemen bei der Gewichtszunahme aufzuschreiben – löscht diese Apps. Sie machen euch nur zu einem neurotischen Nervenbündel. Wenn euer Baby genügend nasse Windeln hat und allmählich aus seinen Bodys herauswächst, isst es auch genug. Vertraut eurem Baby, nicht eurem Smartphone.

Wie viele Bodys muss ich wirklich kaufen?
Wenn ihr jeden Tag wascht, kommt ihr vielleicht mit sieben oder acht aus. Wenn ihr wie ich seid und die Wäsche gerne mal für drei Werktage im Korb liegen bleibt, braucht ihr mindestens vierzehn. Kauft die dehnbaren, die leicht über die Schultern gehen. Babys spucken und produzieren viel mehr Windel-Explosionen, als man biologisch für möglich halten würde.

Wann hören sie auf, in diesen elenden Zwei-Stunden-Etappen zu schlafen?
Jedes Baby ist anders, und ich bin ungern die Überbringerin schlechter Nachrichten, aber es dauert eine Weile. Als meine Kinder so vier bis sechs Monate alt waren, begannen sie, mir längere Schlafphasen zu gönnen. Denkt einfach daran: Sie „müde, aber wach“ hinzulegen, ist ein tolles Konzept, aber wenn ihr euer Neugeborenes momentan in den Schlaf wiegen müsst, nur um die Nacht zu überstehen, dann tut es. Ihr ruiniert sie damit nicht für immer.

Woher weiß ich, ob ihnen nachts zu kalt ist, wenn ich keine Decken verwenden darf?
Meine Mama war früher ganz besessen davon und hat immer versucht, heimlich kleine Steppdecken ins Bettchen zu schmuggeln, was mich in den Wahnsinn trieb. Eine gute Faustregel ist es, in den Nacken oder auf die Brust des Babys zu fassen. Wenn es sich dort warm anfühlt, ist alles bestens. Ihre Hände und Füße werden sich anfangs immer wie kleine Eiswürfel anfühlen, weil ihre Durchblutung anfangs noch furchtbar ist. Steckt sie einfach in einen guten Schlafsack über dem Schlafanzug und macht euch keinen Kopf.