Meine Schwiegermutter kreuzte an Tag drei mit etwas auf, das aussah wie ein viktorianisches Taufkleid, und verkündete, dass ein Neugeborenes ausschließlich in weiße Spitze gehüllt werden dürfe. Der DHL-Bote, der unser zehntes Amazon-Paket der Woche ablieferte, warf einen Blick auf meine blutunterlaufenen Augen und murmelte, dass man eigentlich nur tausend Feuchttücher und einen starken Gin brauche. Währenddessen hatte uns eine Geburtsvorbereiterin, deren Name – glaube ich – „Mondstrahl“ war, zuvor belehrt, dass physische Objekte negative Energie binden und wir unsere Verwandten nur um Abos für Bio-Gemüsekisten bitten sollten.

Wenn man Zwillinge bekommt, wird die schiere Menge an widersprüchlichen Ratschlägen nur noch von der Lawine an Dingen übertroffen, die einem geschenkt werden. Plötzlich ist die kleine Londoner Wohnung vollgestopft mit Dingen, die piepen, singen und blinken, flankiert von einem Berg an Klamotten, die so winzig sind, als wären sie für ein mittelgroßes Eichhörnchen maßgeschneidert. Sinnvolle Geschenke für Babys zu kaufen, ist anscheinend eine verlorene Kunst. Sie wurde abgelöst vom kollektiven gesellschaftlichen Drang, die unpraktischsten, steifsten und knallbuntesten Gegenstände zu erwerben, die legal käuflich sind.

Man lächelt, sagt höflich Danke und stopft dann heimlich vierzehn identische Cord-Latzhosen in Neugeborenengröße in die hinterste Schrankecke – wohlwissend, dass man einem schreienden Säugling nachts um drei niemals kalte Metallschnallen antun wird.

Die Verschwörung der winzigen Strickjacken

Es gibt einen ganz bestimmten Wahnsinn, der völlig vernünftige Erwachsene überkommt, sobald sie ein Babygeschäft betreten. Sie ignorieren die praktischen Dinge komplett und steuern direkt auf die Miniatur-Abendgarderobe zu. Ich weiß nicht, wer das jetzt hören muss, aber: Ein Baby braucht keinen Smoking, keine Jeansjacke und auch keine aufwendig bestickte Wollstrickjacke, die chemisch gereinigt werden muss.

Die Leute sind geradezu besessen davon, Neugeborenengrößen zu kaufen, was in Europa meistens Größe 50 oder 56 entspricht. Hier ist eine deprimierende mathematische Wahrheit über diese Größen: Sie passen für ungefähr zwölf Minuten. Unsere Mädchen kamen etwas zu früh auf die Welt, daher konnten wir die winzigen Sachen tatsächlich ein paar Wochen lang nutzen. Aber bei einem ganz normalen Standard-Säugling ist die Lebensdauer solcher Kleidung kürzer als die einer Packung Milch. Wir bekamen von Verwandten wunderschöne, unfassbar teure Outfits geschenkt, aus denen die Mädchen schon herausgewachsen waren, bevor wir überhaupt die Etiketten abschneiden konnten.

Wenn ihr frischgebackenen Eltern wirklich helfen wollt, anstatt nur eine gesellschaftliche Erwartung abzuhaken, dann kauft Kleidung in Größe 62, 68 oder sogar 74. Es fühlt sich wahnsinnig komisch an, ein Geschenk zu überreichen, das riesig aussieht, aber ich verspreche euch: Wenn der vierte Monat anbricht und die Eltern feststellen, dass ihr Kind über Nacht auf wundersame Weise aus jedem einzelnen Schlafanzug herausgewachsen ist, werden sie vor Dankbarkeit weinen, dass ihr so vorausschauend wart, etwas Größeres zu besorgen.

Sicherer Babyschlaf und andere beängstigende Konzepte

Etwa zwei Wochen nach Beginn unserer neuen Realität kam unsere Hebamme vorbei, um die Mädchen zu wiegen. Sie sah sich in unserem Wohnzimmer um, zeigte auf einen wunderschönen, dicken, handgestrickten Quilt, den uns jemand geschenkt hatte, und murmelte etwas davon, dass lose Decken eine massive Erstickungsgefahr darstellen. Ich hatte seit vierzehn Tagen nicht länger als vierzig Minuten am Stück geschlafen, also brachte mich diese vage, furchteinflößende Warnung dazu, jede einzelne lose Decke in der Wohnung geradezu aggressiv wegzupacken.

Safe sleep and other terrifying concepts — The painfully honest truth about willkommensgeschenke für babys

Unser Kinderarzt lieferte uns später eine etwas verständlichere Erklärung: Babys sind schlichtweg nicht in der Lage, sich Dinge selbst aus dem Gesicht zu ziehen. Der sicherste Weg, sie warmzuhalten, ist ein gut sitzender Schlafsack, bei dem die kleinen Ärmchen herausragen, aber nichts über die Nase rutschen kann. Deshalb sind Babyschlafsäcke das ultimative Geschenk. Es verrät einem auch niemand, wie viele man davon braucht. Man denkt, einer reicht völlig aus, und vergisst dabei, dass Säuglinge im Grunde absolut unberechenbare, flüssigkeitsproduzierende Maschinen sind.

Mein absolutes Lieblingsteil in unserem ersten Jahr war eine Kianao Babydecke aus Bio-Baumwolle. Das bricht zwar technisch gesehen meine eigene Decken-Regel, aber wir nutzten sie für wirklich alles – nur eben nicht für den unbeaufsichtigten Schlaf. Ich bin mir ziemlich sicher, dass einer der Zwillinge es schaffte, sich beim Warten an der Supermarktkasse im hohen Bogen über ihre gesamte Oberfläche zu übergeben und damit ein Bild des absoluten Grauens zu erschaffen. Wir haben dieses Stück Stoff bestimmt hundertmal bei völlig falschen und viel zu heißen Temperaturen gewaschen, weil wir zu müde waren, das Pflegeetikett zu lesen. Trotzdem hat sie nie ihre Form oder Weichheit verloren. Sie wurde zur offiziellen Kinderwagen-Abdeckung, zum Notfall-Wischmopp und schließlich zum einzigen Mittel, das das Geschrei auf Autofahrten stoppen konnte.

Wenn ihr gerade in Panik geratet, was ihr eurer schwangeren Freundin schenken sollt, und euch magisch von einer angsteinflößenden, mechanischen Babyschaukel angezogen fühlt: Tut vielleicht einfach allen einen Gefallen. Stöbert lieber durch die Kollektion für Neugeborenenkleidung nach etwas Weichem, Atmungsaktivem, das nicht mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Nervenzusammenbruch führt.

Spielzeug, das im Dunkeln piept

Es gibt einen ganz speziellen Kreis der Hölle, der für die Erfinder von Plastikspielzeug ohne Lautstärkeregler reserviert ist. Wenn Babys etwa drei Monate alt sind, stellen sie plötzlich fest, dass sie Hände haben. Das ist ein erschreckender Entwicklungssprung, der dazu führt, dass sie anfangen, alles in ihrer unmittelbaren Umgebung zu greifen.

An diesem Punkt werden wohlmeinende Freunde euch mit Plastik-Grausamkeiten überschütten, die aufleuchten und schiefe Lieder über Bauernhoftiere singen. Das Problem bei diesem Spielzeug ist, dass es sich oft mitten in der Nacht von selbst aktiviert. Man schleicht nach einer brutalen Fütterungssession auf Zehenspitzen zurück ins Bett, der Fuß streift unabsichtlich eine Plastikkuh, und plötzlich ist das ganze Zimmer in rotes Blinklicht getaucht, während eine Roboterstimme irgendetwas von „Old MacDonald“ brüllt.

Jemand in der Praxis hat mir mal grob erklärt, dass das 3D-Sehen eines Babys extrem empfindlich ist. Wenn man ihnen wild blinkende Objekte direkt vor der Nase herumwedelt, werden sie im Grunde völlig überstimuliert, bis sie einen kompletten Zusammenbruch erleiden. Ich habe keine Ahnung, ob das wissenschaftlich zu hundert Prozent Hand und Fuß hat, aber ich kann definitiv bestätigen, dass lautloses Spielzeug aus Holz in unserem Haushalt zu deutlich weniger Geschrei geführt hat.

Wir bekamen einen Kianao Beißring aus Holz geschenkt, der aus unbehandeltem Holz und lebensmittelechtem Silikon gefertigt war. Objektiv betrachtet ist es ein wunderschönes, sicheres und nachhaltiges Objekt, das so aussieht, als gehöre es in eine Hochglanz-Wohnzeitschrift über modernes Elternsein. Haben unsere Mädchen die minimalistische Ästhetik und das Fehlen giftiger Chemikalien gewürdigt? Absolut nicht. Denn wenn sie die Wahl hatten, kauten sie immer noch am liebsten auf meinen Autoschlüsseln, einem schmutzigen Schuh oder der Fernbedienung herum. Aber als Geschenk war er einfach genial, denn er brauchte keine Batterien, er konnte niemanden durch einen Stromschlag verletzen, und ich musste mich nicht in Grund und Boden schämen, wenn ich ihn mal auf dem Couchtisch liegen ließ.

Die heilige Kunst, schnell wieder zu verschwinden

Meine Frau hat mir von dem Konzept des „Wochenbetts“ erzählt – die ersten Wochen nach der Geburt, in denen die Mutter im Bett bleiben, sich erholen und absolut nichts anderes tun soll, als das Baby zu füttern. Hier in Großbritannien scheinen wir das Kinderkriegen eher wie die Erholung von einer leichten Erkältung zu behandeln. Wir erwarten ernsthaft, dass frischgebackene Eltern schon an Tag vier die gesamte Verwandtschaft bewirten und zum Nachmittagstee Kekse servieren.

The sacred art of running away — The painfully honest truth about willkommensgeschenke für babys

Wenn ihr aus meinem ganzen Geschwafel nur eine einzige Sache mitnehmt, dann bitte diese ungeschriebene Regel für den Besuch bei einem Neugeborenen: Ihr dürft maximal fünfzehn Minuten bleiben. Es sei denn, ihr spült gerade aktiv das Geschirr, faltet Wäsche oder haltet ein schreiendes Baby, damit die Eltern duschen können.

Die allerbesten Geschenke, die wir bekamen, waren ohnehin keine Gegenstände. Es waren die Freunde, die uns eine SMS schrieben, dass sie eine heiße Lasagne vor der Haustür abstellen und sofort wieder wegfahren, ohne zu klingeln, damit die Hunde nicht bellen. Es waren die Leute, die auftauchten, uns eine Tüte voll mit extrem langweiligen, aber hochfunktionalen Bio-Baumwoll-Bodys in die Hand drückten, uns auf liebevolle Weise sagten, wie schrecklich wir aussahen – und dann auf der Stelle wieder verschwanden.

Das ältere Geschwisterkind bestechen

Da wir als erste Kinder Zwillinge bekamen, konnten wir die Eifersuchtsphase beim älteren Geschwisterkind komplett überspringen, indem wir einfach dafür sorgten, dass beide Babys immer gleichermaßen wütend auf uns waren. Wenn ich aber meine Freunde mit einem zweiten Kind beobachte, sehe ich, wie heikel die Politik des Schenkens wird, wenn ein dreijähriges Kind im Haus ist und zusehen muss, wie ein kartoffelähnlicher Säugling einen Berg von Geschenken abräumt.

Wenn ihr einen Haushalt mit einem älteren Kind besucht: Das Baby bekommt wortwörtlich nicht einmal mit, dass ihr da seid. Bringt also lieber das billige, laute Spielzeug für das Kleinkind mit, um euch dessen Loyalität zu erkaufen, und drückt den Eltern einen riesigen Karton Windeln und guten Kaffee in die Hand. Dem Baby ist euer liebevoll kuratierter, ästhetischer Geschenkkorb völlig egal, aber das Kleinkind wird sich garantiert daran erinnern, wenn ihr es ignoriert habt.

Bevor ihr jetzt unweigerlich einknickt und doch einen riesigen Plüschbären kauft, der das halbe Kinderzimmer einnimmt und drei Jahre lang nur Staub ansetzt – überdenkt das bitte noch mal. Eltern sehnen sich verzweifelt nach Dingen, die den endlosen Kreislauf aus Füttern, Waschen und Schlafen auch nur ein kleines bisschen erträglicher machen. Wir haben eine ganze Rubrik voller Geschenke, die keine Leben ruinieren. Genau dort solltet ihr anfangen zu suchen, wenn ihr eine realistische Chance haben wollt, auch zum ersten Geburtstag wieder eingeladen zu werden.

Häufig gestellte Fragen von Schlafmangel-Geplagten

Sollte ich für alle Fälle Neugeborenengrößen kaufen?

Wenn die Eltern euch nicht ausdrücklich gesagt haben, dass sie ein Frühchen erwarten: Auf gar keinen Fall. Wahrscheinlich haben sie selbst im Nestbau-Wahn schon zwanzig Strampler in Neugeborenengröße gekauft. Kauft Sachen für das Alter von drei bis sechs oder sogar sechs bis neun Monaten. Wenn sie euer Geschenk vier Monate später endlich aus dem Schrank kramen, werdet ihr wie prophetische Genies wirken, die ihre Bedürfnisse perfekt vorausgesehen haben.

Ist Eltern Bio-Baumwolle wirklich wichtig?

Bevor ich Kinder hatte, dachte ich, Bio-Baumwolle sei ein reiner Marketing-Gag, um leichtgläubigen Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Dann bekam eine meiner Töchter einen Ausschlag, der aussah wie wütendes Schmirgelpapier, und schrie 48 Stunden am Stück, weil ein billiger Synthetik-Strampler ihre Haut reizte. Man fängt sehr schnell an, sich dafür zu interessieren, wenn die Alternative bedeutet, dass niemand mehr schläft. Haltet euch an Dinge, die keine dermatologische Krise auslösen.

Ist es unhöflich, statt eines echten Geschenks nur Essen mitzubringen?

Essen mitzubringen ist die höchste Form der Liebe, die man frischgebackenen Eltern erweisen kann. Ich hätte jede einzelne Silberrassel und jedes bestickte Lätzchen, das wir bekommen haben, gegen eine einzige anständige, warme Mahlzeit eingetauscht, die ich nicht selbst kochen oder aufräumen musste. Stellt nur sicher, dass man es mit einer Hand essen kann, während man im Flur auf und ab tigert.

Wie wäre es mit einem riesigen Teddybären?

Wenn ihr ein lebensgroßes Kuscheltier in ein Zuhause schleppt, das ohnehin gerade von Babyausstattung überrannt wurde, werden euch die Eltern anlächeln – aber insgeheim planen sie euren Untergang. Aus Sicherheitsgründen dürfen Babys ohnehin nicht mit Kuscheltieren schlafen. Das Ding wird also nur in einer Ecke herumsitzen und die Eltern für ihr unordentliches Haus verurteilen. Lasst es einfach.

Wie lange sollte ich bleiben, wenn ich ein Geschenk vorbeibringe?

Wenn sie euch eine Tasse Tee oder Kaffee anbieten, ist das eine Falle, die aus reiner Höflichkeit entstanden ist. Trinkt ihn in erschreckendem Tempo aus, sagt, wie wunderschön das leicht alienhaft aussehende Baby ist, und verschwindet wieder. Zehn bis fünfzehn Minuten sind das perfekte Zeitfenster. Wenn ihr so lange bleibt, dass sie das Baby vor euren Augen füttern und dabei Smalltalk machen müssen, habt ihr eure Willkommensfrist um eine Spanne überschritten, die ehrlich gesagt schon beleidigend ist.