Ich stehe um 3:14 Uhr morgens in meinen Schiesser-Boxershorts in einem eiskalten Ferienhaus im Allgäu und versuche, lautlos ein geliehenes Reisebett aufzubauen, das ungefähr so viel wiegt wie ein kleiner Fiat. Es ist ein klobiges, schweres Standard-Bettchen, und eines der Seitenteile ist gerade nach innen geklappt. Um es wieder einrasten zu lassen, braucht es eine sehr spezifische, aggressive Bewegung aus dem Handgelenk, die mir um diese Uhrzeit einfach fehlt.
Florence, Zwilling A und unser hauseigener Chaos-Dämon, jault in einer Tonlage, die die strukturelle Integrität der alten Fenster des Ferienhauses bedroht. Matilda, Zwilling B, liegt nur einen Meter entfernt und schnarcht friedlich. Sie schläft wie ein Stein, und zwar deshalb, weil sie im BabyBjörn Reisebett liegt.

Eine Schlafberaterin auf Instagram hat mal gepostet, dass man alle Reiseschlafplätze im Tageslicht aufbauen sollte, um "den Säugling einzugewöhnen". Was für ein grandioses Märchen für jeden, der schon mal am langen Wochenende auf der A8 im Stau stand. Wir sind um Mitternacht angekommen. Wir haben die Betten im Dunkeln zusammengeworfen. Und genau da, in der eiskalten Dunkelheit, hat sich der unverschämte Preis des BabyBjörn in ziemlich genau zwei Minuten von selbst gerechtfertigt.
Das mitternächtliche Geometrie-Puzzle
Wenn ihr schon mal mit einem Standard-Reisebett gekämpft habt, kennt ihr das Spiel. Man zieht es aus einer Tasche, die unerklärlicherweise viel zu eng ist. Man zieht die Seiten hoch – aber nur zur Hälfte! – bevor man die Mitte nach unten drückt, begleitet vom lauten, furchteinflößenden Ratschen eines Industrie-Klettverschlusses. Es ist ein technisches Rätsel, das von einem Sadisten entworfen wurde.
Das BabyBjörn ist da einfach… völlig anders. Man holt es aus einer Tasche, die wie eine große, schmale Aktentasche aussieht. Man klappt es auf. Die Beine schnappen automatisch heraus wie bei einem übereifrigen Transformer. Man legt die Matratze hinein, hakt die kleinen roten Laschen durch die unteren Ecken, damit nichts verrutscht. Das war's. Es dauert keine zwei Minuten. Wenn man nach zwei Stunden Schlaf nur noch von abgestandenem Tankstellenkaffee auf den Beinen gehalten wird, ist ein Bett, das sich im Grunde von selbst aufbaut, Gold wert.
Ich hatte Kianaos Bambusdecke "Buntes Universum" über Matilda geworfen, bevor sie im Björn einschlief. Wir haben die riesige 120x120cm Version, und ganz ehrlich: Es ist die einzige Decke, die wir überhaupt noch einpacken. Die Heizung in diesem Ferienhaus hing auf einer Stufe fest, die ich nur als "Krematorium" bezeichnen kann. Und weil ich diese ganzen TOG-Werte ohnehin nicht wirklich verstehe und meistens nur danach gehe, wie kalt meine eigene Nase ist, war der Bambusstoff ein echter Lebensretter. Er ist wunderbar atmungsaktiv und reguliert die Temperatur, sodass Matilda nicht schweißgebadet aufgewacht ist.
Warum eine Matratze auf dem Boden tatsächlich wichtig ist
Die typische Beschwerde über Reisebetten ist, dass sie sich unglaublich wackelig anfühlen, sobald das Kind ins Kleinkindalter kommt. Die meisten haben eine Gewichtsgrenze von etwa 15 Kilo, weil die Matratze in der Luft hängt.

Die Matratze des Björn liegt dagegen komplett auf dem Boden auf. Der Rahmen ist eigentlich nur ein sich nach oben verjüngendes Gestell, das die Netzwände aufrecht hält. Unsere Kinderärztin murmelte bei der U5 etwas davon, dass bodennahe Betten die Wirbelsäule besser unterstützen – wobei ich ehrlich gesagt glaube, sie wollte uns nur aus dem Sprechzimmer haben, um in ihre Mittagspause zu gehen. Meine sehr unwissenschaftliche Erkenntnis ist: Weil der Fußboden das ganze Gewicht trägt, gibt es keine Gewichtsgrenze. Man kann es nutzen, bis sie drei Jahre alt sind, oder zumindest, bis sie lernen, wie ein olympischer Turner über den Rand zu springen.
Es ist auch erstaunlich stabil. Florence, die sämtliche Möbelstücke als Klettergerüst betrachtet, hat schon aggressiv an den Seiten gerüttelt, um meine Aufmerksamkeit zu bekommen. Durch das konische Design ist die Basis breiter als die Oberseite – es weigert sich schlichtweg, umzukippen.
Um Florences mitternächtliches Geschrei etwas zu dämpfen, während ich mit dem kaputten Bett kämpfte, quetschte ich verzweifelt unsere Bambusdecke "Bär im Wald" unter den Türspalt, um das Licht aus dem Flur zu blockieren. Es ist die kleinere 58x58cm Variante. Um ehrlich zu sein, ist diese Größe als richtige Schlafdecke für Zweijährige ein bisschen nutzlos, es sei denn, sie liegen völlig still – was meine niemals tun. Aber sie ist genial, um sie als provisorischen Zugluftstopper zusammenzurollen oder um einen verschütteten Fiebersaft panisch von der Rückbank des Volvos zu schrubben.
Die schonungslose Wahrheit über die fehlende Seitentür
Die Leute schwärmen ständig vom Guava Lotus. In der großen Schlacht um die Premium-Reiseausstattung heißt es immer: BabyBjörn gegen Lotus. Das Hauptargument für das Lotus ist die Seitentür mit Reißverschluss, die das Björn nicht hat.
Weil die Matratze beim Björn auf dem Boden liegt und es keine Seitentür gibt, muss man sich komplett über den oberen Rand beugen und das schlafende Baby bis zum Boden hinablassen. Wenn man eher klein ist oder sich als Mutter gerade von einem Kaiserschnitt erholt, ist das ehrlich gesagt eine Qual. Es erfordert eine tiefe Kreuzheben-Bewegung, während man eine hochexplosive, schlafende Bombe in den Händen hält.
Aber seien wir mal realistisch, was die Alternative angeht. Ich weigere mich strikt, auf Händen und Knien in einen Netzkäfig auf einem Hotelboden zu krabbeln, nur um einem Baby den Popo zu tätscheln oder es in den Schlaf zu stillen. Meine Knie knacken ja schon, wenn ich vom Sofa aufstehe. Die Seitentür-Fantasie setzt voraus, dass man die Grazie besitzt, lautlos aus einem Zelt mit Reißverschluss zu gleiten, ohne das Baby zu wecken, das man gerade eine Stunde lang beruhigt hat. Diese Grazie besitze ich nicht. Wenn euch euer Verstand und eure Lendenwirbelsäule lieb sind, akzeptiert einfach den physischen Kompromiss des Björn und macht eben dieses unbeholfene Kreuzheben.
Möbel anknabbern und toxische Albträume
Mit etwa zehn Monaten machten beide Mädchen eine Phase durch, in der sie die Welt streng nach dem Geschmack der Dinge beurteilten. Sie kauten an den Gurten des Kinderwagens, am Schwanz des Hundes und am gesamten oberen Rand ihrer Gitterbetten.

Das BabyBjörn ist nach OEKO-TEX Standard 100, Klasse 1 zertifiziert. Ich habe Stunden damit verbracht, zu entschlüsseln, was das eigentlich bedeutet, ohne völlig im Chemie-Jargon zu ertrinken. Nach meinem schwammigen, von Schlafmangel geprägten Verständnis heißt das im Grunde: Die Stoffe werden streng auf fiese Dinge wie Schwermetalle, giftige Flammschutzmittel und Allergene getestet. Als Florence ihre Kiefer in die schwarze Stoffkante schlug und 45 Minuten lang wie ein tollwütiger Dachs darauf herumkaute, musste ich also nicht in Panik verfallen, dass sie Industriechemikalien zu sich nimmt.
Wenn man ein Baby mit empfindlicher Haut hat – wie Matilda, die schon rote Flecken bekommt, wenn ein synthetischer Stoff sie nur schief ansieht –, ist sowas extrem wichtig. Das ist auch der Grund, warum wir uns schließlich die Bio-Baumwolldecke "Eisbär" gekauft haben. Eigentlich wollten wir sie nur, weil sie dicker ist und ich einen Puffer zwischen Matilda und den eiskalten Dielenböden im Altbau meiner Schwiegermutter brauchte. Aber es ist GOTS-zertifizierte Bio-Baumwolle, ungebleicht und lächerlich weich. Wir haben sie direkt auf die Matratze des Björn gelegt, und Matildas Ekzem-Stellen haben sich über das Wochenende merklich beruhigt.
Wie man es nach einer riesigen Katastrophe wäscht
Babys haben keinen Respekt vor teuren Dingen. Sie werden unweigerlich genau dann eine katastrophale Windel-Explosion hinlegen, wenn man sie zum allerersten Mal in ein 300-Euro-Reisebettchen legt.
Als uns das unweigerlich in einem B&B-Hotel bei Hannover passierte, entdeckte ich die beste Eigenschaft des Björn: Der gesamte Netzstoff lässt sich in einem einzigen Stück vom Metallrahmen abzippen. Man schmeißt das Ganze einfach bei 40°C in die Waschmaschine. Es darf zwar nicht in den Trockner, aber da es fast nur aus Netzgewebe besteht, trocknet es über einer Heizung innerhalb von ein paar Stunden. Der Matratzenbezug lässt sich ebenfalls per Reißverschluss abnehmen und bei 60°C heiß waschen – ein absolutes Muss, wenn man versucht, Magen-Darm-Viren vor einer langen Heimreise den Garaus zu machen.
Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich Florence in Kianaos Bambusdecke "Blaue Blumen" wickelte, während wir darauf warteten, dass der Stoff des Bettes trocknete. Wir hatten die Decke eigentlich nur gekauft, weil die blauen Kornblumen hübsch aussahen, aber die Bambusfasern sind praktischerweise von Natur aus antibakteriell. Ich kenne die wissenschaftlichen Hintergründe nicht, warum Bambus Bakterien hasst, aber das bedeutete, dass die Decke nach einer vierstündigen Autofahrt nicht nach saurer Milch roch – was für mich ein absoluter Gewinn ist.
Lohnt sich das BabyBjörn Reisebett also? Wenn man genau einmal im Jahr verreist, wahrscheinlich nicht. Dann mietet euch lieber ein furchtbares oder leiht euch den schweren Backstein vom Nachbarn. Aber wenn man seine Wochenenden ständig pendelnd bei den Großeltern verbringt oder wenn man sich regelmäßig um 3 Uhr nachts in Boxershorts dabei ertappt, wie man mit schlecht konstruierten Scharnieren kämpft, während ein Baby einen anschreit, ist es das beste Geld, das man je investieren wird.
Sucht ihr noch nach etwas wirklich Atmungsaktivem, das ihr über sie werfen könnt, wenn das Reisebett endlich steht? Entdeckt Kianaos gesamte Kollektion an nachhaltigen, temperaturregulierenden Babydecken gleich hier.
Kann ich das BabyBjörn mit ins Flugzeug nehmen?
Ja, aber nicht so, wie ihr es gerne hättet. Es lässt sich flach zusammenfalten und sieht dann ein bisschen aus wie die riesige Zeichenmappe eines Architekten, aber es passt absolut nicht in die Handgepäckfächer. Man muss es als Sperrgepäck aufgeben. Wenn man viel fliegt und sich weigert, am Gepäckband zu warten, ist das extrem nervig. Für Autoreisen ist es allerdings genial, weil man es einfach flach über das Gepäck in den Kofferraum schieben kann.
Ist die Matratze wirklich bequem?
Es sind etwa 3 Zentimeter hochdichter Polyätherschaum. Für einen Erwachsenen fühlt es sich an, als würde man auf einer Yogamatte auf einem Betonboden schlafen. Aber man muss bedenken, dass Babys feste Schlafoberflächen brauchen, damit sie nicht ersticken. Im Vergleich zu den Papp-und-Plastik-Platten, die bei billigen Reisebetten mitgeliefert werden, ist die Björn-Matratze praktisch ein Luxushotelbett. Meine Mädchen schlafen darauf genauso gut wie in ihren richtigen Gitterbetten im Kinderzimmer.
Wie legt man ein schlafendes Baby hinein, ohne es zu wecken?
Mit großer Mühe und einem stillen Gebet. Man muss seinen Oberkörper komplett über den oberen Rand beugen und die Arme senken, bis das Baby die Matratze berührt. Der Trick, den ich herausgefunden habe: Lasst sie beim Bücken so lange wie möglich gegen eure Brust gedrückt, anstatt sie vom Körper wegzuhalten. Sobald ihr Rücken die Matratze berührt, zieht eure Hände quälend langsam heraus. Nicht atmen.
Klettert ein zweijähriges Kind da raus?
Die Seitenwände neigen sich nach oben hin leicht nach innen, was es für ein Kleinkind erstaunlich schwer macht, Fuß zu fassen. Florence ist eine absolute Gefahr auf zwei Beinen, die unsere Wohnzimmerregale erklimmt, aber sie hat es noch nicht geschafft, über die Seiten des Björn zu klettern. Weil die Matratze auf dem Boden liegt, sind die Wände ehrlich gesagt tiefer, als sie aussehen.
Soll ich dieses oder ein Standard-Reisebett kaufen?
Wenn es als Laufstall dauerhaft im Wohnzimmer stehen soll, während man das Abendessen kocht, kauft ein billiges Standard-Reisebett. Die sind schwerer und lassen sich schlechter bewegen, aber wen stört das, wenn man sie eh nicht bewegt? Wenn ihr es aber ernsthaft ständig Treppen rauf- und runtertragt, ins Auto packt und in fremden Schlafzimmern aufbaut, während ein Baby schreit – dann investiert das Geld in das Björn. Euer Stresslevel wird es euch danken.





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