Es war 5:17 Uhr morgens, als das Bauernhof-Klappenbuch aggressiv in mein peripheres Sichtfeld eindrang, geschwungen von Zwilling A. Sie hatte sich irgendwie aus ihrem Schlafsack befreit und beschlossen, dass die Dunkelheit vor der Morgendämmerung der ideale Zeitpunkt für landwirtschaftliche Früherziehung sei. Sie knallte mir die schwere Pappe auf die Brust, deutete mit einem klebrigen Finger auf die Illustration eines großen, scheußlichen Vogels und rief selbstbewusst: „Baby t!“ In meiner schlaftrunkenen Verwirrung dachte ich für eine Sekunde, sie meinte einen obskuren 90er-Jahre-Rapper. Bis ich die Augen zusammenkniff und erkannte, dass sie auf den Truthahn zeigte und unbedingt wissen wollte, wie dessen Nachwuchs heißt. Ich lag im Halbdunkel, gefangen unter einem Kleinkind und einer Bettdecke, die leicht nach alter Milch roch, und fragte mich, wie man eigentlich ein Truthahnbaby nennt. Mein Gehirn spuckte absolut nichts aus, außer „Truthennchen“, was eher nach einem furchtbaren Snack in einer Eckkneipe klang.

Ich griff nach meinem Handy, kniff die Augen gegen das blendende Licht der Suchmaschine zusammen und begab mich auf eine Reise, die mich von Etymologie über die dunkelsten Ecken von Geflügelzüchter-Foren bis hin zu traumatischen Flashbacks an die Zeit führen sollte, als ich genau diesen Kindern püriertes Fleisch füttern wollte.

Im Kaninchenbau des Bauernhof-Wissens

Wie sich herausstellte, behauptet das Internet, der korrekte englische Fachbegriff sei „poult“ (im Deutschen schlicht Putenküken). „Poult“ klingt allerdings weniger nach einem Vogel als vielmehr nach einer altmodischen viktorianischen Krankheit („Es tut mir leid, Herr Pfarrer, ich kann heute nicht in die Kirche kommen, ich liege mit den Poults im Bett“). Anscheinend glauben Wildbiologen, dass eine Putenmutter und ihre Küken sogar schon durch die Eierschale hindurch miteinander plaudern, bevor die Kleinen überhaupt geschlüpft sind. Ich fand das zutiefst deprimierend, vor allem, weil meine Zwillinge erst nach ihrer Geburt anfingen zu kommunizieren. Und selbst dann war es nur eine Reihe unterschiedlicher, ohrenbetäubender Kreischer, die ich durch pures Ausprobieren entschlüsseln musste.

Die Züchter-Foren verrieten mir, dass ein Putenküken, das sich ins hohe Gras verirrt, einen sehr spezifischen, verzweifelten „Verloren-Ruf“ ausstößt, damit die Mutter es aufspüren kann. Plötzlich fühlte ich eine tiefe Verbundenheit mit der Truthahnmutter, denn meine Mädchen haben auch einen Verloren-Ruf. Diesen setzen sie exklusiv dann ein, wenn sie ihren Lieblings-Beißring aus dem Kinderwagen direkt auf das schmutzige Pflaster der Einkaufsstraße gepfeffert haben.

Apropos Dinge, die aufs Pflaster gepfeffert werden: Das ist wahrscheinlich der perfekte Moment, um das eine Ding zu erwähnen, das in den furchtbaren ersten Zahnungsmonaten wirklich meinen Verstand gerettet hat – der Panda-Beißring. Wir kennen doch alle das endlose Sabbern und Schreien. Und obwohl ich Babyzubehör verabscheue, das aussieht, als käme es direkt aus einem Neon-Zirkus, war dieser kleine Silikon-Panda ein absoluter Segen. Er hat diese genialen strukturierten, bambusförmigen Stellen, auf denen die Mädchen mit der Wildheit ausgehungerter Wölfe herumgekaut haben. Er ist flach genug, dass ihre winzigen, unkoordinierten Händchen ihn richtig greifen konnten, ohne ihn sich ständig selbst ins Gesicht fallen zu lassen (ein überraschend häufiger Designfehler bei anderen Beißringen). Ich habe ihn einfach mit den Kaffeetassen in die Spülmaschine geworfen und blitzsauber für einen weiteren Tag voller unerbittlichem Kauen wieder herausgeholt. Wenn euer Baby gerade versucht, seine eigenen Fäuste oder die Armlehne eures Sofas zu essen, kann ich euch nur wärmstens empfehlen, euch sofort so einen zuzulegen.

Ich versuchte, Zwilling A das Konzept des Verloren-Rufs zu erklären, aber sie hatte bereits das Interesse an dem Buch verloren und versuchte nun, das Bücherregal zu erklimmen. Sie hatte nämlich einen verirrten Cheerio auf dem mittleren Regalbrett erspäht.

Das große Fleischbrei-Desaster vom letzten Winter

Über Truthähne nachzudenken, zog meine Gedanken unweigerlich zurück in die schrecklichen Schützengräben der ersten Beikost-Versuche. Als die Mädchen etwa sechs Monate alt waren, schlug unsere Kinderärztin – eine Frau, die aussieht, als würde sie sich ausschließlich von schwarzem Kaffee und Verzweiflung ernähren – vor, dunkles Putenfleisch in ihren Speiseplan aufzunehmen. Anscheinend lösen sich die Eisenspeicher, mit denen Babys wundersamerweise geboren werden, nach sechs Monaten einfach in Luft auf. Wenn man nicht eingreift, hat man plötzlich blutärmere kleine Gremlins vor sich. Ich stelle mir immer vor, wie dieses Eisen im Schlaf heimlich aus ihren Ohren sickert, auch wenn ich vermute, dass die Medizin da etwas nuancierter ist.

The great meat puree disaster of last winter — A dad's guide to the elusive baby turkey (and weaning woes)

Fest entschlossen, Vater des Jahres zu werden, ließ ich die völlig ausreichenden Babygläschen im Supermarkt links liegen und kaufte ein riesiges Bio-Putenkeulenstück. Ich briet es stundenlang im Ofen. Und dann kam das Pürieren. Ich weiß nicht, ob ihr schon mal wunderbar geröstetes, duftendes dunkles Fleisch genommen und es mit einem Schuss Muttermilch in einer Küchenmaschine aggressiv zerschreddert habt, aber ich kann euch versichern: Die daraus resultierende Substanz ist ein Affront gegen die Schöpfung.

Die Maschine jaulte auf, während sie das Geflügel gewaltsam in eine graue, faserige Paste verwandelte. Der Geruch, der zuvor noch recht appetitlich gewesen war, mutierte plötzlich zu etwas, das an die Hintergasse einer Premium-Katzenfutterfabrik erinnerte. Das Ganze war dickflüssig, krümelig und hatte eine beige, spachtelmasseartige Qualität. Man hätte damit problemlos die Risse in unserem Wandputz füllen können. Ich löffelte diesen düsteren Schlamm in zwei Silikonschüsseln und präsentierte ihn den Zwillingen. Sie sahen mich an, als hätte ich ihnen gerade einen Teller mit warmem Kies serviert.

Zwilling B tauchte zögerlich einen Finger in die Truthahnpaste, musterte sie zutiefst misstrauisch und wischte sie sich dann langsam und ganz gezielt direkt ins linke Auge. Zwilling A holte einfach tief Luft und fing an zu schreien – offensichtlich bereits vom reinen Konzept von Geflügel zutiefst beleidigt. Die nächsten fünfundvierzig Minuten verbrachte ich damit, auch nur einen einzigen Löffel in ihre Münder zu befördern. Ich musste zusehen, wie sie ihren Zungenstreckreflex nutzten, um das Fleisch gewaltsam wieder auf ihre Kinne zu befördern, was beiden eine Art strukturierten, beigen Bart verlieh.

Das Internet riet mir, dass der Truthahn auf eine Kerntemperatur von 75 Grad Celsius erhitzt werden müsse, was nach Sicherheit-geht-vor-Nonsens für „lebensgefährlich heiß“ klingt. Ich habe die Keule jedenfalls einfach so lange gebraten, bis sie schon vor dem Pürieren vollkommen grau und leblos aussah.

Zum Zeitpunkt des Püree-Vorfalls trugen sie ihre Baby-Bodys aus Bio-Baumwolle. Dieses Detail hat sich aufgrund der darauffolgenden Wäsche-Katastrophe in mein Gedächtnis eingebrannt. Versteht mich nicht falsch, das sind wirklich großartige Bodys – sie haben diesen genialen Schlupfausschnitt, dank dem man sie bei einer spektakulären Windel-Explosion einfach nach unten über den Körper abstreifen kann, anstatt das Desaster über den Kopf des Babys ziehen zu müssen. Die Bio-Baumwolle ist unglaublich weich und dehnt sich wunderbar, um auch einem properen Sechsmonats-Baby Platz zu bieten. Ich bin jedoch gesetzlich verpflichtet, euch darüber zu informieren, dass püriertes dunkles Putenfleisch Fleckeneigenschaften besitzt, die mit einem Permanentmarker konkurrieren. Der schöne, erdige Naturton der Baumwolle absorbierte das Geflügelfett mit erschreckender Effizienz. Das Ergebnis war ein permanenter, trübe-brauner Schatten um den Kragen, der drei separate Kochwäschen überlebte. Es sind wunderbare Bodys, aber vielleicht solltet ihr euer Kind bis auf die Windel ausziehen, bevor ihr ihm pürierten Vogel serviert.

Mein kurzer Wahn von landwirtschaftlicher Größe

Nach der großen Putenbrei-Verweigerung brauchte ich eine Minute, um mich zu sammeln. Ich legte die Zwillinge auf den Rücken unter das Regenbogen-Spieltrapez aus Holz in unserem Wohnzimmer. Ich hege eine tiefe Wertschätzung für dieses spezielle Teil. Vor allem deshalb, weil es keine Batterien benötigt, keine blendenden LED-Lichter abfeuert und nicht eine blecherne, synthetische Version von „Old MacDonald“ dudelt, die sich ins Gehirn bohrt. Es ist einfach nur schönes, ruhiges Holz und Stoff. Die Mädchen lagen gut und gerne zwanzig Minuten dort, schlugen fröhlich nach dem kleinen hängenden Elefanten und den Holzringen und waren völlig fasziniert von den grundlegenden physikalischen Gesetzen schwingender Objekte.

My brief delusion of agricultural grandeur — A dad's guide to the elusive baby turkey (and weaning woes)

Während sie vom Holzelefanten abgelenkt waren, saß ich mit meinem Handy auf dem Teppich und geriet irgendwie in einen Strudel – von „Wie bekommt man Truthahnflecken aus Baumwolle?“ hin zu „Wie schwer ist es, Puten zu züchten?“. Das ist die Gefahr des Hausmann-Gehirns: Man verbringt so viel Zeit damit, mit Menschen zu reden, die keine Konsonanten benutzen können, dass man anfängt, sich absurden, hypermaskulinen Fantasien hinzugeben. Zum Beispiel der Zucht von Rassegeflügel auf einem feuchten Balkon mitten in der Stadt.

Ich sage euch, Selbstversorger sind aus einem anderen Holz geschnitzt. Denn Putenküken großzuziehen klingt nach einem absoluten Albtraum voller Angst und drohendem Tod. Ich las einen Forenbeitrag einer Frau, der meine Balkon-Farm-Träume endgültig zerschmetterte. Küken, so scheint es, sind praktisch selbstmordgefährdet. In der ersten Lebenswoche benötigen sie eine Aufzuchttemperatur von etwa 35 Grad Celsius, was bedeutet, dass man sie im Grunde schon backt. Wenn ihnen auch nur ein bisschen zu kalt wird, geben sie einfach auf und sterben.

Noch schlimmer: Man darf Putenbabys offenbar kein kaltes Wasser geben. Trinken sie zu kaltes Wasser, stürzt ihre Körpertemperatur ab und sie entwickeln etwas, das Züchter umgangssprachlich „Kurzer-Hals-Syndrom“ nennen. Sie lassen einfach ihre kleinen Köpfe hängen und sterben direkt neben dem Wassernapf an Unterkühlung. Um das zu verhindern, muss man ihnen lauwarmes Wasser in einer flachen Schale servieren. Diese muss mit glänzenden Murmeln gefüllt sein, damit sie nicht versehentlich ertrinken, während sie ihr eigenes Spiegelbild untersuchen.

Ach, und was auch immer ihr tut: Ihr dürft sie auf keinen Fall in der Nähe von Hühnern halten. Hühner sind nämlich asymptomatische Träger einer Pest namens Schwarzkopfkrankheit, die einen Truthahn sofort ins Jenseits befördert.

Als ich das alles zu Ende gelesen hatte, brach mir der Schweiß aus. Ich sah meine Zwillinge an, die gerade versuchten, das Bein des Holz-Spieltrapezes aufzuessen, und mir wurde klar: Ich war schon kaum qualifiziert, menschliche Säuglinge am Leben zu halten. Geschweige denn zerbrechliche Vögel, die sterben, wenn ihr Trinkwasser nicht die Umgebungstemperatur eines warmen Bades hat.

Wenn ihr eure Bauernhof-Fantasien auch aufgeben und einfach ein paar schöne Dinge kaufen möchtet, die eure Kinder beschäftigen, während ihr durch Wikipedia scrollt, solltet ihr vielleicht in unseren Holzspielzeugen und Spieltrapezen stöbern.

Die Niederlage akzeptieren und Toast servieren

Zurück in der Gegenwart, es war 5:35 Uhr: Zwilling A stand immer noch am Bücherregal, klammerte sich an das Bauernhofbuch und wartete darauf, dass ich sie bestätige.

„Es ist ein Putenküken“, sagte ich mit schlafbelegter Stimme. „Das Truthahnbaby. Es heißt Putenküken.“

Sie starrte mich einen langen, blinzelnden Moment lang an, ihr Gesicht eine reine Maske der Kleinkind-Verachtung.

„Nein“, sagte sie entschlossen. „Huhn.“

Sie ließ das Buch auf mein Gesicht fallen und schlenderte in Richtung Küche, um Toast zu fordern. Ich blieb liegen und akzeptierte, dass ich mir eine Fülle nutzlosen Geflügelwissens angeeignet hatte, das meine Tochter sofort ablehnte – ganz ähnlich wie das pürierte Fleisch im letzten Winter. Aber wenigstens ging jetzt langsam die Sonne auf, und bald würde eine akzeptable Uhrzeit erreicht sein, um die Kaffeemaschine einzuschalten.

Bevor ihr bei Themen wie Beikost, Zahnen oder der frühmorgendlichen Kleinkind-Fragestunde völlig den Verstand verliert, nehmt euch einen Moment Zeit für Babyausstattung, die wirklich funktioniert. Entdeckt unsere Kollektion beruhigender Must-haves, um das eine Teil zu finden, das euch heute vielleicht ehrlich fünf Minuten Frieden beschert.

Fragen, die ich mir um 3 Uhr nachts gestellt habe

Wie heißt ein Truthahnbaby wirklich?
Wenn man es technisch ganz genau und sehr pedantisch nehmen will, ist es ein Putenküken. Wenn man eine Zweijährige im Morgengrauen besänftigen will, ist es genau das, was sie dir vorgibt. Meistens „Huhn“ oder „Piepmatz“. Versucht nicht, sie zu korrigieren; das verlängert die Diskussion nur unnötig.

Ab wann kann mein Baby bedenkenlos Pute essen?
Unsere Kinderärztin bestand auf der Sechs-Monats-Marke, genau dann, als wir mit der Beikost begannen. Anscheinend sinken ihre Eisenwerte genau zu diesem Zeitpunkt in den Keller. Dunkles Fleisch ist dabei von Vorteil, weil es reicher an Eisen und Zink ist. Aber seid gewarnt: Die optische Realität von püriertem dunklem Fleisch wird euren Magen auf die Probe stellen.

Wie püriere ich Pute, ohne dass sie wie Hundefutter aussieht?
Gar nicht. Akzeptiert einfach die beige Paste. Der Trick ist angeblich, Muttermilch, Pre-Nahrung oder sehr natriumarme Brühe hinzuzufügen, um das Ganze zu verdünnen, damit die Kleinen sich nicht verschlucken. Aber nichts auf der Welt wird es appetitlich aussehen lassen. Löffelt es einfach schnell rein und vermeidet Augenkontakt mit der Schüssel.

Stimmt es, dass Puten unfassbar schwer zu züchten sind?
Basierend auf meiner panischen Foren-Lektüre um 4 Uhr morgens: Ja. Sie sind zerbrechliche, kälteempfindliche kleine Wesen, die 35 Grad Hitze, lauwarmes Wasser und ständige Aufsicht brauchen, damit sie nicht versehentlich in ihren eigenen Wasserschalen ertrinken. Bleibt lieber bei der Aufzucht menschlicher Babys. Die sind etwas robuster und brauchen keine glänzenden Murmeln in ihren Bechern.

Warum darf ich bei der Zubereitung von Pute für Babys kein Salz verwenden?
Weil ihre winzigen Nieren in diesem Alter im Grunde nur Deko sind und Natrium noch nicht verarbeiten können. Ein wunderschön marinierter, gesalzener und mit Honig glasierter Festtagsbraten schmeckt uns zwar großartig, ist für ein Baby aber eine furchtbare Idee. Man muss ihre Portion komplett ungewürzt braten, was die Trostlosigkeit des resultierenden Pürees nur noch verstärkt.