Es war 2 Uhr morgens, ich trug eine graue Jogginghose, auf der undefinierbare, verkrustete Süßkartoffel-Brei-Reste klebten, und starrte auf einen gigantischen Berg von Babyklamotten. So richtig grelle, chemisch riechende Neondinosaurier-Strampler aus Poly-irgendwas und Hosen, die sich anfühlten wie aufgeweichtes Plastik. Tom, mein ansonsten sehr wunderbarer Ehemann, schnarchte im Schlafzimmer nebenan den Schlaf der Gerechten, während ich gefühlt meinen achten lauwarmen Kaffee trank und versuchte, Mayas Sachen in Größe 62 auszusortieren. Fast alles auf diesem gigantischen Haufen hatte noch das verdammte Preisschild dran. So viel absoluter Schrott. Ich hatte immer gedacht, das ganze Thema nachhaltige Kindermode sei nur was für diese perfekten, ätherischen Instagram-Mütter, die ihre Kinder ausschließlich in beige Leinenfetzen hüllen, nie lauter werden und wahrscheinlich ihre eigene Hafermilch im Hinterhof melken. Jedenfalls ist der Punkt, ich dachte wirklich, ich wäre wahnsinnig clever und würde Geld sparen mit diesen 5er-Packs aus dem Discounter, die sich schon nach einmal Waschen anfühlen wie Schleifpapier.
Ich war so stolz auf meine Schnäppchen. Fünf Bodys für acht Euro? Her damit. Eine Latzhose, die so steif war, dass sie von alleine stehen konnte? Gekauft. Ich dachte mir, Babys spucken eh den ganzen Tag, wozu also Geld ausgeben? Das war, bevor alles furchtbar schiefging und ich heulend vor der Waschmaschine saß, aber dazu komme ich gleich.
Der Tag an dem die Dinosaurier flogen
Maya bekam dann diesen seltsamen Ausschlag. Nicht nur ein bisschen rot von der Sommerhitze oder vom Schwitzen im Tragetuch, sondern so richtig wütend, schuppig und überall dort, wo die Bündchen von diesem grässlichen lila Einhorn-Schlafanzug ihre Haut berührten. Ich saß also völlig fertig bei unserer Kinderärztin im Wartezimmer, Maya brüllte, als würde ich sie foltern, und als wir endlich dran waren, schaute sich Dr. Weber das an und fragte mich in so einem ganz beiläufigen Ton, ob ich die neuen Klamotten eigentlich dreimal wasche, bevor sie die anzieht. Ich schaute sie an wie ein Auto und meinte nur, wer zur Hölle hat Zeit, Dinge dreimal zu waschen? Ich bin froh, wenn ich einmal die Woche dusche.
Sie murmelte dann irgendwie sowas von Formaldehyd, das in billiger Kleidung steckt, um die Fasern auf dem Transportweg glatt zu halten, und von Schwermetallen in den knalligen Farben. Das Schlimmste war aber, als sie sagte, dass Babyhaut wohl so eine Art Schwamm ist, der einfach ALLES aufsaugt, weil die natürliche Schutzbarriere noch gar nicht richtig existiert. Fünfmal dünner als unsere Haut oder so, meinte sie. Ich bin echt keine Dermatologin und habe im Biologie-Unterricht meistens aus dem Fenster gestarrt, aber das Bild von fiesen Chemikalien, die direkt durch den Schweiß in Mayas kleinen Blutkreislauf sickern, hat mich fast um den Verstand gebracht. Ich dachte, ich hätte sie geschützt, dabei habe ich sie in pure Chemie gepackt.
Ich stand also da, mitten in der Nacht, und googelte panisch, was in ganz normaler Fast-Fashion-Kleidung eigentlich drin ist, und Leute, es ist ein absoluter Albtraum. Da werden Pestizide beim Baumwollanbau literweise versprüht, dann wird das Ganze mit giftigen Farben getränkt, die in irgendwelchen Flüssen landen, und am Ende packen wir unsere winzigen, perfekten Babys da rein und wundern uns, wenn sie sich blutig kratzen. Ich habe wirklich Rotz und Wasser geheult vor schlechtem Gewissen, weil ich ihr praktisch Gift angezogen hatte, nur weil diese kleinen aufgedruckten Pandas so süß aussahen und das Set fast nichts gekostet hat. Und dieses ganze Greenwashing mit "Eco" oder "Conscious" auf den Pappschildern im Laden könnt ihr direkt vergessen, wenn da nicht das GOTS-Siegel draufsteht, ist es sowieso nur Marketing-Mist, also weiter im Text.
Outdoor-Zeug und andere Katastrophen
Und fangt mir gar nicht erst mit Outdoor-Kleidung an. Das Kind muss ja bei strömendem Regen in den Matsch, so will es das ungeschriebene Gesetz der Elternschaft. Ich hatte Maya so einen knallgelben Regenanzug vom Discounter gekauft, in dem sie super niedlich aussah, wie so ein kleiner ostfriesischer Fischer. Bis ich dann irgendwo gelesen habe, dass diese Dinger fast alle voll mit PFCs sind. Das sind diese per- und polyfluorierten Chemikalien, die das Wasser abweisen, was ja praktisch klingt. Aber meine Ärztin meinte, die reichern sich wohl im Körper an und stehen im Verdacht, das Immunsystem von Kindern zu schwächen, was ja GENAU das ist, was man will, wenn man sein Kind in den eiskalten Regen schickt, um das Immunsystem zu stärken. Die Ironie hat mich fast umgebracht.

Es ist ja nicht mal nur die Chemie. Es ist auch diese unfassbar schlechte Qualität. Wenn du ein T-Shirt für drei Euro kaufst, dann haben die Nähte nach der allerersten Wäsche plötzlich eine 45-Grad-Neigung. Ich habe wirklich Stunden meines ohnehin viel zu kurzen Lebens damit verbracht, winzige Beinchen in völlig verdrehte Hosenbeine zu fädeln, während mein Kleinkind auf dem Wickeltisch versucht, einen Salto rückwärts zu machen. Das ist der Moment, wo du eigentlich nur weinen willst und dich fragst, warum du nicht einfach ein bisschen mehr Geld für etwas ausgegeben hast, das seine Form behält.
Mein völlig überforderter Versuch, es besser zu machen
Nach diesem katastrophalen Arztbesuch habe ich panisch versucht, unser komplettes Leben umzukrempeln. Ich googelte wie eine Verrückte nach allen möglichen nachhaltigen Kindermode-Labels, die das Internet hergab, und wurde von der schieren Auswahl und vor allem den Preisen fast erschlagen. Tom, der bei unvorhergesehenen Ausgaben über zwanzig Euro normalerweise sofort seine Excel-Tabellen öffnet und Schnappatmung bekommt, meinte nur, wir können unmöglich für jedes winzige T-Shirt ein halbes Vermögen ausgeben, das sie nach drei Wochen eh wieder vollspuckt. Er hatte ja recht, irgendwie. Aber wir brauchten eine Lösung.
Dann fing ich an, mich intensiv mit nachhaltiger Kindermode aus der Schweiz zu beschäftigen, weil eine befreundete Mama mir von diesem speziellen Schweizer Qualitätsanspruch vorschwärmte, wo die Sachen anscheinend nicht nach einer Saison auseinanderfallen, sondern wirklich für die Ewigkeit gemacht sind. Funktional, ohne viel Schnickschnack, aber eben extrem hochwertig. So bin ich dann bei Kianao gelandet und habe beschlossen, das Experiment zu wagen.
Mein absoluter, unangefochtener Lebensretter in dieser Zeit war dieser Bio-Baumwoll-Body von Kianao. Ich schwöre euch, Maya hat darin monatelang quasi gelebt. Er war unfassbar weich, hat sich nicht nach der ersten 60-Grad-Wäsche verzogen wie ein nasser Waschlappen und hat wirklich JEDEN Fleck überlebt. Blaubeeren. Karottenbrei. Das ominöse grüne Zeug, das sie im Park in den Mund gesteckt hat, bevor ich es verhindern konnte. Das Beste war aber: Leo, mein zweites Kind, konnte ihn zwei Jahre später immer noch tragen, und er sah aus wie neu. Er liegt jetzt in unserer kleinen Erinnerungskiste auf dem Dachboden, weil ich es absolut nicht übers Herz bringe, ihn wegzugeben.
Auf der anderen Seite hatte ich auch diese kleine Baby-Mütze von ihnen gekauft, die auf den Fotos im Shop mega süß aussah. Die Qualität war auch hier top, aber Leo hatte einfach einen gigantischen Kopf. Wirklich, 99. Perzentile, der Arzt meinte damals lachend, er sprengt jede Wachstumskurve. Er hatte die Mütze genau zweimal an, bevor sie aussah wie eine viel zu enge Badekappe und er anfing zu weinen, sobald ich damit nur um die Ecke kam. Für Babys mit großen Köpfchen also eher ungeeignet, aber das war eher mein Fehler als der der Mütze.
Wenn ihr euch den stundenlangen Stress und die nächtlichen Google-Orgien sparen wollt, die ich hatte, könnt ihr euch einfach mal durch die Bio-Kollektion wühlen und schauen, ob da vielleicht ein paar gute Basics für euch dabei sind, die nicht nach Chemie stinken.
Wie wir nicht völlig pleite gegangen sind
Statt jetzt loszurennen und panisch 50 neue Öko-Teile zu kaufen, was wirklich totaler Quatsch ist und euren Kontostand ruinieren würde, kauft lieber das meiste Second-Hand auf irgendwelchen Apps oder Flohmärkten, weil da die ganzen ekligen Schadstoffe von den Vorbesitzern eh schon längst rausgewaschen sind, oder holt euch einfach ein paar geschlechtsneutrale Basics in gedeckten Erdtönen, die man ewig kombinieren und an sämtliche Geschwister oder Cousins weitergeben kann, ohne dass man alle paar Monate den kompletten Kleiderschrank austauschen muss, weil Rosa plötzlich uncool ist.

Wir haben jetzt für Leo so eine Art Capsule Wardrobe. Das klingt unfassbar prätentiös, ich weiß. Aber es bedeutet eigentlich nur, dass wir vielleicht sieben oder acht wirklich gute Teile haben, die sich im Zwiebellook übereinander schichten lassen. Das rettet mir morgens um sieben echt den Hintern, weil im Dunkeln einfach alles zusammenpasst und ich nicht nachdenken muss, ob das gestreifte Shirt zu der gepunkteten Hose passt. Es passt alles. Immer.
Und noch ein Geheimtipp: Kauft Haremshosen. Ernsthaft. Diese Dinger mit den ewig langen Bündchen, die man am Anfang einfach hochkrempelt und die irgendwie magisch mit dem Kind mitwachsen, sodass eine einzige Hose gefühlt drei komplette Kleidergrößen überlebt, bevor sie dann als kurze Sommerhose endet. Das ist das smarteste Design, das jemals für Kinderkleidung erfunden wurde.
Wenn ihr auch endgültig genug habt von kratzigen, chemisch riechenden Klamotten, die nach dreimal Waschen kleine Löcher haben, und einfach ein paar vernünftige, ehrliche Basics sucht, schaut euch am besten die Baby-Erstausstattung bei Kianao an, bevor ihr den gleichen teuren und wahnsinnig nervenaufreibenden Fehler macht wie ich damals mit meinem Berg aus Polyester.
Dinge, die ich mich nachts um drei gefragt habe
Muss ich Bio-Kleidung auch vor dem ersten Tragen waschen?
Oh Gott, ja. Meine Kinderärztin meinte, auch wenn da bei der Produktion keine Pestizide reingepumpt wurden, hingen die Sachen ja trotzdem in irgendwelchen Fabriken, Fabrikhallen und muffigen Pappkartons rum, bevor sie bei uns ankamen. Also lieber einmal kurz durchspülen, auch wenn es unfassbar nervt und man das süße Teil dem Baby am liebsten sofort anziehen würde.
Ist Wolle-Seide wirklich so magisch, wie alle Hebammen behaupten?
Anscheinend schon, weil Seide wohl irgendwie kühlt und Wolle gleichzeitig wärmt, was total irre ist, wenn man bedenkt, dass Neugeborene ihre Temperatur ja noch absolut null selbst regeln können. Ich dachte erst, das ist so ein Esoterik-Ding, aber bei uns hat es echt geholfen, als Leo immer so extrem geschwitzt hat im Kinderwagen. Er war plötzlich immer perfekt temperiert, fragt mich nicht, wie das physikalisch funktioniert.
Was mache ich mit den ganzen Fast-Fashion-Sachen, die ich schon habe?
Bitte werft sie nicht einfach in den Müll, das macht es ja für unsere ohnehin schon brennende Umwelt nicht besser. Zieht sie den Kids vielleicht einfach über einen guten, schadstofffreien Bio-Body an, damit der Polyester-Kram nicht direkt auf der nackten Haut liegt, oder nutzt sie als reine Matschklamotten für den Spielplatz, wo sie eh nach zehn Minuten ruiniert sind.
Lohnt sich der Preis für ein nachhaltiges Teil wirklich?
Wenn man bedenkt, dass ich für Maya fünf billige Hosen gekauft habe, die nach drei Wochen alle an den Knien durchgescheuert waren, und Leo jetzt immer noch die eine gute Bio-Hose trägt, die das Dreifache gekostet hat, dann ja, absolut. Aber man muss es sich halt auch erstmal leisten können, deshalb mische ich immer mit Second-Hand, weil niemand einen Goldesel im Keller stehen hat.





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