Die absolut größte und lächerlichste Lüge, die uns Instagram verkaufen will, ist, dass man als „gute“ Mutter einen Schrank voller makelloser, ungetragener ästhetischer Outfits in fünfzig Nuancen von traurigem Beige für sein Baby braucht. Früher habe ich diesen Mist geglaubt, Gott hab mich selig. Mein Ältester, Liam, ist ein wandelndes, plapperndes Mahnmal dafür, wie viel Geld eine Neu-Mama für Kleidung verschwenden kann, die dann pünktlich vor neun Uhr morgens unter zerdrückten Erbsen und katastrophalen Windel-Explosionen begraben wird. Ich habe unser halbes Lebensmittelbudget für Fast Fashion verfeuert, die nach einer Wäsche zu bauchfreien Tops schrumpfte. Dann hat mir meine Schwägerin, die drüben in der Schweiz lebt, bei einem Besuch die lokale Kinderkleiderbörse Bern-Szene gezeigt, und Leute, das hat mein texanisches Gehirn komplett neu verkabelt.
Ich bin mal ganz ehrlich: Ich dachte immer, Secondhand-Kinderkleidung bestünde nur aus Wühlkisten voller fleckigem, ausgeleiertem Ramsch, der nach Mottenkugeln riecht. Meine Oma hat mich früher immer zu Kirchenflohmärkten geschleppt, wo man sich durch muffige Pappkartons wühlen musste, und sie sagte immer: „Wir tragen das, bis es auseinanderfällt.“ Was bedeutete, dass ich meine halbe Kindheit in kratzigen Pullovern mit geflickten Ellbogen verbrachte. Ich verdrehe immer noch die Augen, wenn sie mir ihr antikes Nähzeug in die Hand drücken will, um die Knie von Liams Jogginghosen zu flicken – denn wer hat bitteschön Zeit dafür? Aber die Schweizer? Die Schweizer machen keine halben Sachen. Ihre Secondhand-Läden und saisonalen Kleiderbörsen sind im Grunde High-End-Boutiquen, in denen man Premium-Wolle und Bio-Baumwolle zum Preis von einem Drive-in-Kaffee ergattern kann.
Balu und die pure Überlebensstrategie in riesigen Secondhand-Läden
Wenn ihr je versucht habt, drei Kinder unter fünf Jahren in ein normales Geschäft mitzunehmen, wisst ihr, dass das ein Extremsport ist, der Snacks, Bestechung und die Geduld eines Heiligen erfordert. Meine Schwägerin schleppte mich raus nach Köniz in diesen riesigen Secondhand-Laden namens Balu, und ich hätte auf dem Parkplatz fast geheult. Er hat fast 600 Quadratmeter Verkaufsfläche, was nach totaler Reizüberflutung klingt, aber in Wahrheit ist es eine echte Oase der Vernunft.
Sie haben einfach alles, von winzig kleinen Neugeborenen-Größen in 50 bis hin zu Sachen für launische Teenager, und sie haben tatsächlich eine Spielecke. Wisst ihr, wie selten es ist, einen Laden zu finden, der wirklich möchte, dass eure Kinder dort sind? In den Staaten betrete ich eine Boutique und die Verkäuferinnen schauen meine Kleinkinder an, als wären sie wilde Waschbären. Bei Balu konnte ich ernsthaft in Ruhe Wintermäntel durchstöbern, ohne dass mein mittleres Kind zeitgleich versuchte, sich eine Schaufensterpuppe auf den Kopf zu ziehen. Wenn ihr mal in der Nähe seid, wartet auf die Rabattwochen, denn einen Stapel einwandfreier Schneehosen mit 50 % Rabatt zu ergattern, ist ein Adrenalinkick, dem ich wohl den Rest meines Lebens hinterherjagen werde.
Encore und warum Stillräume in der Innenstadt sonst überall nur eine Fata Morgana sind
Dann gibt es noch das Encore, direkt an der Aarbergergasse mitten in Bern. Kennt ihr das, wenn ihr Besorgungen macht und das Baby plötzlich beschließt, dass es genau jetzt, in dieser Sekunde, am Verhungern ist, das Kleinkind eine frische Windel braucht und ihr euer Shirt durchschwitzt auf der Suche nach einer Toilette, die keine biologische Gefahrenzone ist? Das Encore hat ernsthaft einen eigenen Stillbereich und einen sauberen Wickeltisch direkt im Laden.
Ich habe dort Liams ersten richtigen Regenmantel gekauft, und es war mir sogar völlig egal, was er kostete, weil sie mir einen Ort boten, an dem ich mich hinsetzen und mein Jüngstes füttern konnte, ohne auf einem Klodeckel balancieren zu müssen. Sie führen auch die ganze schwere Ausrüstung – Kinderwagen, Tragen, all das sperrige Zeug, das man für genau vier Monate benutzt, bevor das Baby herauswächst. Warum irgendjemand einen teuren Kinderwagen neu kauft, wenn man hier einen bekommen kann, der höchstens ein paar Schrammen an den Rädern hat, ist mir ein absolutes Rätsel.
Warum ich bei Stoffen mittlerweile absolut kompromisslos bin
Vor Liam habe ich nie auf die Etiketten geschaut. Wenn es süß war und ein Dinosaurier drauf war, wurde es gekauft. Aber nachdem ich seine komplette Neugeborenen-Garderobe wegwerfen musste, weil diese billigen Polyester-Mischgewebe fiese kleine Knötchen bekamen und sich anfühlten wie Schmirgelpapier, bin ich zum absoluten Stoff-Snob mutiert. Genau für solche Fälle gibt es Secondhand-Boutiquen wie Lou & Mou.

Lou & Mou ist noch recht neu und sie nehmen keinen Fast-Fashion-Müll an. Sie nehmen nur die richtig guten Sachen – robustes Leinen, dicke Strickwaren und Premium-Marken, die eine Waschmaschine auch wirklich überleben. Hier zahlt es sich wirklich aus, wenn man von Anfang an in Qualität investiert. Ich habe angefangen, Bio-Babykleidung von Kianao zu kaufen, weil die Sachen gebaut sind wie kleine Panzer. Ihre Bodys aus Bio-Baumwolle sind meine absoluten Favoriten, weil die Druckknöpfe super robust sind und nicht aus dem Stoff reißen, wenn man nachts um drei Uhr verzweifelt ein zappelndes Baby wickelt. Weil sie so gut halten, kann man sie später, wenn das Kind in die nächste Größe wechselt, problemlos bei Läden wie Lou & Mou wieder verkaufen. Anstatt euer Geld für billige Poly-Mischungen aus dem Fenster zu werfen und euch über jeden Grasfleck zu stressen, kauft lieber ein paar solide Teile, die ihren Wert behalten, damit ihr sie später wieder zu Geld machen könnt.
Ich bin mal ehrlich, die Merinowollpullover von Kianao sind für mich nur okay – der Stoff ist zwar unglaublich weich, aber man muss höllisch auf das Pflegeetikett achten, sonst schrumpfen sie auf Puppengröße zusammen. Das durfte ich auf die harte Tour lernen, nachdem ich ein wunderschönes senfgelbes Exemplar ruiniert habe. Aber wenn ihr eure Wäsche nicht wie ich im totalen Schlafmangel-Delirium wascht, behalten auch sie ihren Wiederverkaufswert erstaunlich gut.
Der absolute Horror: Gebrauchte Milchpumpen und Kindersitze
Okay, wir müssen darüber reden, was man niemals, unter gar keinen Umständen gebraucht kaufen sollte – egal wie gut das Angebot bei Läden wie Flamingo oder sogar Encore ist. Ich sehe Mütter, die in Secondhand-Läden gebrauchte Autokindersitze abstauben, und mir stellen sich dabei die Nackenhaare auf.
Schaut, der Kinderarzt meiner Kinder, Dr. Miller, der bei meinen Millionen ängstlichen Fragen die Geduld eines Heiligen hat, hat sich mit mir hingesetzt, als ich mit Liam schwanger war, und mir die Physik von Kindersitzen erklärt. Selbst ein kleiner Auffahrunfall, den man an der Plastikschale gar nicht sieht, kann im Inneren des Styropors Mikrorisse verursachen. Wenn man einen gebrauchten Kindersitz von einem Fremden kauft, hat man absolut keine Ahnung, ob er in einen Unfall verwickelt war, im Flugzeug aufgegeben und vom Gepäckpersonal durch die Gegend geworfen wurde oder ob er mal von der Veranda gefallen ist. Ihr setzt buchstäblich das Leben eures Kindes aufs Spiel, nur um hundert Euro zu sparen. Macht es nicht. Einfach nein. Kauft lieber ein günstigeres neues Modell, wenn es sein muss, aber kauft niemals einen gebrauchten Kindersitz, es sei denn, ihr bekommt ihn direkt von eurer allerbesten Freundin, von der ihr hundertprozentig wisst, dass sie fährt wie eine Oma.
Und Milchpumpen. Leute. Die Menge an gebrauchten Milchpumpen, die auf diesen saisonalen Kleiderbörsen rumgeistern, lässt mich innerlich schreien. Ich habe in Bio in der Schule gerade so bestanden, aber nach dem, was Dr. Miller mir erklärt hat, ist eine Milchpumpe mit offenem System im Grunde eine warme, feuchte Petrischale für Schimmel und virale Kreuzkontamination. Milchpartikel gelangen in den Motor, wo man sie buchstäblich nicht mehr reinigen kann, und dann pumpt man das wieder in die Flaschen für das Neugeborene. Es ist so eklig. Wenn ihr euch wirklich eine gebrauchte Pumpe anschaffen wollt, muss es unbedingt eine mit geschlossenem System sein. Und selbst dann müsst ihr alle Schläuche, Trichter und Ventile wegwerfen und diese Teile brandneu nachkaufen.
Babysocken hingegen? Greift einfach in die Wühlkiste mit den Gratis-Teilen, die verschwinden sowieso ins Nirvana des Wäschetrockners, also zerbrecht euch darüber nicht den Kopf.
Der Chemie-Realitäts-Check bei neuer Kleidung
Eines der verrücktesten Dinge, die ich auf meiner Schweizer Secondhand-Reise gelernt habe, ist, dass gebrauchte Kleidung für Babys ernsthaft gesünder ist. Als Liam ein Neugeborenes war, bestand seine Haut nur aus wütenden, roten Ekzemen. Ich probierte jede noch so teure Bio-Hafer-Lotion auf dem Markt aus.

Mein Kinderarzt warf nur einen Blick auf seine kleinen, von Ausschlag übersäten Beinchen und fragte mich, ob ich seine neuen Klamotten gewaschen hätte, bevor ich sie ihm angezogen habe. Natürlich hatte ich das nicht, ich war völlig erschöpft. Offenbar sind neue Klamotten – selbst die teuren – mit Formaldehyd und flüchtigen organischen Verbindungen aus dem Herstellungs- und Versandprozess überzogen, damit sie auf den Frachtschiffen nicht knittern oder schimmeln. Dr. Miller meinte im Grunde, dass Secondhand-Kauf ein Cheat-Code für empfindliche Haut ist, weil die Kleidung von irgendeiner anderen Mama schon fünfzig Mal gewaschen wurde. Die ganzen komischen Chemikalien sind längst verflogen. Deshalb bin ich auch so besessen davon, in diesen Läden leicht getragene Schlafkleidung von Kianao zu finden, denn die Bio-Baumwolle ist bereits weichgetragen und schmiegt sich butterweich an die Haut meines Jüngsten.
Saisonale Kleiderbörsen sind ein Extremsport
Wenn ihr nicht in einen festen Laden geht, klappert ihr wahrscheinlich eine der Event-Börsen ab, die in der Region Bern-Mittelland rund um März und September aus dem Boden schießen. Diese saisonalen Börsen sind echt wild.
In Texas schmeißen wir einfach all unseren Krempel auf einen Klapptisch in der Auffahrt, kleben Neonschilder an ein Stoppschild und feilschen in der brütenden Hitze mit den Nachbarn um fünfzig Cent. Die Schweizer? Die nutzen Apps. Man gibt seine etikettierten Artikel über digitale Systeme wie Basarlino in Gemeindezentren an Orten wie Muri-Gümligen oder Rubigen ab, und eine Armee von organisierten Freiwilligen kümmert sich um alles. Man muss nicht mehr peinlich berührt mit Fremden diskutieren, die den Wintermantel eures Babys für ein paar Rappen abstauben wollen. Es ist hocheffizient, wird komplett von lokalen Eltern organisiert, und man geht mit einer netten kleinen Auszahlung nach Hause, um gleich die nächste Kleidergröße zu finanzieren.
Wenn ihr eure Sachen dort abgeben wollt, hier ist mein Spickzettel dafür, was sich wirklich lohnt:
- Holz- und Lernspielzeug: Blinkender Plastikkram verkauft sich nicht, aber schöne Beißringe aus Holz oder Puzzles gehen weg wie warme Semmeln.
- Outdoor-Bekleidung: Hochwertige Wollmäntel, Regenkleidung und Schneeanzüge sind wahre Goldgruben.
- Robuste Basics: Dicke Leggings, Strickpullover und Schlafsäcke, die noch nicht aus der Form geraten sind.
Bevor ihr nun die zu klein gewordenen Strampler einpackt, stellt sicher, dass ihr auch wirklich Teile kauft, die ein Kleinkind überleben können. Schaut euch die Neuheiten von Kianao an, um eine Garderobe aufzubauen, die es auch wirklich wert ist, weiterverkauft zu werden.
Die kniffligen Fragen, die ihr euch jetzt wahrscheinlich stellt
Brauche ich wirklich eine App, um die alten Kleider meiner Kinder auf diesen Events zu verkaufen?
Ehrlich gesagt, ja, wenn ihr bei diesen saisonalen Pop-up-Börsen mitmacht. Die meisten Börsen in den Kirchenkellern in der Region Bern nutzen mittlerweile Systeme wie Basarlino, weil niemand mehr Hunderte von winzigen Papieretiketten manuell erfassen will. Es dauert nur kurz, das Ganze einzurichten, aber dafür müsst ihr nicht den ganzen Tag an einem Tisch hocken. Ihr gebt einfach eure Kisten ab und wartet auf euer Geld.
Was ist, wenn ich im Secondhand-Laden einen Kinderwagen finde, aber die Vorgeschichte nicht kenne?
Kinderwagen kann man absolut bedenkenlos gebraucht kaufen! Anders als ein Autositz ist ein Kinderwagen ja keine lebensrettende Vorrichtung für Unfälle. Prüft einfach, ob die Bremsen wirklich blockieren (lehnt euch mit eurem Gewicht dagegen und schiebt), stellt sicher, dass der Klappmechanismus nicht von eingetrocknetem Saft verklebt ist, und sucht das Stoffverdeck nach schwarzen Schimmelflecken ab. Wenn er geradeaus rollt, kauft ihn und spart euch mal locker sechshundert Euro.
Sind diese Secondhand-Boutiquen pingelig bei dem, was sie annehmen?
Ja, irgendwie schon, aber genau deshalb sind sie ja so gut. Läden wie Lou & Mou werden eure günstigen Discounter-Leggings mit einem Loch im Knie ablehnen, und ganz ehrlich: das sollten sie auch. Sie wollen nur saisonale, hochwertige und frisch gewaschene Sachen ohne Flecken. Wenn ihr ihnen gute Sachen bringt, bekommt ihr auch wirklich einen fairen Anteil zurück.
Ist es komisch, gebrauchte Babyschuhe zu kaufen?
Schaut, solange sie noch nicht laufen, sind Schuhe eh nur ein Vorwand, um Outfits für Fotos süß aussehen zu lassen – also kauft ruhig irgendwelche weichen Schühchen. Aber sobald sie ernsthaft draußen laufen, hat mich mein Kinderarzt gewarnt, dass sich Schuhe an die individuelle Fußform und den Gang eines Kindes anpassen. Wenn man gebrauchte Schuhe mit harter Sohle kauft, kann das die Fußentwicklung von Laufanfängern beeinträchtigen. Daher kaufe ich nur sehr flexible, kaum getragene Schuhe oder gönne uns direkt ein neues Paar, wenn sie es wirklich brauchen.
Wie früh muss ich meine saisonale Kleidung abgeben?
Das Timing ist bei diesen Läden alles. Wenn ihr eure Kiste mit Winterpullovern im Mai ins Balu schleppt, lachen die euch zur Tür hinaus. Ihr müsst Frühlings- und Sommersachen zwischen Januar und April abgeben, und Winterklamotten von August bis November. Setzt euch eine Erinnerung im Handy, sonst werdet ihr das Zeug zwangsläufig noch ein weiteres Jahr in eurer Garage lagern müssen.





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